Barm­her­zig­keit vor der Haus­tür

Papst Fran­zis­kus setzt sich für Ob­dach­lo­se auf dem Pe­ters­platz in Rom ein

Pforzheimer Kurier - - BLICK IN DIE WELT - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Le­na Klim­keit

Rom. Die Krip­pe steht, der Weih­nachts­baum glit­zert, da­hin­ter in sei­ner vol­len Pracht: der Pe­ters­dom. Abends, wenn es leer wird auf dem Pe­ters­platz, füllt es sich vor den über­dach­ten Ein­gän­gen der Sou­ve­nir-Lä­den und zwi­schen den Säu­len der Ko­lon­na­den. Ei­ner nach dem an­de­ren baut sei­ne Her­ber­ge auf, mit Schlaf­sack, Papp­kar­tons, Re­gen­schir­men. Man­che der Ob­dach­lo­sen ha­ben so­gar Kof­fer da­bei. Sie wis­sen, dass sie hier­blei­ben kön­nen. Die Po­li­zei schickt sie nicht weg.

Und das nicht erst, seit der „Papst der Ob­dach­lo­sen“im Va­ti­kan herrscht. Doch Fran­zis­kus setzt sich be­son­ders für die Clochards vor den Pfor­ten des Kir­chen­staats ein. Barm­her­zig­keit ist nicht nur in der Weih­nachts­zeit, son­dern all­ge­mein ein Haupt­an­lie­gen in sei­nem Pon­ti­fi­kat. Im No­vem­ber emp­fing der 80-Jäh­ri­ge Tau­sen­de Ob­dach­lo­se aus al­ler Welt zu ei­ner Au­di­enz. Zum Ge­burts­tag früh­stück­te er mit ei­ni­gen. Mitt­ler­wei­le gibt es rechts vom Pe­ters­dom Du­schen, Not­schlaf­stel­len und ei­nen Fri­seur für die „Senz­a­t­et­ti“. Al­les auf Initia­ti­ve des Ar­gen­ti­ni­ers. „Will­kom­men in un­se­rem Ar­men­vier­tel“, sagt Andrea mit Iro­nie in der Stim­me. Er steht in der Nä­he der Du­sch­an­la­ge, die von der Po­li­zei be­wacht wird. „Die Leu­te auf der Stra­ße kön­nen hier al­les ha­ben. Sie krie­gen so­gar Früh­stück mit ei­nem war­men Kaf­fee. Das ist die bes­te Wer­bung für die Kir­che“, er­zählt Andrea. Nur die we­nigs­ten schei­nen sich an den Bett­lern zu stö­ren. „Die­se Men­schen sind fried­lich“, sagt ei­ne Tou­ris­tin aus Deutsch­land. Ein Ver­käu­fer in ei­nem der Sou­ve­nir-Ge­schäf­te sieht es prag­ma­tisch: „Über­all wo Tou­ris­ten sind, sind auch Ob­dach­lo­se und Bett­ler.“Tags­über sei­en die meis­ten so­wie­so nicht zu se­hen. „Die sind un­ter­wegs“, meint ein Po­li­zist.

Jörg da­ge­gen steht ne­ben sei­nem Schlaf­platz – ei­nem mit schwar­zen Plas­tik­tü­ten be­stück­ten Kar­ton – und blickt den Tou­ris­ten hin­ter­her, die an ihm vor­bei­zie­hen. Vor ei­ni­gen Jah­ren sei er schon mal in Rom ge­we­sen und ha­be fünf Mo­na­te lang im­mer an der glei­chen Stel­le sein „Ho­tel“ge­habt, er­zählt der Ber­li­ner mit den lan­gen, zot­te­li­gen Haa­ren. Man wer­de hier als Ob­dach­lo­ser gut be­han­delt, er sei froh, dass er in Ru­he ge­las­sen wer­de, so­lan­ge er die an­de­ren Men­schen in Ru­he las­se. „Aber die Kir­che da in­ter­es­siert sich nicht für mich“, sagt er. Wie Jörg sich auch nicht für die Weih­nachts­pre­digt des Paps­tes so nah an sei­nem Schlaf­platz in­ter­es­siert.

JÖRG LEBT der­zeit in Rom auf der Stra­ße – ei­gent­lich kommt er aus Ber­lin. Foto: dpa

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