Als Ret­tungs­sa­ni­tä­ter erst­klas­sig be­währt

KSC über­zeugt Slom­ka dank Kreu­zer und an­de­rer gu­ter Ar­gu­men­te vom Zweit­li­ga-Ab­stiegs­kampf

Pforzheimer Kurier - - SPORT - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Re­né Dan­kert

Karlsruhe. Be­schert ha­ben sich die Wei­chen­stel­ler beim Karls­ru­her SC nun doch noch selbst. Zwei Ta­ge vor Weih­nach­ten ha­ben sie die drän­gends­te Ver­eins­per­so­na­lie über­ra­schend pro­mi­nent ab­ge­hakt und fort­an deut­lich mehr Sinn fürs Be­sinn­li­che. Es er­war­tet sie ein Fest oh­ne ver­schärf­ten Hand­lungs­druck, der sich bei wei­te­rem Auf­schubs nur zu­ge­spitzt hät­te. Fest steht: In Mir­ko Slom­ka wird am 3. Ja­nu­ar ein Mann beim Ta­bel­len-15. der Zwei­ten Fuß­ball-Bun­des­li­ga die Trai­nings­lei­tung vom zu­letzt in­te­ri­mis­tisch ein­ge­setz­ten A-Ju­nio­ren-Trai­ner Lu­kas Kwas­ni­ok über­neh­men, der das Pro­fil des Sport­di­rek­tors Oli­ver Kreu­zer voll und ganz trifft: Er­fah­ren. Kennt die Li­ga. Und: Kreu­zer kennt ihn. Ges­tern wur­den auf dem Fax-Weg die Ver­trä­ge aus­ge­tauscht, am Abend mach­te der Ver­ein die frisch er­ziel­te Ei­ni­gung be­kannt. Sie sieht vor, dass der 49-Jäh­ri­ge min­des­tens bis 30. Ju­ni 2018 die sport­li­chen Ge­schi­cke der Blau-Wei­ßen ver­ant­wor­tet.

Der Nach­fol­ger des am 4. De­zem­ber be­ur­laub­ten To­mas Oral sei von An­fang an „ganz oben auf un­se­rer Lis­te ge­stan­den. Wir ha­ben auch kei­nem an­de­ren Trai­ner ein An­ge­bot ge­macht“, ver­si­chert KSC-Boss In­go Wel­len­reu­ther, des­sen Prä­si­di­um sich die­ser Ta­ge mit dem ge­bür­ti­gen Hil­des­hei­mer in Karlsruhe ge­trof­fen und da­bei ei­nen per­sön­li­chen Ein­druck von ihm ge­macht hat­te. Slom­ka war seit sei­ner Be­ur­lau­bung beim Ham­bur­ger SV im Sep­tem­ber 2014 aus dem Trai­ner­ge­schäft her­aus ge­we­sen. Vor al­lem als TV-Ex­per­te nahm man ihn zu­letzt in der Öf­fent­lich­keit wahr.

Kein Bild ma­chen muss­te sich der Sport­chef des KSC von dem Fuß­ball­leh­rer, der in der Bun­des­li­ga Schal­ke 04 (2006 bis 2008), Han­no­ver 96 (2010 bis 2013) und sie­ben Mo­na­te lang die Pro­fis der Han­sea­ten an­lei­te­te. An die El­be ge­holt hat­te ihn sei­ner­zeit: Kreu­zer. Kei­ne drei Mo­na­te nach des­sen De­mis­si­on war dann aber auch Slom­ka dort Ge­schich­te.

Da­mals wie heu­te hält Kreu­zer gro­ße Stü­cke auf den Trai­ner, der als ehr­gei­zig wie macht­be­wusst gilt, als akri­bi­scher Ar­bei­ter ge­nau­so wie als sach­li­cher Ana­ly­ti­ker. Slom­ka ver­steht es, an­de­re für sei­ne Zwe­cke ein­zu­neh­men. „Er ist ein Men­schen­fän­ger. Ei­ner, der die Leu­te mit­nimmt“, schwärmt Kreu­zer. „Ge­nau so ei­nen brau­chen wir in un­se­rer schwie­ri­gen Si­tua­ti­on jetzt“, glaubt er. Kreu­zer er­in­nert an je­ne blei­schwe­ren

Win­ter-Ein­käu­fe sol­len „Si­gnal“-Wir­kung ha­ben

Win­ter­ta­ge im Ja­nu­ar 2010, als Slom­ka beim Ab­stiegs­kan­di­da­ten in Han­no­ver ers­ter Mann wur­de. Der Selbst­mord des Tor­hü­ters Ro­bert En­ke hat­te im Ka­der der Nie­der­sach­sen tie­fe Spu­ren hin­ter­las­sen. „Was er da ge­schafft hat, hat mir im­po­niert“, sagt Kreu­zer. Der Rest ist His­to­rie: Die 96er führ­te Slom­ka in die Eu­ro­pa Le­ague. Ein haut­na­her Zeu­ge je­ner Ta­ge ist der KSC-Pro­fi Mo­ritz Stop­pel­kamp. „Ich ha­be zwei Jah­re un­ter ihm trai­niert. Er ist ein ab­so­lu­ter Fach­mann und ein sehr gu­ter Trai­ner. Ich war über­rascht, ha­be mich aber ge­freut, als ich hlr­te, dass er un­ser Trai­ner wird. Gut für den KSC“, sag­te Ur­lau­ber Stop­pel­kamp ge­gen­über die­ser Zei­tung. Aus Kreu­zers Sicht hat­te Slom­ka auch beim HSV be­stä­tigt, dass er sich auf Ret­tungs­diens­te ver­steht. Da­mals hät­te ihm aber auch ei­ne un­säg­li­che Ver­let­zungs­seu­che den Job ge­kos­tet.

Frag­los tritt Slom­ka ei­ne Spiel­klas­se un­ter­halb sei­nes ver­trau­te­ren Ter­rains ei­ne Auf­ga­be an, die ihn aber­mals vor al­lem als Sa­ni­tä­ter an der Sei­ten­li­nie for­dern wird. In­ter­views zu sei­nem Ret­tungs­auf­trag bei den Ba­de­nern wird er nicht vor dem 3. Ja­nu­ar ge­ben, heißt es. Dann näm­lich er­war­tet er die Spie­ler zum ers­ten Trai­ning – dann wie­der da­bei: der zu­letzt für ein hal­bes Jahr an den nor­we­gi­schen Erst­li­gis­ten FK Bo­dø/ Glimt aus­ge­lie­he­ne Stür­mer Va­dim Man­zon. Net­te Wor­te schick­te Slom­ka, wie in der vom Ver­ein ver­brei­te­ten Pres­se­mit­tei­lung zi­tiert, an sein neu­es Um­feld vor­aus: „Der KSC ge­hört für mich in die Rei­he gro­ßer Tra­di­ti­ons­ver­ei­ne in Deutsch­land. Und vor die­sem Hin­ter­grund ist es mir ein An­lie­gen, die­se Tra­di­ti­on auf­recht zu er­hal­ten und zu pfle­gen.“For­de­run­gen nach Per­so­nal­auf­fri­schung im Win­ter ge­be es sei­tens des Neu­en nicht – sagt Kreu­zer. Ge­se­hen hat Slom­ka das KSC-Gast­spiel in Han­no­ver und ei­ni­ge an­de­re Sai­son­par­ti­en im Fern­se­hen. Wa­ren die Di­ens­te des an erst­klas­si­ge Ein­künf­te ge­wohn­ten Coa­ches dem KSC et­was wert, so soll es nun auch an Ver­stär­kun­gen nicht schei­tern. Kreu­zer da­zu: „Wir wer­den et­was ma­chen. Schon al­lei­ne als Si­gnal an die Kon­kur­renz.“Auf wel­chen Po­si­tio­nen dies ge­schieht, ließ er of­fen – und füg­te an: „Ich wer­de die nächs­ten Ta­ge mit Mir­ko si­cher ei­ni­ge Ma­le spre­chen.“

AUF EIN NEU­ES in Li­ga Zwei: Mir­ko Slom­ka hat als Chef­trai­ner beim KSC ei­nen Ver­trag bis 30. Ju­ni 2018 un­ter­schrie­ben. Foto: imago

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