Ver­ein­te Kräf­te kei­ne Er­folgs­ga­ran­tie

Fuß­ball­fu­sio­nen in Pforz­heim noch oh­ne die er­hoff­te Wir­kung / Groß­pro­jekt in Rhein­stet­ten mit fünf Clubs

Pforzheimer Kurier - - SPORT - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glie­dern Flo­ri­an Kon­rad und Chris­toph Dre­scher

Über sechs Jah­re sind mitt­ler­wei­le ver­gan­gen, seit sich die bei­den gro­ßen Fuß­ball­ver­ei­ne in Pforz­heim, FCP und VfR, zum 1. CfR zu­sam­men­schlos­sen. Sport­lich mach­ten die Gold­städ­ter – nicht zu­letzt dank Un­ter­stüt­zung aus Grun­bach – ei­nen Schritt nach oben in die Ober­li­ga. Doch rich­tig zu­sam­men­ge­wach­sen sind die einst jahr­zehn­te­lan­gen Ri­va­len noch lan­ge nicht. Ein En­de des Sta­di­on­neu­baus in der ge­mein­sa­men Hei­mat Bröt­zin­ger Tal ist je­den­falls nicht in Sicht, ein Ab­bau der Schul­den un­ter die­sen Vor­aus­set­zun­gen kaum mög­lich.

Dass ein Zu­sam­men­schluss zwei­er Ver­ei­ne nicht zwangs­läu­fig in ei­ne ro­si­ge Zu­kunft führt, be­legt in­des der SV Ki­ckers Pforz­heim. Mit­te 2011 aus dem FC Ger­ma­nia Bröt­zin­gen und dem FC Eu­tin­gen ent­stan­den, ging es auf der Wil­fer­din­ger Hö­he zu­nächst ra­sant auf­wärts von der Lan­des- bis in die Ober­li­ga. Doch eben­so flott ver­schwan­den die Ki­ckers so­gar kom­plett aus dem Spiel­be­trieb. Nach ei­nem sport­li­chen Ab­stieg (Ober­li­ga) und zwei Rück­zü­gen (Ver­bands­li­ga/Lan­des­li­ga) stel­len sie in der lau­fen­den Run­de über­haupt kei­ne Ak­ti­ven-Mann­schaft mehr. Auch die lan­ge er­folg­rei­che Ju­gend­ab­tei­lung litt un­ter die­ser Ent­wick­lung. Der wei­te­re Weg ist an­ge­sichts feh­len­der Auf­bau­hel­fer un­ge­wiss.

Für Fe­lix Wie­de­mann, Spiel­be­triebs­lei­ter beim Ba­di­schen Fuß­ball-Ver­band, sind die Ki­ckers ein un­schö­nes Bei­spiel für fal­sche Vor­stel­lun­gen, die mit ei­nem Zu­sam­men­schluss ver­bun­den sind. „Man klam­mert sich im­mer noch an die Spiel­klas­se“, meint der Funk­tio­när zum An­sin­nen der Ki­ckers, nach dem früh­zei­ti­gen Rück­zug aus der Lan­des­li­ga in der Sai­son 2017/18 in der Kreis­li­ga neu zu star­ten. Ge­mäß der Re­gu­la­ri­en ist dies aber nach zwei Rück­zü­gen in Se­rie nur in der un­ters­ten Klas­se mög­lich. Wie­de­mann sieht dar­in kein Pro­blem. „Gu­te Ver­eins­ar­beit ist un­ab­hän­gig von der Spiel­klas­se“, be­tont er.

Zwi­schen­zeit­lich war in Pforz­heim gar ei­ne wei­te­re Ver­schmel­zung der bei­den Fu­si­ons­clubs CfR und Ki­ckers im Ge­spräch – nach der dann vier Ur­sprungs­ver­ei­ne ver­eint ge­we­sen wä­ren. Ein noch grö­ße­res Pro­jekt wird der­zeit in Rhein­stet­ten ver­folgt. In der 20 000-Ein­woh­ner-Ge­mein­de süd­lich von Karlsruhe zie­hen der­zeit die Fuß­bal­lAb­tei­lun­gen von nicht we­ni­ger als fünf Clubs an ei­nem Strang. Bis beim neu­en Groß­ver­ein der ers­te Ball rollt, wird es aber noch ei­ne Wei­le dau­ern. „2025 hal­te ich, Stand jetzt, für ei­nen rea­lis­ti­schen Zei­t­raum“, sagt Ober­bür­ger­meis­ter Se­bas­ti­an Schrempp, der aber Ver­zö­ge­run­gen nicht aus­schlie­ßen will. „Schließ­lich ist es ein Groß­pro­jekt, das so noch kei­ner pro­biert hat. Und ir­gend­wer muss im­mer der Ers­te sein.“Der Grund­stein wur­de jetzt nach den er­folg­rei­chen Ab­stim­mun­gen in den Mit­glie­der­ver­samm­lun­gen ge­legt. Der SV Mörsch, der TV Mörsch, die FT Forch­heim, die Sport­freun­de Forch­heim und der SC Neu­burgwei­er wol­len mit der Fu­si­on die Zu­kunft des Fuß­ball­sports in Rhein­stet­ten si­chern, denn die sin­ken­den Mit­glie­der­zah­len ma­chen den orts­an­säs­si­gen Ver­ei­nen zu schaf­fen.

Die Grün­de sind viel­fäl­tig. Durch den de­mo­gra­fi­schen Wan­del und die nied­ri­ge Ge­bur­ten­ra­te fehlt der fuß­ball­be­geis­ter­te Nach­wuchs, zu­dem ist die Kon­kur­renz durch neue Trend­sport­ar­ten und mehr Frei­zeit­an­ge­bo­te grö­ßer ge­wor­den. Auch ver­än­der­te ge­sell­schaft­li­che Be­dürf­nis­se oder Re­for­men im Bil­dungs­we­sen wie den Ganz­tags­schu­len spie­len ei­ne Rol­le.

Be­reits 2011 hat­ten die Ver­eins­ver­tre­ter in ge­mein­sa­men Ge­sprä­chen ge­merkt, dass sich die Clubs mit ähn­li­chen Pro­ble­men plag­ten, und sich an­schlie­ßend an die Stadt ge­wen­det. „Und wir ha­ben den Ball dann ger­ne auf­ge­nom­men“, er­klärt Schrempp, der selbst ak­tiv auf To­re­jagd geht.

Ver­ei­ne kämp­fen mit sin­ken­den Mit­glie­der­zah­len

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