Chan­cen über­wie­gen

Ex­per­te Woll vom KIT: Zie­le sind ent­schei­dend

Pforzheimer Kurier - - SPORT - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Ma­ri­us Bü­cher ZU­KUNFT im Blick: Alex­an- der Woll. Foto: Alà­b­i­so

Wie sieht der Sport von mor­gen aus? Wie ent­wi­ckelt sich das An­ge­bot, wie ver­än­dert sich die Nach­fra­ge? Und wie re­agie­ren die Ver­ei­ne am sinn­volls­ten dar­auf? Mit die­sen und ähn­li­chen Fra­gen be­schäf­tigt sich Pro­fes­sor Alex­an­der Woll seit mehr als 20 Jah­ren. Der Lei­ter des Sport­in­sti­tuts am Karls­ru­her In­sti­tut für Tech­no­lo­gie (KIT) weiß, dass ei­ne Fu­si­on von Ver­ei­nen Ri­si­ken birgt, aber auch neue Mög­lich­kei­ten er­öff­net.

„In­fra­struk­tur und Res­sour­cen kön­nen bes­ser ge­nutzt wer­den, es ent­ste­hen Chan­cen zur Pro­fes­sio­na­li­sie­rung, der Ver­ein kann sein An­ge­bot bes­ser aus­dif­fe­ren­zie­ren“, zählt Woll die Vor­tei­le auf. Die Fol­ge: „Der neu ent­ste­hen­de Ver­ein ver­bes­sert, wenn man so will, sei­ne Markt­po­si­ti­on.“

Schließ­lich ste­hen die Clubs in Zu­kunft vor viel­fäl­ti­gen Her­aus­for­de­run­gen. Drei hebt Woll be­son­ders her­vor: „Die In­te­gra­ti­on von Mi­gran­ten, der de­mo­gra­fi­sche Wan­del so­wie die Ko­ope­ra­ti­on mit Schu­len, ge­ra­de in Zei­ten der Ganz­tags­schu­le.“Die Fuß­ball­ver­ei­ne stün­den hier an vor­ders­ter Front und könn­ten mit pro­fes­sio­nel­len Struk­tu­ren und ei­nem haupt­amt­li­chen An­ge­bot die­se Her­aus­for­de­run­gen leich­ter be­wäl­ti­gen.

Al­so Fu­sio­nie­ren als All­heil­mit­tel? Nicht un­be­dingt, denn ein sol­cher Schritt kann auch schief­ge­hen. Woll warnt: „Man muss ver­mei­den, dass es Ge­win­ner und Ver­lie­rer gibt, auch nur ge­fühlt, dass die Fu­si­on wie ei­ne feind­li­che Über­nah­me da­her­kommt.“Ge­ra­de klei­ne­re Ver­ei­ne hät­ten häu­fig Schwie­rig­kei­ten, ih­re Iden­ti­tät zu wah­ren. „Wich­tig ist, dass der neue Club Zie­le hat, dass er ei­ne Idee hat, was er ma­chen will“, be­tont Woll. Au­ßer­dem müss­ten die Ver­ant­wort­li­chen die Ba­sis bei ei­ner ge­plan­ten Fu­si­on mit­ein­be­zie­hen: „Die Be­trof­fe­nen müs­sen zu Be­tei­lig­ten wer­den.“Auch wenn der Pro­zess dann län­ger dau­ert.

Und wenn sich Mit­glie­der – häu­fig sind es die äl­te­ren ei­nes Ver­eins – ve­he­ment ge­gen ei­nen Zu­sam­men­schluss sträu­ben? Der Ex­per­te emp­fiehlt, be­glei­tend die re­gio­na­le Sport­ge­schich­te un­ter dem Mot­to „Wo kom­men wir ei­gent­lich her“auf­zu­ar­bei­ten. Dann wür­de man se­hen, dass es in der Ge­schich­te häu­fi­ger Fu­sio­nen und Dif­fe­ren­zie­run­gen gab. In der Re­gel sei es ein loh­nen­der Schritt, ei­ne Fu­si­on zu wa­gen. „Meis­tens wird et­was an­de­res dar­aus“, sagt Woll und fügt hin­zu: „Häu­fig et­was Bes­se­res.“

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