Was hilft ge­gen mul­mi­ge Ge­füh­le?

Im Reuch­lin­haus dis­ku­tie­ren Ver­tre­ter der Stadt und Ex­per­ten über Si­cher­heit und Sau­ber­keit in Pforz­heim

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Bir­git Metz­baur

Wo steht Pforz­heim beim The­ma Si­cher­heit und Sau­ber­keit? Un­ter dem Ti­tel „Si­che­res Pforz­heim“wur­den am Mitt­woch­abend im Reuch­lin­haus Fak­ten mit Ex­per­ten und Ver­tre­tern aus Kom­mu­nal­po­li­tik, Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten, Wirt­schaft, Bür­ger­ver­ei­nen, So­zi­al­raum­kon­fe­ren­zen und So­zi­al­ver­bän­den auf­ge­ar­bei­tet. Ziel sei, so Ers­ter Bür­ger­meis­ter Dirk Bü­scher, Lö­sun­gen zu fin­den, um „Pforz­heim sau­be­rer und si­che­rer zu ma­chen“. Die Auf­takt­ver­an­stal­tung, die sich an ei­nen ge­schlos­se­nen Ein­la­dungs­kreis rich­te­te, dien­te da­zu „nicht post­fak­tisch, son­dern auf der Fak­ten­la­ge ba­sie­rend zu dis­ku­tie­ren“, so Bü­scher.

Dis­ku­tiert wer­den soll dann auf zwei Fol­ge­ver­an­stal­tun­gen im Früh­jahr, kün­dig­te Ober­bür­ger­meis­ter Gert Ha­ger nach ei­ner Schwei­ge­mi­nu­te für die Op­fer des At­ten­tats in Ber­lin an. Das At­ten­tat war nicht der An­lass für die Ver­an­stal­tungs­rei­he, ver­lieh dem Abend je­doch ei­ne trau­ri­ge Ak­tua­li­tät.

Sub­jek­ti­ves Si­cher­heits­emp­fin­den und ob­jek­ti­ve Si­cher­heits­la­ge mö­gen nicht über­ein­stim­men, Fakt ist, dass es – häu­fig äl­te­re – Men­schen gibt, die ein mul­mi­ges Ge­fühl ha­ben, wenn Ju­gend­grup­pen bei­ein­an­der ste­hen und viel­leicht auch noch in ei­ner frem­den Spra­che spre­chen.

Durch so „ein ko­mi­sches Ge­fühl“än­de­re sich das Si­cher­heits­ge­fühl, weiß Po­li­zei­prä­si­dent Gün­ther Freis­le­ben, der die Trends der Kri­mi­nal­sta­tis­tik vor­stell­te. Dem­nach ist die Zahl al­ler Tat­ver­däch­ti­gen in Pforz­heim er­neut leicht ge­sun­ken. Die Auf­klä­rungs­quo­te lag bei über 60 Pro­zent. Es gab we­ni­ger Raub­de­lik­te, we­ni­ger Dieb­stäh­le. Die An­zahl von Se­xu­al­straf­ta­ten – „nicht die von Asyl­be­wer­bern“– ist leicht ge­stie­gen, eben­so Kör­per­ver­let­zungs­de­lik­te und auch die An­zahl tat­ver­däch­ti­ger Asyl­be­wer­ber ist in Pforz­heim wie im gan­zen Po­li­zei­prä­si­di­um Karlsruhe ge­stie­gen. Es ge­be ei­ne star­ke Zu­nah­me ag­gres­si­ver Kör­per­ver­let­zungs­de­lik­te, bei de­nen Op­fer und Tä­ter Flücht­lin­ge und Asyl­be­wer­ber sei­en. Freis­le­ben führt das auf ei­nen La­ger­kol­ler zu­rück und for­dert, den jun­gen Flücht­lin­gen ei­ne Auf­ga­be zu ge­ben. „Wer ei­ne Be­schäf­ti­gung hat, kommt nicht so schnell auf dum­me Ge­dan­ken.“Die Ar­beit des Po­li­zei­re­viers Pforz­heim-Nord stell­te de­ren Lei­te­rin El­ke Hei­lig vor.

Ganz be­son­ders am Her­zen lag Bü­scher der Vor­trag von Ka­trin Hut­ter, Da­ten­schutz­be­auf­trag­te der Stadt Tuttlingen, die ih­re Er­fah­run­gen mit Vi­deo­über­wa­chung ge­gen Van­da­lis­mus und Ve­r­un­rei­ni­gun­gen in der Stadt auf Grund­la­ge von Pa­ra­graf 20 a Lan­des­da­ten­schutz­ge­setz vor­stell­te. Wo­bei „ei­ne bes­se­re Be­leuch­tung ei­ner Vi­deo­über­wa­chung im­mer vor­zu­zie­hen wä­re“. Sau­ber­keit ver­mitt­le in­di­rekt Si­cher­heit, er­klär­te Olaf Back­haus (Lei­ter Tech­ni­sche Di­ens­te). Je­des Jahr ha­be die Stadt Mehr­kos­ten in Hö­he von 130 000 Eu­ro al­lei­ne durch die Be­sei­ti­gung von spon­tan und acht­los weg­ge­wor­fe­nem Müll (Lit­te­ring), die Hälf­te da­von von „Ta­ke-away-Un­ter­neh­men“. Das scha­de dem Image ei­ner Stadt. In Pforz­heim wer­den 587 Stra­ßen­ki­lo­me­ter ge­rei­nigt, 1 258 Pa­pier­kör­be ge­leert und 107 Hun­de­kot­tü­ten­spen­der be­füllt.

Ord­nungs­amts­lei­ter Wolf­gang Raff sprach über ne­ga­ti­ve Ver­hal­tens­wei­sen in der In­nen­stadt. Bet­teln sei grund­sätz­lich er­laubt. Nur ag­gres­si­ves, be­lei­di­gen­des oder ge­werbs­mä­ßi­ges Bet­teln kön­ne un­ter­bun­den wer­den. Rein­hard Gotsch (Ju­gend- und So­zi­al­amt) stell­te das im letz­ten Jahr ge­star­te­te Lan­des­pro­gramm Start­hil­fe, ein Al­ko­hol­prä­ven­ti­ons­pro­gramm für Kin­der und Ju­gend­li­che im öf­fent­li­chen Raum vor.

Ei­nen groß­ar­ti­gen Er­folg konn­te der Lei­ter des Hau­ses des Ju­gend­rechts, Tho­mas Hoff­mann vor­stel­len. So sei die Zahl der ju­gend­li­chen In­ten­siv­tä­ter in Pforz­heim-Enz­kreis seit Ein­rich­tung des Hau­ses im Jahr 2012 dank der schnel­len, auf­ein­an­der ab­ge­stimm­ten Hil­fen um 64,3 Pro­zent zu­rück­ge­gan­gen.

DEN ZU­HÖ­RERN IM REUCH­LIN­HAUS stell­te Po­li­zei­prä­si­dent Gün­ther Freis­le­ben Trends aus der Kri­mi­nal­sta­tis­tik vor. Bei der Ver­an­stal­tung ging es um die The­men Si­cher­heit und Sau­ber­keit. Fürs Früh­jahr sind wei­te­re Ter­mi­ne ge­plant. Foto: Wa­cker

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