Die Glo­cken blei­ben stumm

Dis­kus­si­on im Ei­sin­ger Ge­mein­de­rat über Nacht­ru­he und die Kirch­turm­uhr

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS -

Ei­sin­gen (msch). Glo­cken­läu­ten und Weih­nachts­zeit, die schei­nen in be­son­de­rer Wei­se zu­sam­men­zu­ge­hö­ren. Nicht nur im be­lieb­ten Weih­nachts­lied „Sü­ßer die Glo­cken nie klin­gen“wird das deut­lich. Auch im ganz welt­li­chen Be­reich der Ta­ges­ord­nung ei­ner Ge­mein­de­rats­sit­zung setzt sich die Ver­bin­dung fort, denn die Kir­chen­glo­cken wa­ren jetzt Ge­gen­stand der jüngs­ten Rats­sit­zung in Ei­sin­gen. Kor­rekt ge­sagt: Das Glo­cken­läu­ten, und ganz ge­nau: das so­ge­nann­te „St­un­den­schla­gen“zur akus­ti­schen Anzeige der Uhr­zeit. Da­bei zei­gen sich die Ei­sin­ger Glo­cken (zu de­nen die „Cy­ria­kus-Glo­cke“aus dem Jah­re 1493 ge­hört, ei­ne der äl­tes­ten er­hal­te­nen Glo­cken weit und breit) seit eh und je sehr „schlag­freu­dig“. Wäh­rend die Zei­ger der Kirch­turm­uhr stumm ih­re Kreis­bahn zie­hen und so die op­ti­sche Zeit­an­zei­ge ver­se­hen, ver­schaf­fen sich die Glo­cken mit je­weils ei­nem Schlag für die Vier­tel­stun­de und bei den vol­len St­un­den mit je­weils zwei wei­te­ren Schlä­gen für die er­reich­te Uhr­zeit Ge­hör. Zwölf Uhr be­deu­tet al­so vier Vier­tel­stun­den­schlä­ge plus zwei mal zwölf Schlä­ge für die gan­zen St­un­den, ins­ge­samt al­so 28 Schlä­ge. Das gilt für zwölf Uhr mit­tags – und auch für zwölf Uhr nachts. Das war nach mensch­li­chem Er­mes­sen in Ei­sin­gen schon im­mer so und, das zeig­te die Sit­zung, we­der Bür­ger­meis­ter Tho­mas Karst noch die Ge­mein­de­rä­te wür­den dar­an et­was än­dern wol­len. Und das ob­wohl ei­ni­ge der Rats­mit­glie­der in nächs­ter Nä­he zur evan­ge­li­schen Kir­che woh­nen, auf de­ren Turm die Glo­cken sit­zen.

Es gibt aber of­fen­bar im­mer wie­der kri­ti­sche Stim­men, die sich an dem Glo­cken­ge­läut in der Nacht stö­ren. „Das müs­sen wir zur Kennt­nis neh­men, und wir ha­ben da­für auch Ver­ständ­nis“, er­klär­te Bür­ger­meis­ter Tho­mas Karst die Auf­nah­me des The­mas in die Ta­ges­ord­nung. Dass das St­un­den­schla­gen der Kir­chen­glo­cken über­haupt im Ge­mein­de­rat, und nicht et­wa in kirch­li­chen Gre­mi­en zu be­ar­bei­ten ist, liegt dar­an, dass die Ei­sin­ger Kirch­turm­uhr be­züg­lich Un­ter­hal­tung und Be­trieb in der Ver­ant­wor­tung der po­li­ti­schen Ge­mein­de liegt, so Karst, der auch die Rechts­la­ge ver­deut­lich­te. Völ­lig klar sei: Das „sa­kra­le Läu­ten“der Glo­cken, et­wa vor und zum Got­tes­dienst oder bei Be­er­di­gun­gen, ist nicht Ge­gen­stand der jet­zi­gen Über­le­gun­gen und schon ver­fas­sungs­recht­lich im Sin­ne der Frei­heit der Re­li­gi­ons­aus­übung streng ge­schützt. Das „welt­li­che Läu­ten“, al­so vor al­lem das akus­ti­sche An­zei­gen der Uhr­zeit, sei da­ge­gen le­dig­lich ei­ne Tra­di­ti­on und ge­nie­ße die­sen be­son­de­ren Schutz nicht. Zwar ha­be noch kei­ner der­je­ni­gen, die sich durch das nächt­li­che Glo­cken­schla­gen ge­stört füh­len, mit recht­li­chen Schrit­ten wie ei­ner Kla­ge ge­droht, so Karst. Auch Schall­mes­sun­gen ha­be es noch nicht ge­ge­ben. Aber man müs­se es ja auch nicht so­weit kom­men las­sen, so der Schul­tes, auch an­ge­sichts der doch kla­ren Recht­spre­chungs­pra­xis zu­guns­ten ei­ner nächt­li­chen Ab­schal­tung. Da­her schla­ge die Ver­wal­tung vor, das St­un­den­schla­gen der „Ge­mein­deuhr“auf der Kir­che künf­tig des Nachts aus­zu­set­zen. Das letz­te Schla­gen abends wä­re dann um 22 Uhr, das ers­te mor­gens um 6 Uhr, am Sonn­tag um 9 Uhr. Die gro­ße Mehr­heit des Ge­mein­de­ra­tes teil­te die An­sicht, dass man den­je­ni­gen, die sich ge­stört fühl­ten, in die­ser Wei­se ent­ge­gen­kom­men soll­te, auch wenn ver­mut­lich der größ­te Teil der Ei­sin­ger Bür­ger ge­gen das Glo­cken­läu­ten auch zur Nacht nichts ein­zu­wen­den ha­be. Der „Nacht­ru­he“-Vor­schlag er­hielt ei­ne Mehr­heit von zwölf Stim­men bei zwei Ge­gen­stim­men und ei­ner Ent­hal­tung.

DIE EVAN­GE­LI­SCHE KIR­CHE in Ei­sin­gen trägt die Ge­mein­deuhr. Die Glo­cken blei­ben jetzt in der Nacht aber stumm. Foto: msch

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