Stra­fen für no­to­ri­sche Müll­sün­der?

Alt­pa­pier­samm­lung der Stadt liegt zwei Jah­re nach dem Start wei­ter hin­ter den Er­war­tun­gen

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Ekart Kin­kel

In der Wo­che nach Weih­nach­ten steht bei ei­ni­gen Karls­ru­her Ver­ei­nen und Kir­chen­ge­mein­den mit der Alt­pa­pier­samm­lung gleich ein Pflicht­ter­min zur Fi­nan­zie­rung der Ju­gend­ar­beit auf dem Pro­gramm. Be­reits am Mitt­woch, 28. De­zem­ber, sam­melt der Nach­wuchs des ASV Wol­farts­wei­er das Alt­pa­pier im Stadt­teil ein. In den Ta­gen da­nach fol­gen ju­gend­li­che Sport­ler und Mi­nis­tran­ten auch in an­de­ren Stadt­tei­len. Der Ter­min zwi­schen den Jah­ren liegt aus meh­re­ren Grün­den güns­tig. Zum ei­nen ha­ben Schü­ler mehr Zeit zum Sam­meln, zum an­de­ren wer­den nach dem Weih­nachts­fest vie­le Ge­schenk­kar­tons und Ver­pa­ckungs­pa­pier ent­sorgt.

Doch auch in Stadt­tei­len oh­ne nach­weih­nacht­li­che Alt­pa­pier­samm­lung soll der Pa­pier­müll nach dem Wil­len der Stadt­ver­wal­tung sach­ge­recht ent­sorgt

„Pa­pier und Kar­tons dür­fen nicht in die Wert­stoff­ton­ne“

wer­den. „Pa­pier und Kar­tons ge­hö­ren in die blaue Ton­ne oder müs­sen für die nächs­te Alt­pa­pier­samm­lung auf­be­wahrt wer­den“, ap­pel­liert Bür­ger­meis­ter Klaus Stapf. „Auf kei­nen Fall darf Alt­pa­pier in die Wert­stoff­ton­ne ge­wor­fen wer­den.“Die mah­nen­den Wor­te des Ab­fall­de­zer­nen­ten ha­ben ih­ren Grund: Auch zwei Jah­re nach der flä­chen­de­cken­den Ein­füh­rung ei­ner städ­ti­schen Alt­pa­pier­ton­ne herrscht in punc­to Müll­tren­nung bei vie­len Karls­ru­her Bür­gern of­fen­bar noch Nach­hol­be­darf.

Laut ei­ner of­fi­zi­el­len Stel­lung­nah­me des Amts für Ab­fall­wirt­schaft (AfA) hat sich die städ­ti­sche Pa­pier­samm­lung zwar po­si­tiv auf die Ge­büh­ren­sta­bi­li­tät aus­ge­wirkt. Der Grund für das zu­frie­den­stel­len­de Er­geb­nis liegt aber fast aus­schließ­lich in den ge­stie­ge­nen Prei­sen für Alt­pa­pier von 63 Eu­ro pro Ton­ne im Jahr 2014 und 99 Eu­ro pro Ton­ne im Jahr 2015. Mit der städ­ti­schen Alt­pa­pier­ton­ne wur­de ab 1. Ja­nu­ar 2015 näm­lich nicht mehr Alt­pa­pier ge­sam­melt als zu­vor, und 2016 bringt nach bis­he­ri­gen Schät­zun­gen kaum Bes­se­rung. „Die Leu­te wer­fen zu viel Pa­pier in die Wert­stoff­ton­ne“, bringt Stapf das Pro­blem auf den Punkt.

Man­gel­haf­te Müll­tren­nung ver­ur­sacht ho­he Kos­ten. Die Sor­tie­rung der Wert­stoff­ton­ne schlägt mit über 150 Eu­ro pro Ton­ne zu Bu­che und über­steigt deut­lich den Er­lös für aus­sor­tier­tes Alt­pa­pier. Zur Bes­se­rung des Nut­zer­ver­hal­tens soll­te ei­gent­lich be­reits ei­ne Öf­fent­lich­keits­kam­pa­gne star­ten. Nun sol­len Falt­blät­ter und Pla­ka­te 2017 für die Müll­tren­nung sen­si­bi­li­sie­ren. An Wert­stoff­ton­nen mit viel Alt­pa­pier könn­ten Hin­wei­se plat­ziert wer­den. Selbst Stra­fen für no­to­ri­sche Müll­sün­der schließt Stapf nicht ka­te­go­risch aus.

Wahr­schein­lich wird die Ent­wick­lung der In­fo-Kam­pa­gne Auf­ga­be des neu­en AfA-Lei­ters. Seit Ste­fan Kauf­mann nach nur gut an­dert­halb Jah­ren An­fang 2016 über­ra­schend – nicht zu­letzt we­gen der blau­en Ton­ne – sein Amt auf­gab, ist der Pos­ten un­be­setzt. Der­zeit be­treut Bernd Klink­ham­mer als ex­ter­ner Ex­per­te die in­ter­nen Ab­läu­fe. Ers­te Be­wer­bun­gen für die Amts­lei­tung lie­gen laut Stapf auf dem Tisch, im Früh­jahr wer­de sich der Ge­mein­de­rat mit der Per­so­na­lie be­fas­sen. Kauf­mann tref­fe si­cher nicht al­lei­ne Schuld an der man­geln­den Ak­zep­tanz des neu­en Ton­nenSys­tems. Das The­ma hät­te frü­her mit den Ge­mein­de­rats­frak­tio­nen ab­ge­stimmt und ei­ne ge­mein­sa­me Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gie ent­wi­ckelt wer­den sol­len,

Öf­fent­lich­keits­kam­pa­gne soll stär­ker sen­si­bi­li­sie­ren

ur­teilt Stapf. „So wur­de die blaue Ton­ne ein Wahl­kampf­the­ma. Das hat die Bür­ger­schaft ver­un­si­chert“, so Stapf. Zu­dem sei der Zeit­plan „zu am­bi­tio­niert“ge­we­sen. „Wahr­schein­lich dau­ert es ein­fach län­ger als zwei Jah­re, bis die Men­schen ihr Ver­hal­ten än­dern und sich an ein neu­es Sys­tem ge­wöh­nen“, so der Ab­fall­wirt­schafts­de­zer­nent.

Ei­nen Rück­zie­her der Stadt­ver­wal­tung wer­de es bei der Alt­pa­pier­ton­ne kei­nes­falls ge­ben. Die­se Müll­tren­nung sei nach wie vor nach­hal­tig und sinn­voll, be­tont Bür­ger­meis­ter Klaus Stapf.

DIE BLAUE TON­NE ist of­fen­bar noch nicht in al­len Karls­ru­her Haus­hal­ten an­ge­kom­men. Wei­ter­hin lan­den Pap­pe und Pa­pier in der Wert­stoff­ton­ne. Bür­ger­meis­ter Klaus Stapf denkt des­halb über Sank­tio­nen nach. Ar­chiv­fo­to: jo­do

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