Flucht über Süd­wes­ten?

Pforzheimer Kurier - - IM FADENKREUZ DES TERRORS -

Die wahr­schein­li­che Flucht­rou­te von Anis Am­ri, dem mut­maß­li­chen At­ten­tä­ter vom Ber­li­ner Breit­scheid­platz, er­staunt selbst er­fah­re­ne Kri­mi­na­lis­ten. An­hand von Zug­ti­ckets, die die Po­li­zei im Ruck­sack des 24-Jäh­ri­gen ge­fun­den hat, scheint fest­zu­ste­hen, dass er in Cham­bé­ry, ei­ner 60 000-Ein­woh­ner-Stadt in der Re­gi­on Au­ver­gneRho­ne-Al­pes im süd­fran­zö­si­schen De­par­te­ment Sa­vo­ie, die Bahn nach Tu­rin be­stie­gen hat. Dort muss der Ge­walt­tä­ter um­ge­stie­gen und nach Mai­land wei­ter­ge­fah­ren sein, wo er laut ita­lie­ni­scher Po­li­zei ge­gen 1 Uhr in der Früh an­kam.

Weil der Grenz­über­tritt von Süd­frank­reich nach Ita­li­en kei­ner der klas­si­schen Flücht­lings­rou­ten ent­spricht und die Ent­fer­nung von Ber­lin nach Cham­bé­ry be­reits Luft­li­nie

Tu­ne­si­er war er­staun­lich mo­bil

rund 1 000 Ki­lo­me­ter be­trägt, er­scheint das Ri­si­ko bei der Ein­rei­se nach Ita­li­en auf­zu­flie­gen, für den mut­maß­li­chen Ter­ro­ris­ten be­herrsch­bar ge­we­sen zu sein. An­ders ver­hält es sich mit dem Grenz­über­tritt von Deutsch­land nach Frank­reich. Die von Ber­lin aus kür­zes­te Stre­cke führt ge­ra­de­wegs über Ba­den-Würt­tem­berg. Dort hat­ten die Si­cher­heits­be­hör­den den Grenz­schutz ver­stärkt. Frank­reich setz­te al­lein im El­sass 200 zu­sätz­li­che Po­li­zis­ten ein; er­höht war die Per­so­nal­stär­ke auch im De­par­te­ment Mo­sel­le, das an das Saar­land und an Rhein­land-Pfalz grenzt. Be­reits vor dem At­ten­tat von Ber­lin hat­te die fran­zö­si­sche Po­li­zei den Straß­bur­ger Weih­nachts­markt stark ge­si­chert. Be­su­cher muss­ten beim Zu­gang sämt­li­che Ta­schen kon­trol­lie­ren las­sen.

Beim Stutt­gar­ter In­nen­mi­nis­te­ri­um hält man sich mit Mut­ma­ßun­gen zum Flucht­weg un­ter Ver­weis auf den Ge­ne­ral­bun­des­an­walt zu­rück. Bis Re­dak­ti­ons­schluss blieb un­klar, wie Anis Am­ri von Ber­lin nach Süd­frank­reich ge­kom­men sein könn­te. Dem Ver­neh­men nach hat­te er kein Zug­ti­cket ab Ber­lin bei sich. Un­ge­klärt ist bis­lang auch, ob ihm even­tu­ell Un­ter­stüt­zer die Flucht er­leich­ter­ten. Wolf­gang Voigt

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.