„Das ist schon ein mul­mi­ges Ge­fühl“

Das Cen­tro kurz nach dem An­schlags­ver­dacht

Pforzheimer Kurier - - IM FADENKREUZ DES TERRORS - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Fa­bi­an May

Dut­zen­de Po­li­zis­ten mit Ma­schi­nen­pis­to­len und in Schutz­wes­ten pa­trouil­lie­ren plötz­lich durch den abend­li­chen Tru­bel im Ober­hau­se­ner Ein­kaufs­zen­trum Cen­tro. Ein „Ein­satz zu ih­rer Si­cher­heit“sei das, lässt die Po­li­zei am spä­ten Don­ners­tag­abend über den Kurz­nach­rich­ten­dienst Twit­ter wis­sen. We­ni­ge St­un­den spä­ter zeigt sich, was der Hin­ter­grund des un­ge­wöhn­lich gro­ßen Po­li­zei­auf­ge­bots ist. Nur we­ni­ge Ki­lo­me­ter ent­fernt, in den Duis­bur­ger Stadt­tei­len Marxloh und Bruck­hau­sen, nimmt die Po­li­zei nachts zwei Män­ner fest. Die bei­den 28 und 31 Jah­re al­ten Brü­der stün­den im Ver­dacht, mög­li­cher­wei­se ei­nen An­schlag auf das Cen­tro vor­be­rei­tet zu ha­ben, teilt die Po­li­zei nur ei­ne Drei­vier­tel­stun­de nach dem Zu­griff mit.

Wäh­rend beim Staats­schutz in Es­sen ges­tern die Ver­neh­mun­gen der bei­den im Ko­so­vo ge­bo­re­nen Brü­der lau­fen, ist im und um das Ein­kaufs­zen­trum au­gen­schein­lich al­les wie im­mer. Po­li­zei ist bei Öff­nung des Zen­trums ge­gen zehn Uhr zu­nächst nicht zu se­hen. Men­schen früh­stü­cken in der Fi­lia­le ei­ner Bä­cke­rei-Ket­te, weih­nacht­li­cher Swing ist zu hö­ren, vor dem La­den für hip­pe TechPro­duk­te tre­ten be­reits die ers­ten Kun­den von ei­nem Fuß auf den an­de­ren.

Auf dem Weih­nachts­markt vor dem Zen­trum sind die Händ­ler in Ei­le, es ist Ab­bau­tag. Un­ter die­ser Ober­flä­che wir­ken die Er­eig­nis­se aus der Nacht aber wei­ter. Ei­ne Ca­fé-Mit­ar­bei­te­rin hat ernst­haft dar­über nach­ge­dacht, nicht zur Ar­beit zu kom­men, wie sie zwei St­un­den vor ih­rem Schicht­an­tritt am Mit­tag sagt. Auch wenn zwei Män­ner fest­ge­nom­men wor­den sei­en: „Ich den­ke, wenn die hier was vor­ha­ben, dann wird das auch pas­sie­ren. Das wer­den ja nicht nur die bei­den ge­plant ha­ben.“Sie wer­de wohl zur Ar­beit ge­hen, sagt sie schließ­lich. Lie­ber wä­re es ihr al­ler­dings, wenn das Ein­kaufs­zen­trum ges­tern zur Si­cher­heit ge­schlos­sen ge­blie­ben wä­re. „Man­che kom­men ja aus frei­en Stü­cken hier­her. Wir müs­sen hier sein.“Ihr Kol­le­ge er­zählt von Ge­sprä­chen un­ter Händ­lern, wer im Fall der

Mit­ten in der Nacht greift die Po­li­zei zu

Fäl­le nä­her am Aus­gang ist. Er selbst ha­be sei­ne schwan­ge­re Frau ge­be­ten, das Haus wenn mög­lich lie­ber nicht zu ver­las­sen. „Das ist schon ein ko­mi­sches, ein neu­es mul­mi­ges Ge­fühl in ei­ner frei­en Ge­sell­schaft“, sagt der Mann, der aus dem Iran stammt. Er will sich aber nicht der Furcht beu­gen. „Es wä­re ein Feh­ler sich zu ver­ste­cken und de­nen zu ge­ben, was sie be­ab­sich­ti­gen.“So den­ken auch zwei jun­ge Män­ner auf dem Weg zum Cen­tro. Er igno­rie­re sol­che Vor­fäl­le aus Prin­zip, sagt ei­ner der bei­den: „Kann man sich ja nicht drauf fest­na­geln las­sen, auf die­se gan­zen Vor­komm­nis­se.“

Sein Be­glei­ter sagt, er ha­be sich kurz Ge­dan­ken ge­macht, ob er an die­sem Tag in die­ses Zen­trum geht: „Aber ich den­ke, die Wahr­schein­lich­keit, dass heu­te hier was pas­siert, ist ge­nau­so groß wie an al­len an­de­ren Or­ten auf der Welt. Viel­leicht so­gar noch klei­ner.“

IN ALARM­BE­REIT­SCHAFT: Be­waff­ne­te Po­li­zis­ten si­chern in Ober­hau­sen den Weih­nachts­markt vor dem Cen­tro. Nach zwei Fest­nah­men we­gen der mög­li­chen Vor­be­rei­tung ei­nes An­schlags auf das Ein­kaufs­zen­trum ge­hen die Er­mitt­lun­gen mit Hoch­druck wei­ter. Foto: dpa

BESUCHERMAGNET: Im Ein­kaufs­zen­trum Cen­tro in Ober­hau­sen ver­tei­len sich mehr als 250 Ein­zel­han­dels­ge­schäf­te auf zwei Ebe­nen. Foto: DB Cen­tro Ober­hau­sen/dpa

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