El­sa und Yo­da oder das Krü­mel­mons­ter

Spiel­wa­ren­han­del er­war­tet neu­es Re­kord­jahr

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Mar­ti­na Er­hard

Karlsruhe/Pforz­heim/Achern. Heu­te Abend ist es end­lich so weit: Die Ker­zen am Weih­nachts­baum wer­den an­ge­zün­det und un­ter dem Baum fin­den sich die wun­der­ba­ren Spiel­sa­chen, die die Kin­der­au­gen zum Leuch­ten brin­gen. In den zu­rück­lie­gen­den Wo­chen ha­ben El­tern und Groß­el­tern all das be­sorgt, was die Jun­gen und Mäd­chen zu­vor in ih­ren Brie­fen ans Christ­kind ge­schrie­ben hat­ten – und mach­ten da­mit auch den Spiel­wa­ren­händ­lern ei­ne gro­ße Freu­de.

Für sie sind die Wo­chen vor Weih­nach­ten die um­satz­stärks­te Zeit des Jah­res, un­ter­streicht Wil­ly Fi­schel, Ge­schäfts­füh­rer des Han­dels­ver­ban­des Spiel­wa­ren (BVS). „Das Weih­nachts­ge­schäft macht rund 40 Pro­zent des Jah­res­er­geb­nis­ses aus.“Er­war­tet wird bis zum En­de des Jah­res ein Um­satz­plus von drei Pro­zent im Ver­gleich zum Jahr 2015. Da­mit wür­de der In­lands­markt von 2,9 Mil­li­ar­den Eu­ro auf 3,08 Mil­li­ar­den Eu­ro wach­sen. Das be­deu­tet, dass die Deut­schen das drit­te Mal in Fol­ge mehr für Spiel­wa­ren aus­ge­ben als im je­wei­li­gen Vor­jahr. Wo­bei in­zwi­schen je­der drit­te Spiel­zeug-Eu­ro im In­ter­net aus­ge­ge­ben wird.

Der Markt­an­teil des Fach­han­dels bleibt laut Aus­sa­ge des BVS-Ge­schäfts­füh­rers mit vor­aus­sicht­lich 35 Pro­zent sta­bil. Aber auch Le­bens­mit­tel-Dis­coun­ter, Buch­lä­den oder Bau­märk­te mi­schen in­zwi­schen im Spiel­zeug-Ge­schäft mit.

Doch wel­che Spiel­sa­chen lie­gen in die­sem Jahr im Trend? Die Po­li­zei-Kom­man­do­zen­tra­le von Play­mo­bil wird si­cher oft ver­schenkt, aber auch der Rei­ter­hof oder das Star Wars-Raum­schiff von Le­go sind heiß be­gehrt, denn „Le­go und Play­mo­bil sind je­des Jahr stark“, meint Thors­ten Brom­bas, In­ha­ber der „Spie­le-Py­ra­mi­de“in Karlsruhe. Völ­lig ver­schwun­den sei­en hin­ge­gen die LoomBän­der, so Brom­bas. Die Gum­mi­bän­der zum An­fer­ti­gen von Arm­rei­fen sei­en bis vor kur­zem noch sehr be­liebt ge­we­sen, er­klärt er.

Im Li­zenz­be­reich sei­en in die­sem Jahr „Die Eis­kö­ni­gin“mit den Prot­ago­nis­ten El­sa und Olaf so­wie Star Wars mit Darth Va­der und Yo­da weit vor­ne, sagt Brom­bas, der den Li­zen­z­ar­ti­keln aber selbst eher skep­tisch ge­gen­über­steht: „Die Li­zen­zen füh­ren zu ei­ner Ver­teue­rung der Pro­duk­te, ver­hin­dern aber in­no­va­ti­ve Ide­en“, kri­ti­siert er. „Da ist viel Auf­ge­wärm­tes da­bei.“Für die bei­den ge­nann­ten Pro­dukt­rei­hen be­sitzt der Dis­ney-Kon­zern die Mar­ken­rech­te.

„Ger­ne ge­kauft wer­den aber auch im­mer noch die ver­schie­de­nen Brett­spie­le“, ver­si­chert Brom­bas. Be­son­ders be­liebt sei­en die so­ge­nann­ten ko­ope­ra­ti­ven Spie­le, bei de­nen die Spie­ler nicht ge­gen­ein­an­der an­tre­ten, son­dern mit­ein­an­der um den Sieg kämp­fen. Brom­bas nennt „Pan­de­mic Le­ga­cy“oder „Die Le­gen­den von An­dor“als Bei­spie­le und er­klärt, dass sein Ge­schäft

40 Pro­zent des Jah­res­um­sat­zes

ur­sprüng­lich auf Brett­spie­le spe­zia­li­siert war. „Da­her weiß ich auch, dass ge­ra­de in die­sem Be­reich sehr viel Be­ra­tung nö­tig ist, denn der Auf­druck ist oft nicht sehr aus­sa­ge­kräf­tig.“

An­na Bar­ba­ra Pa­schen, die mit ih­rem „Kin­der­glück“seit 25 Jah­ren in Pforz­heim und seit 19 Jah­ren in Karlsruhe ver­tre­ten ist, hält nichts von „me­dia­len Ge­schich­ten“, wie sie sagt. Fi­gu­ren, die man aus Film und Fern­se­hen kennt, sucht man bei ihr ver­geb­lich. Mit ei­ner Aus­nah­me: „Bei un­se­ren Hand­pup­pen ist auch das Krü­mel­mons­ter aus der Se­sam­stra­ße ver­tre­ten“, sagt sie und be­rich­tet, dass ge­ra­de die­se Hand­pup­pen ger­ne ge­kauft wer­den, denn „Kin­der kön­nen mit ih­rer Hil­fe in ver­schie­de­ne Rol­len schlüp­fen und trau­en sich so, sich aus­zu­drü­cken“. El­tern, die ins „Kin­der­glück“kom­men, such­ten kei­ne fer­ti­gen Spiel­wel­ten, son­dern Spiel­sa­chen, die die Krea­ti­vi­tät der Kin­der an­re­gen, meint sie. Als Bei­spie­le nennt Pa­schen Werk­zeu­ge wie Ham­mer und Sä­ge, aber auch Ba­s­tel­an­lei­tun­gen, die die Fein­mo­to­rik för­dern. Sie stellt auch fest, dass in die­sem Jahr wie­der ver­mehrt Pup­pen­häu­ser ge­kauft wer­den, die dann ganz in­di­vi­du­ell ein­ge­rich­tet wer­den. „In den zu­rück­lie­gen­den Jah­ren wur­den Pup­pen­häu­ser hin­ge­gen kaum nach­ge­fragt.“

Das Kauf­haus Pe­ters, das es un­ter an­de­rem in Achern gibt, ver­fügt über ei­ne gro­ße Spiel­wa­ren-Ab­tei­lung, in der „eher tra­di­tio­nel­le Spiel­wa­ren“ge­kauft wer­den, wie Ge­schäfts­füh­rer Bernd Pe­ters er­läu­tert. „Le­go geht im­mer“, ver­si­chert er, fügt aber auch hin­zu, dass da vor al­lem die Le­go-Tech­nic auf dem Vor­marsch ist. Bei Le­go sei zu­dem Star Wars im­mer noch stark, so Pe­ters. „Al­ler­dings sind Li­zenz­pro­duk­te nicht au­to­ma­tisch Selbst­läu­fer“, meint er.

Bei den Jungs sind Droh­nen hin­zu­ge­kom­men

Bei den Jungs sind fern­ge­steu­er­te Au­tos be­liebt, hin­zu­ge­kom­men sind in­zwi­schen die Qua­dro­c­op­ter, Droh­nen für den In­nen­und Au­ßen­be­reich. „Die klas­si­sche Bar­bie-Pup­pe wird we­ni­ger ge­kauft“, stellt er fest. Mäd­chen grei­fen aber ger­ne zu den Glub­schis, den Stoff­tie­ren mit den gro­ßen Au­gen.

Pe­ters macht zu­dem die Er­fah­rung, dass auch in Zei­ten von Spie­le­kon­so­len die klas­si­schen Brett­spie­le, bei de­nen die gan­ze Fa­mi­lie zu­sam­men­kommt, im­mer noch sehr an­ge­sagt sind.

Ei­ne Be­ob­ach­tung, die auch von BVSGe­schäfts­füh­rer Fi­schel be­stä­tigt wird: „Brett­spie­le brin­gen Groß und Klein an ei­nen Tisch und sor­gen da­für, dass Ge­mein­schaft ak­tiv er­lebt wird“, sagt er. Sie hät­ten da­her, eben­so wie die Ted­dy­bä­ren, ei­nen fes­ten Stamm­platz un­ter dem Weih­nachts­baum.

HAND­PUP­PEN dür­fen auch mal et­was grö­ßer sein: An­na Bar­ba­ra Pa­schen (rechts) führt ei­ner Kun­din zwei der be­lieb­ten Ex­em­pla­re vor. In ih­rem La­den „Kin­der­glück“gibt es vie­le Spiel­sa­chen, die die Krea­ti­vi­tät der Klei­nen för­dern. Foto: jo­do

DROLLIGER SCHNEE­MANN: Olaf aus der „Eis­kö­ni­gin“. Foto: dpa

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.