Die Deut­sche Bank büßt in den USA

Bran­chen­pri­mus zahlt 6,9 Mil­li­ar­den Eu­ro / Die nächs­ten Pro­ble­me war­ten schon

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT - Von Jörn Ben­der und Da­ni­el Sch­nett­ler

Frankfurt/Washington. John Cryan dürf­te er­leich­tert sein. Seit an­dert­halb Jah­ren steht der Bri­te an der Spit­ze der Deut­schen Bank – und jetzt end­lich hat er das fi­nan­zi­ell größ­te Pro­blem des Geld­hau­ses ge­löst: Für ins­ge­samt 7,2 Mil­li­ar­den Dol­lar (rund 6,9 Mil­li­ar­den Eu­ro) legt die Deut­sche Bank ih­ren Rechts­streit mit der US-Re­gie­rung we­gen frag­wür­di­ger Hy­po­the­ken­de­als aus der Zeit vor der Fi­nanz­kri­se bei. Die US-Jus­tiz hat­te ur­sprüng­lich so­gar 14 Mil­li­ar­den Dol­lar ge­for­dert. Das hät­te Deutsch­lands größ­te Bank in er­heb­li­che Schwie­rig­kei­ten ge­bracht, denn ei­ne der­art hohe Sum­me hat die Bank nicht auf der ho­hen Kan­te lie­gen. Den Fall hat­te Cryan noch von sei­nen Vor­gän­gern im Amt ge­erbt.

All­zu ger­ne wür­de der rund­er­neu­er­te Vor­stand um den Bri­ten, der sich je­den Di­ens­tag in den Frank­fur­ter Zwil­lings­tür­men zu­sam­men­setzt, nun al­le Kraft dar­auf ver­wen­den, die Zu­kunft des Dax-Kon­zerns zu ge­stal­ten. Die ak­tu­el­len Her­aus­for­de­run­gen für die Bran­che sind ei­gent­lich schon groß ge­nug: Zin­s­tief, stren­ge­re Re­gu­lie­rung, Digitalisierung. Doch bei der Deut­schen Bank sind die Las­ten der Ver­gan­gen­heit ge­wal­tig – auch wenn Cryan bei der Au­f­ar­bei­tung aufs Tem­po drückt: Mit 7 800 Rechts­strei­tig­kei­ten schlägt sich die Bank nach jüngs­ten An­ga­ben her­um, wenn auch meist mit ge­rin­gem Streit­wert.

Der größ­te ver­blie­be­ne Bro­cken dürf­te nun der Ver­dacht von Geld­wä­sche und Sank­ti­ons­ver­stö­ßen bei Ge­schäf­ten in Russ­land sein. Vor al­lem im lan­ge hoch­ge­lob­ten In­vest­ment­ban­king ent­pup­pen sich einst schein­bar lu­kra­ti­ve De­als als teu­re Be­las­tung. Und weil ein gu­ter Teil des Ge­schäfts über die Welt­fi­nanz­me­tro­po­le New York lief, sind die USStaats­an­wäl­te am Drü­cker. Die har­te Hand der ame­ri­ka­ni­schen Jus­tiz ha­ben da­bei na­he­zu al­le gro­ßen Ban­ken be­reits zu spü­ren be­kom­men. Stück für Stück wer­den selbst ein Jahr­zehnt zu­rück­lie­gen­de Fäl­le auf­ge­ar­bei­tet.

Auch an­de­re Fi­nanz­rie­sen wie die Bank of Ame­ri­ca, JPMor­gan Cha­se oder Gold­man Sachs muss­ten schon blu­ten – teils mit deut­lich hö­he­ren Sum­men als die Deut­sche Bank. Erst am gest­ri­gen Mor­gen und da­mit we­ni­ge St­un­den nach der Deut­schen Bank ver­kün­de­te die Schwei­zer Cre­dit Suis­se ei­nen 5,3 Mil­li­ar­den

Cre­di­te Suis­se blu­tet mit 5,3 Mil­li­ar­den Dol­lar

Dol­lar schwe­ren Ver­gleich we­gen Hy­po­the­ken­ge­schäf­ten mit der US-Jus­tiz. Die bri­ti­sche Bar­clays lässt es da­ge­gen auf ei­nen Pro­zess an­kom­men – Aus­gang un­ge­wiss.

Dass die For­de­run­gen der US-Jus­tiz in al­ler Re­gel deut­lich hö­her aus­fal­len als die in Eu­ro­pa, liegt an den „Pu­ni­ti­ve Da­mages“im USRechts­sys­tem. Da­mit soll im Zi­vil­recht nicht nur ein ent­stan­de­ner Scha­den er­setzt wer­den, son­dern es soll auch ei­ne Be­stra­fung und Ab­schre­ckung er­fol­gen. Es soll weh­tun. So war die Bank of Ame­ri­ca ei­nen 17 Mil­li­ar­den Dol­lar schwe­ren Ver­gleich ein­ge­gan­gen.

Sich an­ge­sichts der mög­li­chen Stra­fen ein­fach aus dem US-Markt zu­rück­zie­hen, wä­re für aus­län­di­sche Fi­nanz­kon­zer­ne aber kei­ne Lö­sung: Die Wäh­rung der Fi­nanz­welt ist im­mer noch der USDol­lar und die Dreh­schei­be ist im­mer noch die Wall Street. Für die mit­ten im Um­bau ste­cken­de Deut­sche Bank be­deu­te­te die Mil­li­ar­den­for­de­rung aus den USA al­ler­dings ei­ne ech­te Ge­fahr: Die jah­re­lan­ge Eu­ro-Schul­den­kri­se, die nied­ri­gen Zin­sen und haus­ge­mach­te Pro­ble­me ha­ben den Frank­fur­tern zu­ge­setzt. Zwi­schen­zeit­lich be­stand so­gar die Sor­ge, dass die Bank staat­li­che Hil­fe in An­spruch neh­men müss­te. Das Schreck­ge­spenst ei­nes „Leh­man 2.0“mach­te die Run­de in An­spie­lung auf den ver­häng­nis­vol­len Zu­sam­men­bruch der US-In­vest­ment­bank Leh­man Bro­thers im Herbst 2008. Der Ak­ti­en­kurs der Deut­schen Bank fiel im Sep­tem­ber auf den nied­rigs­ten Stand al­ler Zei­ten.

In­zwi­schen hat sich die La­ge wie­der deut­lich ent­spannt. Der Kurs stieg von un­ter zehn Eu­ro auf im­mer­hin mehr als 18 Eu­ro. Bank­chef Cryan ver­si­cher­te, sein Haus ha­be 2016 viel er­reicht. Das be­deu­te­te: un­ren­ta­ble und ri­si­ko­rei­che Ge­schäf­te auf­ge­ben, neue Leu­te an Schalt­stel­len set­zen und vor al­lem spa­ren, spa­ren, spa­ren. Un­klar ist wei­ter­hin die Zu­kunft der Toch­ter Post­bank. Das Auf­räu­men ist al­so noch nicht be­en­det, eben­so we­nig wie die Su­che nach Schul­di­gen.

Im In­vest­ment­ban­king dreh­te die Deut­sche Bank über Jah­re das gro­ße Rad. Ans­hu Jain hol­te als Chef der Spar­te über Jah­re Mil­li­ar­den­ge­win­ne ins Haus – und ver­dien­te selbst präch­tig. Dass die Bank für et­li­che die­ser Ge­schäf­te spä­ter teu­er be­zah­len muss­te, soll auch an Cryans Vor­gän­ger an der Kon­zern­spit­ze und an­de­ren frü­he­ren Top-Ma­na­gern nicht spur­los vor­über­ge­hen: Bo­ni in Mil­lio­nen­hö­he lie­gen auf Eis. Be­reits im März hat­te die Bank in ih­rem Ge­schäfts­be­richt für das Jahr 2015 an­ge­kün­digt, dass noch nicht aus­ge­zahl­te va­ria­ble Ver­gü­tungs­be­stand­tei­le für et­li­che da­mals noch am­tie­ren­de und ehe­ma­li­ge Top-Ma­na­ger ein­be­hal­ten wer­den sol­len. Bei der Lö­sung der Pro­ble­me ist das aber nur ein Trop­fen auf den hei­ßen St­ein.

GROSSE BANK, GROSSE PRO­BLE­ME: Einst war die Deut­sche Bank ein glo­ba­les Vor­zei­geinsti­tut. Doch das ist lan­ge vor­bei. Zu vie­le Pro­ble­me las­ten auf dem Kon­zern. Im­mer­hin konn­ten die Frank­fur­ter nun ih­re größ­te Alt­last aus der Welt schaf­fen. Foto: dpa

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