Mehr Zeit für Lo­la

Krebs ar­bei­tet auch über die Fei­er­ta­ge an sei­ner Rück­kehr

Pforzheimer Kurier - - SPORT -

Karlsruhe. Gaé­tan Krebs zieht die oran­ge­far­be­ne De­cke bis zur Brust hoch. Im Re­ha-Zen­trum Tri­me­dic war­tet der Fuß­ball­pro­fi des Karls­ru­her SC auf ei­ner Lie­ge das En­de der zigs­ten Be­hand­lungs­ein­heit ab. „Das ist seit ei­ni­ger Zeit mein Job“, sagt er und lacht. Die Strom­be­hand­lung läuft. Der El­säs­ser hat sich da­ran ge­wöhnt, ge­dul­dig zu sein. „Es geht aber je­den Tag bes­ser. Es ist schön, das fest­zu­stel­len“, sagt der 31 Jah­re al­te Mit­tel­feld­spie­ler. Die Ärz­te ha­ben ihm ver­si­chert, er lie­ge nicht nur im Zeit­plan, son­dern sei ihm vor­aus.

Krebs hebt die De­cke an und zeigt die Ope­ra­ti­ons­nar­be an sei­nem lin­ken Knie, die ihn im­mer an den 7. be­zie­hungs­wei­se 29. Sep­tem­ber er­in­nern wird. Da war zu­nächst je­nes Eins-ge­gen-Eins-Du­ell mit Bjar­ne Tho­el­ke im Trai­ning. Es en­de­te für den nur 167 Zen­ti­me­ter gro­ßen Profi ab­rupt. „Es hat klack-klack ge­macht, als ich auf­kam. Ich ha­be gleich an ei­nen Kreuz­band­riss ge­dacht. Doch in den Tests da­nach schien al­les sta­bil“, er­zählt Krebs, der al­so „Glück im Un­glück“ge­habt zu ha­ben glaub­te – bis der Ra­dio­lo­ge mit ihm die MRT-Bil­der be­sprach. Bit­te­re Ge­wiss­heit da­nach: doch Kreuz­band­riss. „Das war ein Schock“, gibt Krebs zu. Beim KSC war die Sai­son gar nicht gut an­ge­lau­fen – nun konn­te auch er nicht mehr hel­fen.

Auf ei­ge­nen Wunsch ließ er sich nicht in Deutsch­land, son­dern nach dem Ein­ver­ständ­nis der Be­rufs­ge­nos­sen­schaft am 27. Sep­tem­ber bei ei­nem Spe­zia­lis­ten in Ha­genau ope­rie­ren. Am­bu­lant. Drei St­un­den dau­er­te der Ein­griff. Da­nach Re­ha, drei bis fünf St­un­den täg­lich bei Stef­fen Wie­mann im Tri­me­dic. „Na­tür­lich gab es schwar­ze Mo­men­te, in de­nen ich un­si­cher war, ob das Knie je wie­der Be­las­tun­gen des Pro­fi­fuß­balls to­le­riert. Heu­te ha­be ich wie­der vol­les Ver­trau­en ins Knie“, ver­si­chert Krebs.

Am 7. Ja­nu­ar will der Re­kon­va­les­zent nach An­da­lu­si­en ins Trai­nings­la­ger mit­flie­gen. Die Be­din­gun­gen für die Platz-Re­ha sind dort deut­lich bes­ser. Zu­dem wird auch der neue Trai­ner Mir­ko Slom­ka sich ein Bild ma­chen wol­len. Krebs’ nächs­te Zie­le? „Rea­lis­tisch ist es, im Fe­bru­ar wie­der mit der Mann­schaft zu trai­nie­ren. Und na­tür­lich ha­be ich die Hoff­nung, die­se Sai­son noch das ei­ne oder an­de­re Spiel zu ma­chen“, sagt er. Doch Pro­gno­sen sind in sei­ner Si­tua­ti­on oh­ne­dies nicht sinn­voll. Krebs’ Ver­trag beim KSC, für den er seit 2009 spielt, läuft am Sai­son­en­de aus. Sor­gen ma­che er sich nicht: „Mei­ne Kon­zen­tra­ti­on gilt dem Knie. Al­les an­de­re er­gibt sich.“

Für die Fei­er­ta­ge, die er mit sei­ner Frau und dem 16 Mo­na­te al­ten Töch­ter­chen Lo­la ver­brin­gen wird, ha­ben ihm die Phy­sio­the­ra­peu­ten ei­nen Plan mit­ge­ge­ben. Krebs denkt nicht ans Auf­ge­ben. Geht’s nach ihm, wird Lo­la ih­ren Va­ter, dem tak­tisch ge­wief­ten Fleiß­ar­bei­ter, noch be­wusst im Sta­di­on er­le­ben. Auch wenn sie dann wie­der öf­ter auf ihn ver­zich­ten muss. „Mo­men­tan ver­steht sie das al­les noch nicht. Da­für ha­be ich viel Zeit für sie“, er­zählt Krebs, be­vor er sich zu den El­tern ins El­sass ver­ab­schie­det: „Joyeux No­ël“– fröh­li­che Weih­nach­ten, die wünscht er noch. Re­né Dan­kert

MEH­RE­RE ST­UN­DEN TÄG­LICH ist Gaé­tan Krebs nach ei­ner Kreuz­band-OP im Re­ha-Zen­trum Tri­me­dic um Fort­schrit­te be­müht. Foto: GES

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