Ein­satz für die Ärms­ten der Ar­men

Der Hilfs­dienst für Not­lei­den­de in­for­miert über sei­nen vor­weih­nacht­li­chen Ein­satz in Bos­ni­en-Her­ze­go­wi­na

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM -

PK – Der hu­ma­ni­tä­re Hilfs­dienst für Not­lei­den­de (HfN) hat mit frei­wil­li­gen Hel­fern aus Pforz­heim und dem Enz­kreis Kin­der­ge­schen­ke und Le­bens­mit­tel in Bos­ni­en-Her­ze­go­wi­na ver­teilt. 1 500 ar­me Fa­mi­li­en in der Re­gi­on Brcko und Tuz­la be­ka­men da­durch ei­ne Nah­rungs­ga­be zu Weih­nach­ten. Auch Weih­nachts­ge­schen­ke aus Süd­deutsch­land wur­den per­sön­lich an 3 000 Kin­der über­reicht. Zu­vor wa­ren sie in Deutsch­land von zahl­rei­chen klei­nen und gro­ßen Spen­dern lie­be­voll ge­packt und ge­sam­melt wor­den. Fast die Hälf­te da­von war al­lein im Enz­kreis zu­sam­men­ge­kom­men. Die an­de­re Hälf­te der Kin­der­päck­chen war bei Ulm ge­packt und von der be­freun­de­ten Or­ga­ni­sa­ti­on „Brot des Le­bens“zu­sam­men ge­tra­gen wor­den.

Seit dem Ju­go­sla­wi­en­krieg vor über 20 Jah­ren kommt der HfN kurz vor Weih­nach­ten mit Hilfs­gü­tern in die Re­gi­on. „Jahr um Jahr hof­fen wir, dass sich die Le­bens­si­tua­ti­on der Men­schen so ver­bes­sert, dass wir nicht mehr kom­men müs­sen. Aber je­des Mal er­schre­cken wir neu, wie hart die Men­schen in den Ber­gen um ihr täg­li­ches Über­le­ben kämp­fen,“be­rich­tet Karl-Heinz Weber aus Lan­ge­nalb. Der stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de des HfN or­ga­ni­siert und be­glei­tet den Trans­port aus Pforz­heim schon seit ei­ni­gen Jah­ren.

Be­vor die Päck­chen aus Deutsch­land ver­teilt wur­den, stell­ten die Ver­ant­wort­li­chen in Zu­sam­men­ar­beit mit den Be­hör­den vor Ort ei­ne Lis­te der Be­dürf­ti­gen zu­sam­men, teilt der HfN wei­ter mit. Weber be­rich­tet aus die­sen Ge­sprä­chen, „dass 50 Pro­zent der Bos­ni­er ar­beits­los sind“. Der Rest schla­ge sich mit Mi­ni­jobs oder als Ta­ge­löh­ner durch.

Beim Ver­tei­len der Gü­ter ma­che der christ­lich-hu­ma­ni­tä­re Hilfs­dienst kei­nen Un­ter­schied zwi­schen Chris­ten und Mus­li­men. „Wir hel­fen Be­dürf­ti­gen, die am Exis­tenz­mi­ni­mum le­ben,“be­rich­tet Weber. Die Hel­fer hät­ten auch ei­ne Ro­ma-Sied­lung be­sucht, in der ex­tre­me Ar­mut und Not herrscht. Der Pas­tor, der die Sied­lung be­treut, be­rich­tet: „Ich wun­de­re mich, wie die Leu­te ih­ren Le­bens­un­ter­halt be­strei­ten, sie ha­ben kei­ne Ein­kom­men und kei­ne So­zi­al­leis­tun­gen.“Aber sie jam­mer­ten nicht, son­dern sei­en froh, dass Frie­de herrscht. Die Po­li­ti­ker der ein­zel­nen Volks­grup­pen, die in Bos­ni­en-Her­ze­go­wi­na ge­mischt le­ben, such­ten je­weils für ihr Volk das Bes­te. „Mus­li­mi­sche Bos­ni­er, or­tho­do­xe Ser­ben und ka­tho­li­sche Kroa­ten dro­hen ein­an­der im­mer wie­der mit Krieg.“

Nach zehn Ta­gen fährt das eh­ren­amt­li­che Team mit den lee­ren Last­wa­gen nach Deutsch­land zu­rück. „In die­ser schwie­ri­gen Si­tua­ti­on ha­ben wir zu­tiefst dank­ba­re Men­schen an­ge­trof­fen. Vie­le ha­ben be­tont, wie wich­tig die Hil­fe und un­se­re jähr­li­che Wie­der­kehr ist“, teilt Weber wei­ter mit.

MIT PA­KE­TEN AUS PFORZ­HEIM UND DEM ENZ­KREIS geht die­se Frau nach Hau­se. Sie hat sie von den Be­su­chern des Hilfs­diens­tes für Not­lei­den­de be­kom­men. Foto: PK

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