„Un­se­re Angst, un­se­re Frei­heit be­kommt Ihr nicht“

Land­rat Karl Rö­ckin­ger blickt auf 2016 zu­rück: Ge­mein­sam ei­ne groß­ar­ti­ge Leis­tung voll­bracht

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS -

Lie­be Mit­bür­ge­rin­nen und Mit­bür­ger,

der An­schlag von Ber­lin macht uns sprach- und fas­sungs­los. Wir trau­ern mit den Ver­letz­ten und den Fa­mi­li­en der Op­fer und fragen uns: Wer­den die­se Atta­cken welt­weit, vie­le da­von auf un­se­re Wer­te, je auf­hö­ren? Ich den­ke, die Ant­wort kann – wie im Auf­ruf für ein Ge­denk­ge­bet in Strau­ben­hardt – nur lau­ten: Un­se­ren Hass, un­se­re Angst, un­se­re Frei­heit be­kommt Ihr nicht.

Wenn wir auf das ver­gan­ge­ne Jahr zu­rück­bli­cken, kön­nen wir doch fest­stel­len: Es geht den meis­ten von uns in Deutsch­land und hier im Enz­kreis gut. Un­se­re Be­schäf­ti­gungs­la­ge ist sta­bil und auf ho­hem, die Ar­beits­lo­sig­keit da­ge­gen schon seit Jah­ren auf ei­nem sehr nied­ri­gen Ni­veau. Da­ran hat auch der Zu­zug von fast 3 000 Flücht­lin­gen nichts ge­än­dert, die wir in die­sem und im ver­gan­ge­nen Jahr un­ter­ge­bracht ha­ben. Wir ha­ben ge­mein­sam ei­ne gro­ße und groß­ar­ti­ge Leis­tung voll­bracht – die Men­schen in den Ge­mein­den, die Eh­ren­und Haupt­amt­li­chen, die Be­trie­be und Ver­wal­tun­gen. Da­für bin ich sehr dank­bar, denn wir al­le wis­sen: das war die Kurz­stre­cke, der Ma­ra­thon­lauf liegt noch vor uns. Da­mit mei­ne ich die dau­er­haf­te In­te­gra­ti­on der Flücht­lin­ge in un­se­re Ge­sell­schaft, in den Ar­beits­markt und in un­ser so­zia­les Le­ben. Doch da­vor muss uns nicht ban­ge sein, auch wenn es wei­te­rer An­stren­gun­gen be­darf – und trotz der Er­eig­nis­se in Ber­lin. Von Rück­schlä­gen soll­ten wir uns we­der be­ir­ren noch ver­un­si­chern las­sen. Denn was wä­ren die Al­ter­na­ti­ven? Es gilt nach wie vor der Satz von Ben­ja­min Fran­klin: „Wer be­reit ist, Frei­heit auf­zu­ge­ben, um Si­cher­heit zu ge­win­nen, wird am En­de bei­des ver­lie­ren.“Wol­len wir uns weg­dre­hen, wenn Men­schen zu uns kom­men, die al­les ver­lo­ren ha­ben, die we­nigs­tens ihr Le­ben und das ih­rer Kin­der ret­ten wol­len? Ver­ges­sen wir da­bei aber nicht: Auch un­ter den „Ein­hei­mi­schen“gibt es Men­schen, die Hil­fe und Un­ter­stüt­zung brau­chen; die ih­ren Part­ner oder An­ge­hö­ri­ge ver­lo­ren ha­ben; die ge­gen Krank­heit oder Ein­sam­keit kämp­fen und sich oft nichts mehr wün­schen als ein we­nig Zu­wen­dung und mensch­li­che Wär­me. Mei­ne Hoch­ach­tung gilt al­len un­ter Ih­nen, die sich hier – vor­wie­gend eh­ren­amt­lich – en­ga­gie­ren und so „ein Licht in die Welt tra­gen“, wie es in ei­nem Weih­nachts­lied heißt. Ein sol­ches Licht wol­len wir als Enz­kreis auch in den tan­sa­ni­schen Be­zirk Ma­sa­si tra­gen. Dort un­ter­stüt­zen wir die lo­ka­len Kran­ken­häu­ser und hel­fen beim Auf­bau von Sys­te­men, die auf er­neu­er­ba­ren Ener­gi­en be­ru­hen – und da­durch ei­nen Bei­trag im Kampf ge­gen den Kli­ma­wan­del leis­ten. Da­mit ver­su­chen wir auch, den Men­schen dort, im öst­li­chen Afri­ka, da­bei zu hel­fen, Per­spek­ti­ven zu ent­wi­ckeln. Denn ne­ben Krieg und Ver­fol­gung sind Hun­ger, Ar­mut und eben das Feh­len von Per­spek­ti­ven die Ur­sa­chen da­für, dass Men­schen ih­re Hei­mat ver­las­sen und als Flücht­lin­ge zu uns kom­men.

Ich wün­sche Ih­nen ein be­sinn­li­ches Weih­nachts­fest und für das neue Jahr nicht nur gu­te, son­dern sehr gu­te Aus­sich­ten – und die not­wen­di­ge Ge­las­sen­heit, um dies auch schät­zen zu kön­nen; in Frei­heit, oh­ne Hass und Angst.

Ihr Karl Rö­ckin­ger, Land­rat

SEI­NEN DANK spricht Rö­ckin­ger den vie­len eh­ren­amt­li­chen Hel­fern aus. Foto: PK

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