Trä­ger­ver­ein wi­der­spricht Ver­gleich

Nach ge­platz­ten Ei­ni­gungs­ver­su­chen wird Al­ten­pfle­ge­heim in Wil­fer­din­gen wohl Ei­gen­be­trieb

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS -

Rem­chin­gen (zac). Weil die Ge­mein­de Rem­chin­gen das Ur­teil des Karls­ru­her Land­ge­richts dar­über, ob die vor ei­nem Jahr aus­ge­spro­che­ne Kün­di­gung des Al­ten­heim-Trä­ger­ver­eins rechts­kräf­tig ist, erst En­de Fe­bru­ar er­war­tet und weil güt­li­che Ei­ni­gungs­ver­su­che mit dem Ver­ein trotz mehr­ma­li­ger An­nä­he­rungs­ver­su­che im­mer wie­der platz­ten, kün­dig­te der Ge­mein­de­rat nun vor­sichts­hal­ber dop­pelt und drei­fach, um im wei­te­ren Ver­fah­ren kein un­nö­ti­ges Ri­si­ko ein­zu­ge­hen: Mit 20 Ja-Stim­men sprach sich der Rat in ei­ner Ab­stim­mung für ei­ne Kün­di­gung zum 31. De­zem­ber 2017 aus, in ei­ner wei­te­ren für ei­ne frist­lo­se Kün­di­gung we­gen Pacht- und Heiz­kos­ten­rück­stän­den. Au­ßer­dem vo­tier­ten 20 Rä­te da­für, Pacht­rück­stän­de in Hö­he von rund 460 000 Eu­ro und nicht be­zahl­te Heiz­kos­ten in Hö­he von 70 000 Eu­ro vor Ge­richt ein­zu­kla­gen. Nur Lothar Wolf (frak­ti­ons­los) stimm­te drei­mal da­ge­gen. Weil er selbst Mit­vor­sit­zen­der im Trä­ger­ver­ein ist, setz­te sich Bür­ger­meis­ter Lu­ca Wil­helm Prayon wäh­rend­des­sen vom Tisch und gab die Lei­tung sei­nem Stell­ver­tre­ter Kurt Ebel (CDU).

Auf Nach­fra­ge von Wolf ant­wor­te­te Ebel, dass der Trä­ger­ver­ein nach der Ge­richts­ver­hand­lung am Don­ners­tag­mor­gen den an­ge­streb­ten Ver­gleich wi­der­ru­fen ha­be, wes­halb man so han­deln müs­se.

„Wich­tig wä­re, dass die Si­tua­ti­on end­lich sau­ber ge­löst wird, das wün­sche ich mir auch für die Mit­ar­bei­ter von gan­zem Her­zen ei­ne schnel­le Klä­rung. Wir möch­ten, dass sau­ber auf­ge­räumt wird und der neue Wind kommt“, ver­lieh Andreas Bei­er (SPD) Nach­druck und füg­te in Be­zug auf Le­ser­brie­fe hin­zu: „Ich wün­sche mir, dass wir nicht die­sel­ben Schmie­re­rei­en er­le­ben wie beim Rat­haus.“

Zu­vor hat­te Käm­me­rer Gerd Kunz­mann ei­nen Wirt­schafts­plan für das Heim als Ei­gen­be­trieb ein­ge­bracht. Die­ser sieht im Er­folgs­plan Ein- und Aus­ga­ben von je vier Mil­lio­nen Eu­ro und im Ver­mö­gens­plan An­schaf­fun­gen von 50 000 Eu­ro vor, der Rat wird dar­über bei der Haus­halts­ab­stim­mung im Ja­nu­ar ent­schei­den. Uschi Bo­de­mer (SPD) be­ton­te: „Wir möch­ten den Mit­ar­bei­tern, dem Lei­ter und den Eh­ren­amt­li­chen un­ser Lob aus­spre­chen, die auch in die­sem schwe­ren Jahr im­mer da wa­ren. Al­le Stel­len sol­len wei­ter­hin be­legt oder so­gar auf­ge­stockt wer­den.“Auch Prayon hat­te im Vor­feld be­tont, dass in Sa­chen Be­treu­ung und Be­schäf­ti­gung ein Ei­gen­be­trieb kei­ne Nach­tei­le brin­ge, auch Eh­ren­amt sei wei­ter will­kom­men. Wie geht es mit dem Heim nun wei­ter? Wie be­rich­tet, legt der Ver­ein den Miet­ver­trag so aus, dass er sich nicht in Schul­den, son­dern in rund 2,9 Mil­lio­nen Eu­ro Über­zah­lung ge­gen­über der Ge­mein­de sieht. Er er­klär­te nach der Rats­sit­zung in ei­ner Pres­se­mit­tei­lung, dass auch er wäh­rend des Ge­richts­ter­mins am Mor­gen auf ei­nen Ver­gleich mit der Ge­mein­de zwecks Rück­nah­me der Kün­di­gung hin­ge­ar­bei­tet ha­be. Die­je­ni­gen Ver­wal­tungs­rä­te, die nicht dem Ge­mein­de­rat an­ge­hö­ren, hät­ten den Ver­gleich je­doch im Lau­fe des Don­ners­tags we­gen „un­an­nehm­ba­ren Be­din­gun­gen“ab­ge­lehnt. „Der dia­ko­ni­sche Ver­ein wird des­halb die Trä­ger­schaft bis spä­tes­tens 31. De­zem­ber 2017 der Ge­mein­de zu­rück­ge­ben, es sei denn, dass die Ge­mein­de doch noch ei­nen Ver­gleich mit wirk­lich ak­zep­ta­blen Be­din­gun­gen an­bie­tet“, heißt es im Schrei­ben.

Er­neu­te Ver­hand­lun­gen wer­den aber nicht zu er­war­ten sein: „Ich bin er­nüch­tert, dass der Ver­ein den Ver­gleich nicht an­ge­nom­men hat“, er­klär­te Prayon. Die Ge­mein­de ha­be sich weit aus dem Fens­ter ge­lehnt, hät­te an­ge­bo­ten, die Kün­di­gung zu­rück­zu­neh­men und die strit­ti­ge Miet­kos­ten­sum­me aus­schließ­lich für die Er­wei­te­rung zu ver­wen­den, „Aber es kom­men im­mer wie­der neue For­de­run­gen, ich glau­be fast, man will kei­ne Ei­ni­gung.“

Da kei­ne Ei­ni­gung in Sicht ist, wird das Heim al­so wohl Ei­gen­be­trieb der Ge­mein­de wer­den, so­bald ei­ne der drei Kün­di­gun­gen rechts­kräf­tig ist.

ÜBER DIE ZU­KUNFT DES AL­TEN­HEIMS konn­te die Ge­mein­de kei­ne Ei­ni­gung mit dem Trä­ger­ver­ein er­rei­chen und sprach dar­auf­hin zwei wei­te­re Kün­di­gun­gen aus. Spä­tes­tens zum Jah­res­en­de 2017 will der Ver­ein die Trä­ger­schaft nun zu­rück­ge­ben. Foto: Zach­mann

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