Schwe­re Film­spu­len und Kar­dex-Ver­bu­chung

Schei­den­de Me­di­en­zen­trum-Mit­ar­bei­te­rin blickt weh­mü­tig auf die Zeit der 16-Mil­li­me­ter-Fil­me zu­rück

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS -

Enz­kreis (PK). „Das Fil­m­er­leb­nis war im­mer et­was Be­son­de­res: vom Auf­bau des schwe­ren Ge­räts über die Span­nung beim Ein­le­gen des Films bis zum Rat­tern des Fil­map­pa­ra­tes.“Mit ein we­nig Weh­mut blickt Fa­ti­ma Ficht­ler-Oel­schlä­ger auf die Zeit der gro­ßen Film­spu­len und auf fast ein Vier­tel­jahr­hun­dert beim Me­di­en­zen­trum Pforz­heimEnz­kreis zu­rück. Zum Jah­res­en­de geht die Kie­sel­bron­ne­rin nun in den Ru­he­stand.

Ficht­ler-Oel­schlä­ger war 1992 ein­ge­stellt wor­den, um die Ber­ge von 16-Mil­li­me­ter-Fil­men zu spu­len, die da­mals über die The­ke des Me­di­en­zen­trums gin­gen. Das Spu­len brach­te den Film nicht nur zu­rück zum An­fang, son­dern rei­nig­te das Zel­lu­loid-Ma­te­ri­al auch gleich­zei­tig vom Staub. Vier bis fünf St­un­den pro Tag saß die Fach­frau da­mals an der Spul­ma­schi­ne. „Nicht sel­ten flo­gen ei­nem die Fet­zen um die Oh­ren, wenn ein be­schä­dig­ter Film durch die Span­nung zer­ris­sen wur­de“, er­in­nert sie sich.

Ge­ris­se­ne Fil­me zu kle­ben war ei­ne Kunst, denn mit je­dem Schnip­sel ging ein Stück der Ton­spur ver­lo­ren. „Man­che Kun­den ha­ben die teu­ren Fil­me auch falsch her­um ein­ge­legt“, sagt Ficht­ler-Oel­schlä­ger; „da­bei wur­de dann die gan­ze Ton­spur ge­locht – die­se Fil­me konn­te man dann nicht mehr re­pa­rie­ren“. Dem Lärm der Spul­ma­schi­ne und den Aus­düns­tun­gen der Kle­ber trau­ert die schei­den­de Mit­ar­bei­te­rin nicht nach – wohl aber der At­mo­sphä­re, die die gro­ßen Pro­jek­to­ren ver­brei­te­ten: „Ei­nen Film zei­gen war ein­fach et­was Be­son­de­res.“

Die­ses Flair sei be­reits mit den Vi­deo­kas­set­ten ver­lo­ren ge­gan­gen. De­ren zag­haf­ten Be­ginn im Ver­leih er­leb­te Ficht­ler-Oel­schlä­ger noch im ehe­ma­li­gen Land­rats­amt im Blu­men­hof – der „Kreis­bild­stel­le“, wie das Me­di­en­zen­trum da­mals hieß. „Und heu­te ist auch VHS schon wie­der über­holt“, sagt sie schmun­zelnd.

Dass die Kas­set­ten noch im Re­gal ste­hen, lie­ge da­ran, dass es vie­le Ti­tel nicht auf DVD gibt. „Das Ur­he­ber­recht ver­bie­tet es uns, die Form des Me­di­ums oh­ne Ge­neh­mi­gung der Rech­te­inha­ber zu ver­än­dern, al­so Vi­deo­fil­me ein­fach auf DVD zu über­spie­len“, er­klärt Jut­ta Pleick-Ott, Ver­wal­tungs­lei­te­rin des Me­di­en­zen­trums. Die­se Ge­neh­mi­gung be­kom­me man je­doch nicht im­mer oder sie sei schlicht zu teu­er. Des­halb blei­ben die­se Me­di­en auch wei­ter­hin im Ver­leih – eben­so wie aus­ge­wähl­te 16-Mil­li­me­ter-Fil­me. Das wie­der­um freut vor al­lem Film­lieb­ha­ber, die ei­ne lan­ge Film­nacht in der Schu­le oder mit Ju­gend­grup­pen ver­an­stal­ten wol­len – ganz „old school“so­zu­sa­gen. Die da­zu nö­ti­gen Film­pro­jek­to­ren kann man eben­falls im Me­di­en­zen­trum aus­lei­hen – künf­tig je­doch bei Ma­ri­sa Martin, die neu im Ver­leih­team ist und die Kun­den kom­pe­tent be­ra­ten wird.

„Nach wie vor än­dert sich das For­mat der Me­di­en stän­dig: Ei­ner­seits kön­nen in­zwi­schen vie­le von uns li­zen­zier­te Me­di­en on­li­ne ge­nutzt wer­den, an­de­rer­seits fin­den ana­lo­ge Ma­te­ria­li­en wie Ka­mis­hi­bais und Dia-Bil­der­bü­cher im­mer mehr An­hän­ger in Kin­der­gär­ten, Schu­len und bei der Se­nio­ren­ar­beit“, be­rich­tet Jut­ta Pleick-Ott.

Die Ver­wal­tungs­lei­te­rin fühlt sich ein we­nig wie ein Di­no­sau­ri­er: „Ich bin die Letz­te, die sich noch an die Zei­ten der schwe­ren Film­spu­len und der Kar­dexVer­bu­chung er­in­nern kann.“Ih­re ehe­ma­li­ge Mit­ar­bei­te­rin wird sie spä­tes­tens beim all­jähr­li­chen Open-Air-Ki­noAbend wie­der­se­hen. „Aber dann kann Frau Ficht­ler-Oel­schlä­ger ge­müt­lich in der ers­ten Rei­he Platz neh­men und muss kei­ne Bän­ke schlep­pen“, lacht PleickOtt.

WECH­SEL IM ME­DI­EN­ZEN­TRUM: Fa­ti­ma Ficht­ler-Oehl­schlä­ger (links) mit 16-Mil­li­me­terFil­men und Nach­fol­ge­rin Ma­ri­sa Martin mit Ka­mis­hi­bai-Bild­kar­ten­sets. Foto: PK

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