Ein­fach very bri­tish

Pforzheimer Kurier - - WEIHNACHTEN -

Gu­tes Es­sen und Groß­bri­tan­ni­en – zwei Din­ge, ein ele­men­ta­rer Wi­der­spruch. Zu­min­dest dann, wenn man weit­ver­brei­te­ten Vor­ur­tei­len Glau­ben schenkt. Als un­ge­krön­ter Spit­zen­rei­ter in der Top Ten ge­schmack­li­cher Scheuß­lich­kei­ten gilt das Ge­men­ge aus Be­stand­tei­len schot­ti­schen Schafs: der Hag­gis.

Aus­ge­rech­net das schot­ti­sche Na­tio­nal­ge­richt und das et­was leich­ter ver­träg­li­che Ha­fer­brei-Pen­dant Por­ridge stan­den im 14. Jahr­hun­dert Pa­te, als der bei Bri­ten heiß ge­lieb­te Christ­mas Pud­ding er­fun­den wur­de. Von der Kon­sis­tenz her zu­nächst mehr ei­ne Art Sup­pe oder Brei – aus ge­koch­tem Rind- und Ham­mel­fleisch ge­würzt mit Ro­si­nen, Bee­ren, Pflau­men, Wein und Kräu­tern – wur­de er spä­ter durch die Zu­ga­be von Brot, Ei­ern, ge­trock­ne­ten Früch­ten, Bier oder Brannt­wein fes­ter. Den Pu­ri­ta­nern war die ge­halt­vol­le Spei­se al­ler­dings nicht got­tes­fürch­tig ge­nug.

Den Durch­bruch schaff­te der Christ­mas Pud­ding in vik­to­ria­ni­scher Zeit. Al­bert, der Ge­mahl Kö­ni­gin Vic­to­ri­as, er­in­ner­te sich ger­ne an die opu­len­ten weih­nacht­li­chen Fest­mah­le in sei­ner deut­schen Hei­mat. Die­se ku­li­na­ri­sche Tra­di­ti­on ver­quick­ten die fin­di­gen Koch­künst­ler bei Kö­nigs mit bri­ti­schen Ge­wohn­hei­ten, wo­bei der flam­bier­te Christ­mas Pud­ding den Ab­schluss des Fest­mahls dar­stell­te. Charles Di­ckens schließ­lich war es, der ihn im Volk po­pu­lär mach­te. Wohl­for­mu­liert in „A Christ­mas Ca­rol“be­schreibt er den spek­ta­ku­lä­ren Auf­tritt Mrs. Cratchits, die den Pud­ding stolz vor sich her trägt und da­mit fei­er­lich den Raum il­lu­mi­niert. Die­ser Pud­ding hat­te die Form und Aus­se­hen ei­ner ge­fleck­ten, glü­hen­den Ka­no­nen­ku­gel, die ein Stechpalmenblatt ziert.

Der frü­her gän­gi­ge Brauch, ei­nen gol­de­nen Ring ein­zu­kne­ten, wel­cher dem Fin­der ei­ne Hoch­zeit im kom­men­den Jahr pro­phe­zei­te, fin­det nur noch sel­ten Ver­wen­dung. Heu­te nimmt man lie­ber ei­ne zehn Pence Mün­ze, die bal­di­ges Glück ver­spricht. Um Ent­täu­schun­gen zu ver­mei­den, ser­viert die klu­ge Pud­ding-Kö­chin mit je­der an­ge­rich­te­ten Por­ti­on ei­ne Mün­ze, so ver­teilt sich das Glück ge­rech­ter ...

Für Koch­muf­fel gibt es na­tür­lich auch den vor­ge­fer­tig­ten Christ­mas Pud­ding, den die Mi­kro­wel­le auf Ver­zehr­tem­pe­ra­tur bringt. Dies ist zwar recht un­ro­man­tisch, spart aber ei­ni­ges an Ar­beit. Vor­rei­ter für die­sen kom­mer­zi­el­len Er­folg war Mat­t­hew Wal­ker, ein Bau­ern­sohn aus Der­by­shire. Er ar­bei­te­te in ei­nem Fein­kost­la­den, be­ob­ach­te­te und half sei­ner Mut­ter bei der Zu­be­rei­tung von Mar­me­la­den und Pud­dings in der hei­mi­schen Kü­che. Die ers­ten, ei­ge­nen Ex­em­pla­re des Christ­mas Pud­dings nach ih­ren Re­zep­ten ge­lan­gen so gut, dass er ei­ne klei­ne Fa­b­rik er­öff­ne­te. Nach­fra­ge und Um­satz stie­gen ste­tig, sein Sohn John über­nahm die Pro­duk­ti­on, und ver­kauf­te die Fir­ma 1968 an Nort­hern Foods.

Nicht we­ni­ger als 25 Mil­lio­nen der weih­nacht­li­chen Spei­se wer­den je­des Jahr kon­su­miert. Ei­ni­ge wer­den so­gar für ei­nen gu­ten Zweck ge­braucht, Bei den Pud­ding Races im Co­vent Gar­den in London lau­fen weih­nacht­lich ge­stimm­te Leu­te je­den Al­ters um die Wet­te, den um­ge­stülp­ten Pud­ding auf ei­nem Tel­ler ba­lan­cie­rend. So man­ches gu­te Stück lan­det da­bei al­ler­dings lei­der auf dem Pflas­ter. Udo Haaf­ke

Foto: Haaf­ke

STILECHT MIT EI­NEM STECHPALMENBLATT: der in En­g­land be­lieb­te Christ­mas Pud­ding.

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