Fröh­li­che Weih­nacht über­all?

Pforzheimer Kurier - - FAMILIE UND GESELLSCHAFT - Von Mar­tha St­ein­feld

Wenn sie er­wach­sen wer­den, ver­liert Weih­nach­ten für vie­le Men­schen ein gro­ßes Stück von sei­nem Zau­ber. Doch – und das muss man jetzt auch mal oh­ne Zy­nis­mus sa­gen – so­bald Kin­der im Haus sind, wird das Fest der Lie­be tat­säch­lich wie­der zum Fest der Lie­be – mit­samt Plätz­chen­ba­cken, Weih­nachts­baum­schmuck, Sin­gen und Ad­vents­ka­len­der. Dies heißt nicht, dass die Weih­nachts­zeit rei­bungs­los ver­läuft. So wer­den Erst-El­tern un­vor­be­rei­tet da­von ge­trof­fen, dass der Nach­wuchs den un­te­ren Teil des lie­be­voll ge­schmück­ten Weih­nachts­bau­mes um­ge­hend und ziel­ge­rich­tet von al­ler De­ko be­freit. Wer Kin­der hat, die alt ge­nug für ei­nen Ad­vents­ka­len­der sind, aber noch et­was zu jung, um kom­ple­xe­re Sach­ver­hal­te zu ver­ste­hen, der ist im Ad­vent – um genau zu sein: 23 Ta­ge lang – je­den Mor­gen da­mit be­schäf­tigt zu er­klä­ren, war­um nur ein Tür­chen ge­öff­net wer­den darf.

Über­haupt, Ad­vents­ka­len­der! Da macht man sich als hoch­in­for­mier­te Mut­ter ei­nen Rie­sen­auf­wand, um ei­nen selbst ge­bas­tel­ten und mit päd­ago­gi­schem Klein­spiel­zeug ge­füll­ten Ad­vents­ka­len­der zu kre­ieren und wird nach drei Ta­gen vor­wurfs­voll ge­fragt, war­um man kei­nen aus Scho­ko­la­de hät­te, wie Hu­go aus dem Kin­der­gar­ten.

Der Kin­der­gar­ten selbst ist in­des­sen ver­ant­wort­lich für ei­ne vor­weih­nacht­li­che und jähr­lich wach­sen­de Flut an selbst­ge­bas­tel­ten De­ko­ar­ti­keln, wel­che die Klei­nen mit stolz­ge­schwell­ter Brust mit nach Hau­se brin­gen, wo sie un­ge­ach­tet ei­ge­ner äs­the­ti­scher Vor­stel­lun­gen auf­ge­hängt und laut­stark für schön be­fun­den wer­den müs­sen, was sie sel­ten sind. Zu­dem wird Weih­nach­ten mit Kin­dern zu ei­ner Zeit des Er­klä­rens: war­um der Ni­ko­laus aus dem Kin­der­gar­ten und der im Ein­kaufs­zen­trum an­ders aus­se­hen, wie mehr als ein Ni­ko­laus an ei­nem Ort sein kann und war­um zu den ei­nen der Weih­nachts­mann und zu an­de­ren das Christ­kind kommt. Den Groß­el­tern, die zu ei­nem selbst noch ge­sagt hat­ten „Ein Ap­fel und ei­ne Nuss als Ge­schenk reich­ten“, muss man hin­ge­gen er­klä­ren, dass acht Ge­schen­ke nicht ad­äquat sind. Im­mer­hin: Die Weih­nachts­zeit eig­net sich ganz her­vor­ra­gend da­zu, auf­ge­dreh­te und über­zu­cker­te Kin­der mit leich­ter Er­pres­sung wie­der un­ter Kon­trol­le zu be­kom­men. In die­sem Sin­ne, Fro­he Weih­nach­ten!

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