Von Hel­den und An­ti­hel­den

TV-Tipps zum Fest

Pforzheimer Kurier - - FILM UND TV-SZENE -

Zisch­ler) an Weih­nach­ten. Dort spie­len die Ge­schie­de­nen zur Freu­de des glück­li­chen Se­nio­ren­paa­res ein eben­so glück­li­ches Ge­spann. Ge­org, ein­zi­ges Kind des warm­her­zi­gen El­tern­paa­res, bringt es nicht fer­tig, mit die­ser und an­de­ren Le­bens­lü­gen auf­zu­räu­men. „Stil­le Näch­te“ist in vie­ler­lei Hin­sicht be­mer­kens­wert. Da ist zum ei­nen der bril­lan­te Plot, dann das fein nu­an­cier­te Spiel des her­vor­ra­gen­den Schau­spie­ler-En­sem­bles und schließ­lich die wuch­ti­ge Tra­gi­ko­mik des 90-Mi­nü­ters.

Stei­risch derb: Was für ein Glück, dass es Pre­gau, die­ses stei­ri­sche Nest, das der deutsch-ös­ter­rei­chi­schen Ko­pro­duk­ti­on den Ti­tel gibt, der Fan­ta­sie von Au­to­ren­fil­mer Nils Will­brandt ent­sprun­gen ist. In dem Sün­den­ba­bel fei­ern Mord, Kor­rup­ti­on, In­zest, Gier, Ver­rat und an­de­re For­men der mensch­li­chen Nie­der­tracht fröh­lich Ur­ständ. Mit­ten­drin: Ma­xi­mi­li­an Brückner als Dorf­po­li­zist auf ei­ner Anit­hel­den­rei­se ins Ver­der­ben. ist das ARD-Se­ri­en-Event des aus­klin­gen­den Jah­res. Vier­mal 90 Mi­nu­ten an vier auf­ein­an­der­fol­gen­den Ta­gen ha­ben die Pro­gramm­pla­ner auf der 21.45-Uhr-Schie­ne frei­ge­räumt. Der Stoff ist al­les an­de­re als ge­fäl­lig. Wie man sich „Mör­de­ri­sches Tal – Pre­gau“vor­stel­len darf? Als hät­te der David Lynch der „Blue Vel­vet“-Pha­se mit „Braun­schlag“-Schau­spie­lern ein „Brea­king Bad“-Re­make in den Al­pen ge­dreht (ab mor­gen, 21.45 Uhr, in der ARD).

Düs­te­re Vi­sio­nen: Die 15-jäh­ri­ge Ma­ra (Li­li­an Prent) will ein­fach nur nor­mal sein, un­auf­fäl­lig. Schon al­lei­ne, da­mit sie in der Schu­le nicht im­mer das Mob­bing-Op­fer der „Coo­len“ist. Das ist schwer, wenn man des Öf­te­ren in Tag­träu­me ver­fällt und ei­ne eso­te­risch ver­an­lag­te Mut­ter hat, für die man sich un­un­ter­bro­chen fremd­schämt. In der RTL-Ko­pro­duk­ti­on „Ma­ra und der Feu­er­brin­ger“geht Ma­ras Wunsch je­doch nicht in Er­fül­lung: Sie ist kein Mäd­chen wie an­de­re, son­dern so­gar aus­ge­spro­chen ein­zig­ar­tig. Sie soll näm­lich ei­ne Spá­ko­na sein, ei­ne nor­disch-ger­ma­ni­sche Se­he­rin. Und da­mit be­ginnt für sie in Tom­my Krapp­weis’ (Er­fin­der von „Bernd das Brot“) Fan­ta­sy-Film, zu dem er auch Dreh­buch und Ro­man­vor­la­ge schrieb, ein gro­ßes Aben­teu­er, das gro­ße wie klei­ne Zu­schau­er un­ter­hält und mit Au­then­ti­zi­tät und viel­schich­ti­gem Hu­mor über­zeugt. Was „Ma­ra und der Feu­er­brin­ger“von an­de­ren Fan­ta­sy-Kino-Aben­teu­ern un­ter­schei­det, ist die un­ge­wöhn­li­che Ti­tel­fi­gur: Li­li­an Prent spielt kei­ne nied­li­che Hol­ly­woo­dHoch­glanz-Hel­din. Viel­mehr wirkt sie wie das Mäd­chen von ne­ben­an – au­then­tisch, di­rekt, und oh­ne Angst, auch mal ei­ne Gri­mas­se vor der Ka­me­ra zu schnei­den. Das wirkt un­ge­wohnt, ist aber al­les an­de­re als un­an­ge­nehm. RTL zeigt den Fan­ta­sy-Film als Free-TVP­re­mie­re (mor­gen, 12.35 Uhr).

Die wei­ßen Mön­che: Am An­fang wa­ren sie nur ei­ne klei­ne ra­di­ka­le Min­der­heit un­ter den Klos­ter­brü­dern, ihr Kampf­ruf hieß „Ein­fach­heit!“. Statt Lu­xus woll­ten die Zis­ter­zi­en­ser, die „wei­ßen Mön­che“, zu­rück zu den Ur­sprün­gen des Mönch­tums und ein as­ke­ti­sches, gott­ge­fäl­li­ges Le­ben füh­ren. Mit Bern­hard von Clairvaux wuchs der Or­den zu Be­ginn des 12. Jahr­hun­dert im­mens, aus­ge­hend vom Mut­ter­klos­ter Cî­teaux (Bur­gund) wur­de der Re­for­mor­den zum größ­ten Klos­ter­ver­bund, den die Welt bis da­hin kann­te. Die Zis­ter­zi­en­ser wur­den zu er­fin­dungs­rei­chen Öko­no­men und Mar­ke­ting­ex­per­ten. Doch zu­gleich ver­lie­ßen sie ih­re Grund­sät­ze der Ein­fach­heit – und be­sie­gel­ten da­mit ih­ren Nie­der­gang. Die ZDFRei­se­kor­re­spon­den­tin für die ho­hen Fes­te, Pe­tra Gers­ter, setzt sich in Bur­gund, Klos­ter Eber­bach und Maul­bronn auf ih­re Spu­ren. Was ist vom einst mäch­ti­gen Im­pe­ri­um des Mit­tel­al­ters heu­te noch ge­blie­ben? (Mon­tag, 18.15 Uhr, ZDF).

Hey­er­dahls Hel­den­rei­se: Zu­sam­men mit fünf Freun­den über­quer­te der Nor­we­ger Thor Hey­er­dahl 1947 auf ei­nem selbst ge­bau­ten Floß na­mens Kon-Ti­ki den Pa­zi­fik. So woll­te er be­wei­sen, dass Po­ly­ne­si­en nicht et­wa von Asi­en, son­dern von Süd­ame­ri­ka aus be­sie­delt wur­de. Sein Buch über die spek­ta­ku­lä­re Ex­pe­di­ti­on ver­kauf­te sich welt­weit mehr als 50 Mil­lio­nen Mal, der Aben­teu­rer und For­scher wur­de zum Na­tio­nal­hel­den. Mit dem auf­wen­di­gen Aben­teu­er­film „Kon-Ti­ki“(2012) er­fährt der 2002 ver­stor­be­ne Hey­er­dahl sei­ne Hul­di­gung. Die Fil­m­ad­ap­ti­on, die teu­ers­te nor­we­gi­sche Pro­duk­ti­on al­ler Zei­ten, ist ein schön fo­to­gra­fier­tes, ac­tion­rei­ches Hel„Pre­gau“ den­epos. Lei­der flammt zu sel­ten auf, wie sich die Män­ner bei ih­rer 101 Ta­ge lan­gen Über­fahrt von Pe­ru nach Po­ly­ne­si­en ge­fühlt ha­ben müs­sen. RTL II zeigt den os­car­no­mi­nier­ten Film nun erst­mals im deut­schen Free-TV. (Mon­tag, 20.15 Uhr)

Die Lie­be siegt: In den kunst­voll mit­ein­an­der ver­wo­be­nen Epi­so­den von „Tat­säch­lich...Lie­be“ist die Lie­be die trei­ben­de Kraft – und sie er­wischt aus­nahms­los je­den: die schüch­ter­ne An­ge­stell­te, den al­tern­den Rock­star (Bill Nig­hy), ja selbst den frisch ge­ba­cke­nen Pre­mier­mi­nis­ter (Hugh Grant), der sein Herz an das Di­enst­mäd­chen (Mar­ti­ne McCut­che­on) ver­liert. Da­bei ist es nicht nur die hoch­ka­rä­ti­ge Be­set­zung, be­ste­hend aus Hol­ly­wood­grö­ßen wie Co­lin Firth, Kei­ra Knight­ley, Em­ma Thomp­son und dem die­ses Jahr erst ver­stor­be­nen Alan Rick­man, die den Film von Richard Cur­tis zu ei­ner wun­der­vol­len Roman­ze macht. Die Herz­Schmerz-Ge­schich­ten al­ler Paa­re er­rei­chen ih­ren Hö­he­punkt am Weih­nachts­abend und ver­mit­teln in ih­rer Ge­samt­heit dann auch die Bot­schaft des Weih­nachts­fes­tes: Lie­be ist über­all – man muss sie nur zu­las­sen (Mon­tag, 20.15 Uhr, Vox). tsch

SÜNDENDRAMA VOR ALPENKULISSE: „Mör­de­ri­sches Tal – Pre­gau“heißt das vier­tei­li­ge Se­ri­en­event der ARD, das mor­gen be­ginnt. Foto: ARD / De­ge­to

BILD­GE­WAL­TIG: „Kon-Ti­ki“ist der bis­her teu­ers­te nor­we­gi­sche Film über­haupt. Foto: RTL II

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