Up­date für den Win­ne­tou-My­thos

RTL wagt sich an den Karl May-Klas­si­ker

Pforzheimer Kurier - - FILM UND TV-SZENE -

Häupt­lings­sohn Win­ne­tou (stark: Nik Xhe­li­laj) mit ei­nem Faust­schlag nie­der­zu­stre­cken, er­hält er den an­er­ken­nen­den Na­men „Old Shat­ter­hand“.

Wäh­rend Win­ne­tous Schwes­ter Nschot­schi (Ia­zua La­ri­os) die Wun­den des wei­ßen Man­nes ver­sorgt, ent­ste­hen zar­te Ban­de zwi­schen Shat­ter­hand und der In­dia­ne­rin. Die Ei­sen­bahn­ge­sell­schaft nimmt je­doch we­nig Rück­sicht auf der­lei Soft Skills. Die Bahn­stre­cke wird ge­gen die An­ord­nung der weit ent­fern­ten US-Re­gie­rung di­rekt durch die hei­li­gen Ber­ge der Apa­chen ge­sprengt – und soll da­nach de­ren Land zer­pflü­gen. Als sich die Ur­ein­woh­ner weh­ren, kommt es zum zwi­schen Wei­ßen und In­dia­nern. Das Dreh­buch Jan Ber­gers ver­bin­det ge­schickt die (fik­ti­ve) Ge­schich­te des Karl May, der selbst nie im Wil­den Wes­ten war, mit sei­nem Al­ter Ego Old Shat­ter­hand.

Der mit gro­ßem Schau­wert (Ka­me­ra: Sten Men­de) auf­war­ten­de Aben­teu­er­film bie­tet ab­so­lut ki­no­rei­fe Bil­der und weiß zu­dem durch ei­ne stim­mi­ge Be­set­zung zu ge­fal­len. Der al­ba­nisch-tür­ki­sche Star Nik Xhe­li­laj ist als In­dia­ner­Häupt­ling ei­ne ech­te Ent­de­ckung, wäh­rend Wo­tan Wil­ke Möh­ring als Schau­spie­ler ja schon im­mer je­ner stau­nen­de, gro­ße Jun­ge war, den er in die­sem Re­launch ei­nes Wes­tern­klas­si­kers un­ge­schafft, niert ge­ben darf. Dass die Che­mie zwi­schen den mitt­ler­wei­le gut be­freun­de­ten Haupt­dar­stel­lern stimmt, ist im Film deut­lich zu spü­ren und ein emo­tio­na­ler Er­folgs­ga­rant der Neu­ver­fil­mun­gen.

Mit Mi­lan Pe­schel (als Sam Haw­kens), dem DDR-Win­ne­tou Go­j­ko Mi­tic (als Win­ne­tous Va­ter Int­schu Tschu­na), da­zu Bö­se­wich­ten wie Fah­ri Yar­dim (El Mas Lo­co, Teil zwei) und vor al­lem Micha­el Ma­er­tens (San­ter Ju­ni­or, Teil drei) darf man sich über gro­ße Schau­spiel­kunst freu­en. Si­cher: Win­ne­tou bleibt ein Aben­teu­er­stoff mit Cha­rak­te­ren, die mit­un­ter so we­nig am­bi­va­lent wie ein Hand­kan­ten­schlag sind. Den­noch wirkt die Neu­ver­fil­mung der ar­chai­schen ErK­rieg zäh­lung über Gut (In­dia­ner) ge­gen Bö­se (die wei­ße Zi­vi­li­sa­ti­on) um Län­gen werk­ge­treu­er und im Look weit­aus au­then­ti­scher als das deut­sche Wes­ternHoch­glanz­ki­no von einst.

Ei­ne Stär­ke, viel­leicht die größ­te der al­ten Fil­me, wur­de al­ler­dings über­nom­men. Den be­tö­ren­den Sco­re der deut­schen Film­mu­sik-Le­gen­de Martin Bött­cher re­no­vier­te Kom­po­nist Hei­ko Mai­le mit viel Ge­spür und über­führ­te die al­ten The­men und Me­lo­di­en in ein neu­es, mo­der­nes Klan­g­uni­ver­sum. Auch das ei­ne klu­ge Ent­schei­dung mit viel Au­gen- und Oh­ren­maß, die das al­te Win­ne­tou-Ge­fühl ins Heu­te trans­por­tiert.

Eric Lei­mann

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