Sil­ber­streif am Ho­ri­zont

Im tu­ne­si­schen Ur­laubs­ort Mo­na­s­tir

Pforzheimer Kurier - - REISE -

dem Tu­ne­si­en-Tou­ris­mus aus Deutsch­land geht es nach den Ter­ror­an­schlä­gen auf das Bar­do­mu­se­um so­wie dem am Strand von Sous­se wie­der auf­wärts. Ex­per­ten wie Mo­ha­med Ali To­u­mi, Prä­si­dent des Tu­ne­si­schen Tou­ris­mus­ver­bands FTAV, er­ken­nen ei­nen „Sil­ber­streif am Ho­ri­zont“. Grund ge­nug für ei­nen Be­such in Mo­na­s­tir, ganz im Sü­den des Golfs von Ham­ma­met. Der Ge­burts­ort des Staats­grün­ders Ha­bib Bour­gui­ba, der Tu­ne­si­en in die Un­ab­hän­gig­keit führ­te, bie­tet weit mehr als nur Ba­de­strän­de und Tha­l­as­so.

Mo­na­s­tirs Alt­stadt lädt zu ent­spann­tem Fla­nie­ren ein. Gleich in der Nä­he be­fin­den sich mit der Klos­ter­fes­tung Ri­bat aus dem ach­ten Jahr­hun­dert, der Bour­gui­ba-Mo­schee und sei­nes Mau­so­le­ums gleich drei Haupt­se­hens­wür­dig­kei­ten. Der Ri­bat ist so­wohl als Film­ku­lis­se als auch als Ver­an­stal­tungs­zen­trum be­liebt. Au­ßer­dem be­fin­det sich in der Klos­ter­fes­tung des Bau­meis­ters Hart­ha­ma Ben Ayan ein is­la­mi­sches Mu­se­um. Wirk­lich spek­ta­ku­lär ist je­doch die Aus­sicht vom Na­dor, ei­nem Turm an der Süd­ost­sei­te der Klos­ter­fes­tung.

Von dort sind der Jacht­ha­fen, der is­la­mi­sche Fried­hof so­wie das groß­zü­gig an­ge­leg­te Mau­so­le­um des Staats­grün­ders und sei­ner Fa­mi­lie mit gol­de­ner Kup­pel zu se­hen. Die 25 Me­ter ho­hen Mi­na­ret­te der Ge­denk­stät­te wur­den aus ita­lie­ni­schem Mar­mor ge­baut. Vor ih­nen er­streckt sich ein rie­si­ger Platz mit ge­mus­ter­tem Pflas­ter. Ver­steck­ter liegt hin­ge­gen der se­hens­wer­te SkanèsPa­last des Ex­prä­si­den­ten in der Nä­he des Flug­ha­fens am Mit­tel­meer. Seit 2013 be­her­bergt er ein Mu­se­um.

Als der Mar­mor­pa­last 1962 ein­ge­weiht wur­de, stand er ein­sam in ei­nem gro­ßen Park. Heu­te um­ge­ben ihn Wohn­häu­ser und Re­stau­rants. Ob­wohl das Ge­bäu­de selbst von 1987 bis 1998 re­no­viert wur­de, brö­ckelt der Be­ton des tu­ne­si­schen Sterns im ge­wal­ti­gen Spring­brun­nen­be­cken vor dem MuMit se­um. Der Jour­na­list und Ju­rist Bour­gui­ba stand von 1957 bis 1987 als Staats­prä­si­dent an der Spit­ze Tu­ne­si­ens. Er be­kämpf­te den Is­la­mis­mus und nann­te Schlei­er gar „ab­scheu­li­che Fet­zen“. Sei­ne zwei­te Gat­tin führ­te in den spä­ten Jah­ren die Staats­ge­schäf­te, als Nach­fol­ger Zi­ne El Abi­di­ne Ben Ali den Prä­si­den­ten auf Le­bens­zeit ab­setz­te. Er selbst wur­de 2011 von der Jas­min­re­vo­lu­ti­on hin­weg­ge­fegt.

Im Mu­se­um parkt Bour­gui­bas Staats­ka­ros­se blank po­liert in der Ein­gangs­hal­le. Deut­sche Wert­ar­beit: ein schwar­zer Mer­ce­des 600 mit 250 Pfer­de­stär­ken. Ge­wal­tig und für die 60er-Jah­re mo­dern wirkt der Sit­zungs­saal mit dem lan­gen Tisch, um­ge­ben von 26 Stüh­len, die ab­wech­selnd li­la und grau be­zo­gen sind. Ein ro­te Tep­pich durch­zieht die Au­di­enz­hal­le, zu bei­den Sei­ten flan­kiert von Sitz­grup­pen, Säu­len und Wand­tep­pi­chen. Un­term Dach sind noch die Räu­me der Prä­si­den­ten­toch­ter zu se­hen. Die fan­ta­sie­vol­len Flie­sen­bil­der vor der Wen­del­trep­pe auf der gro­ßen Mu­se­um­s­ter­ras­se mit Meer­blick be­ein­dru­cken be­son­ders.

Fast vor der Pa­last­tür liegt Mo­na­s­tirs Flug­ha­fen. Wäh­rend Pas­sa­gie­re der Fe­ri­en­flie­ger frü­her oh­ne Trans­fer vom Air­port ins Ho­tel lau­fen konn­ten, lan­den sie nun ganz über­wie­gend am Ham­ma­met-Flug­ha­fen En­fidha, der rund ei­ne St­un­de ent­fernt ist. Das ist für Ho­te­lier Slim Zghal, Prä­si­dent und Ge­ne­ral­di­rek­tor der Tha­l­as­sa Ho­tels, un­pro­ble­ma­tisch. Schwe­rer wiegt, dass sei­ne Kell­ner die ängst­li­cher ge­wor­de­nen Deut­schen ver­mis­sen, von de­nen nur et­was mehr als ein Sechs­tel sei­nen Ho­tels treu ge­blie­ben ist. Des­halb bleibt im Win­ter le­dig­lich sein Flagg­schiff Roy­al Tha­l­as­sa ge­öff­net.

Für den Un­ter­neh­mer ist das Markt­wirt­schaft, zwei zwi­schen­zeit­lich er­wor­be­ne Ho­tels hat Zghal wie­der ab­ge­sto­ßen. Er be­klagt sich nicht, be­tont je­doch: „Uns liegt am Her­zen, dass die Deut­schen wis­sen, dass sie hier will­kom­men sind!“Schließ­lich hat der Tu­ne­si­en-Tou­ris­mus An­fang der 70erJah­re mit Bun­des­bür­gern be­gon­nen. Dass der Ho­te­lier op­ti­mis­tisch ist, zeigt ein neu­er Was­ser­park in Sous­se, den er mit Hil­fe staat­li­cher För­de­rung ge­baut hat.

Der­weil be­rich­tet Ver­bands­chef To­u­mi, dass Re­gie­rung und die Pri­vat­wirt­schaft in die Si­cher­heit in­ves­tie­ren: „Das Si­cher­heits­per­so­nal wur­de nach den An­schlä­gen mehr als ver­dop­pelt.“Rei­se­lei­ter und Po­li­zei ar­bei­te­ten eng zu­sam­men und trai­nie­ren mit Not­fall­übun­gen, um die Re­ak­ti­ons­ge­schwin­dig­keit zu ver­bes­sern. Me­tall­de­tek­to­ren und Un­ter­bo­den­kon­trol­len bei Au­tos sind nun lan­des­wei­ter Stan­dard, ver­si­chert der FTAV-Prä­si­dent.

Chris­ti­an Bo­er­gen

TOURISTISCHES AUS­HÄN­GE­SCHILD: Mo­na­s­tirs Klos­ter­fes­tung Ri­bat stammt aus dem 8. Jahr­hun­dert. Foto: srt

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