„Mas­sen­grä­ber in Alep­po ent­deckt“

Mos­kau und Da­mas­kus wer­fen Re­bel­len Gräu­el­ta­ten vor / Ge­fech­te um Al-Bab

Pforzheimer Kurier - - POLITIK -

Da­mas­kus (AFP). Nach der voll­stän­di­gen Ero­be­rung von Alep­po ha­ben Mos­kau und Da­mas­kus den aus dem Ost­teil der sy­ri­schen Stadt ver­trie­be­nen Re­bel­len Gräu­el­ta­ten an der Zi­vil­be­völ­ke­rung vor­ge­wor­fen. Es sei­en „meh­re­re Mas­sen­grä­ber mit dut­zen­den Lei­chen“ent­deckt wor­den, er­klär­te ges­tern das rus­si­sche Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um. Mos­kau kün­dig­te zu­dem ei­ne noch stär­ke­re Ko­ope­ra­ti­on mit dem Iran an – bei­de Län­der un­ter­stüt­zen in Sy­ri­en Staats­chef Ba­schar al-As­sad.

Zu den ent­deck­ten Mas­sen­grä­bern sag­te der Spre­cher des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums in Mos­kau, Igor Ko­na­schen­ko, die Men­schen sei­en „grau­sam ge­fol­tert und hin­ge­rich­tet“wor­den. Es müss­ten nun ge­naue Un­ter­su­chun­gen fol­gen. Die­se wür­den aber mit Si­cher­heit da­zu füh­ren, dass der Wes­ten „sei­ne Ver­ant­wor­tung für die Grau­sam­kei­ten“der sy­ri­schen Re­bel­len an­er­ken­nen müs­se. Die amt­li­che sy­ri­sche Nach­rich­ten­agen­tur Sa­na be­rich­te­te ih­rer­seits, dass die Re­bel­len bei ih­rem Rück­zug aus Ost-Alep­po min­des­tens 21 Zi­vi­lis­ten ge­tö­tet hät­ten. Die Lei­chen der Op­fer sei­en in Ge­fäng­nis­sen der in­zwi­schen ver­trie­be­nen „Ter­ror­grup­pen“ent­deckt wor­den, zi­tier­te Sa­na den lei­ten­den Ge­richts­me­di­zi­ner in Alep­po. Sie sei­en „durch Schüs­se aus sehr kur­zer Dis­tanz hin­ge­rich­tet“wor­den. Die op­po­si­ti­ons­na­he Sy­ri­sche Be­ob­ach­tungs­stel­le für Men­schen­rech­te er­klär­te, dass meh­re­re Lei­chen auf den Stra­ßen Ost-Alep­pos ge­fun­den wor­den sei­en. Sie konn­te aber kei­ne An­ga­ben dar­über ma­chen, wie die Men­schen zu To­de ka­men.

Die sy­ri­schen Re­gie­rungs­trup­pen hat­ten am Don­ners­tag nach wo­chen­lan­gen Kämp­fen mit rus­si­scher Un­ter­stüt­zung Alep­po wie­der kom­plett un­ter Kon­trol­le ge­bracht. Auch ih­nen wer­den Gräu­el­ta­ten zur Last ge­legt. Nach UN-An­ga­ben hat­ten sie in den Ta­gen vor der Rück­er­obe­rung des Ost­teils der Stadt min­des­tens 82 Zi­vi­lis­ten ge­tö­tet. Die Op­fer sei­en re­gel­recht hin­ge­rich­tet wor­den.

Die Ver­trei­bung der Re­bel­len aus Alep­po wur­de vom ira­ni­schen Prä­si­den­ten Has­san Ru­ha­ni und sei­nem rus­si­schen Kol­le­gen Wla­di­mir Pu­tin als wich­ti­ger Schritt im Kampf ge­gen den „Ter­ro­ris­mus“ge­fei­ert. „Der Sieg der sy­ri­schen Ar­mee sen­det die Bot­schaft, dass die Ter­ro­ris­ten ih­re Zie­le nicht er­rei­chen kön­nen“, sag­te Ru­ha­ni nach An­ga­ben ira­ni­scher Staats­me­di­en in ei­nem Te­le­fo­nat mit dem Kreml­chef. Mos­kau und Te­he­ran sind Ver­bün­de­te des sy­ri­schen Staats­chefs As­sad. Die Ko­ope­ra­ti­on zwi­schen Russ­land und dem Iran in Sy­ri­en wer­de fort­ge­setzt, sag­te Pu­tin. Er und Ru­ha­ni kün­dig­ten Frie­dens­ge­sprä­che für Sy­ri­en an, die in Ka­sachs­tan statt­fin­den sol­len. Ne­ben Russ­land fliegt auch ei­ne US-ge­führ­te Mi­li­tär­ko­ali­ti­on Luft­an­grif­fe in Sy­ri­en. De­ren Ein­satz for­der­te nun die Tür­kei auch bei den Ge­fech­ten um die Stadt Al-Bab.

Pu­tin und Ru­ha­ni kün­di­gen Ge­sprä­che an

SPU­REN DES KRIE­GES: Die sy­ri­schen Re­gie­rungs­trup­pen hat­ten ver­gan­ge­ne Wo­che mit rus­si­scher Un­ter­stüt­zung die Re­bel­len­vier­tel in Alep­po wie­der kom­plett un­ter ih­re Kon­trol­le ge­bracht. Fo­to: AFP

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