Schatz in Frank­fur­ter Tre­so­ren

Die Bun­des­bank holt das deut­sche Gold wohl frü­her heim als ur­sprüng­lich ge­plant

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT - Von Jörn Ben­der und Frie­de­ri­ke Marx

Frank­furt/Main. Der deut­sche Gold­schatz kehrt heim. Zu­se­hends fül­len sich die Tre­so­re der Bun­des­bank in Frank­furt mit dem Edel­me­tall. Auf streng ge­hei­men We­gen bringt die No­ten­bank seit 2013 Jahr für Jahr ton­nen­wei­se Gold über den Rhein und den At­lan­tik nach Deutsch­land, das aus his­to­ri­schen Grün­den bis­her bei der US-No­ten­bank Fed und der Ban­que de Fran­ce auf­be­wahrt wur­de.

647 Ton­nen sol­len bis zum Jahr 2020 ver­la­gert wer­den. Dann will die Bun­des­bank mehr als die Hälf­te des deut­schen Gold­be­stan­des von der­zeit 3 381 Ton­nen (Stand En­de 2015) in hei­mi­schen Tre­so­ren ver­wah­ren. „Wir lie­gen sehr gut im Zeit­plan und sind uns si­cher, dass wir un­ser Ziel vor 2020 er­rei­chen wer­den“, sagt Bun­des­bank-Vor­stand Carl-Lud­wig Thie­le. Zum Ver­gleich: En­de 2012 la­gen nur 31 Pro­zent der deut­schen Gold­re­ser­ven oder 1 036 Ton­nen in Frank­furt. Auch das war schon ver­gleichs­wei­se viel, wie ein Blick in die jün­ge­re deut­sche Ge­schich­te zeigt: Bis zur deut­schen Ein­heit hat­te die Bun­des­bank nur 77 Ton­nen Gold in Deutsch­land, was sei­ner­zeit nur zwei Pro­zent des Ge­samt­be­stan­des ent­sprach.

„Wo ist das Gold der Deut­schen?“Mit sei­ner pro­vo­kan­ten Fra­ge in der „Süd­deut­schen Zei­tung“traf CSU-Ur­ge­stein Pe­ter Gau­wei­ler im Mai 2012 ei­nen Nerv. Ist der Mil­li­ar­den­schatz im Aus­land si­cher – im­mer­hin ist er mit mehr als 270 000 Bar­ren der zweit­größ­te der Welt? Ist das Gold über­haupt vor­han­den? Noch nie – so mo­nier­te der Bun­des­rech­nungs­hof im Herbst 2012 – ha­be die Bun­des­bank die deut­schen Gold­re­ser­ven jen­seits der Lan­des­gren­zen „kör­per­lich auf­ge­nom­men und auf Echt­heit und Ge­wicht“ge­prüft.

Seit nun­mehr vier Jah­ren be­müht sich die Bun­des­bank um Trans­pa­renz – und ver­sucht zu­gleich, den My­thos um den deut­schen Gold­schatz zu ent­zau­bern. Im Ja­nu­ar 2013 prä­sen­tier­te die No­ten­bank in Frank­furt vor lau­fen­den Ka­me­ras Gold zum An­fas­sen – und de­mons­trier­te mit Ver­su­chen gleich, dass die Bar­ren wirk­lich echt sind. Beim ers­ten Bür­ger­fest in der Bun­des­bank­zen­tra­le im Som­mer 2014 durf­ten Be­su­cher Hand an das Edel­me­tall le­gen: Ein 12,5 Ki­lo­gramm schwe­rer Gold­bar­ren konn­te in ei­ner Si­cher­heits­vi­tri­ne hoch­ge­ho­ben wer­den. Im Ok­to­ber 2015 dann lis­te­te die No­ten­bank erst­mals auf mehr als 2 300 Sei­ten öf­fent­lich ein­seh­bar je­den ein­zel­nen Bar­ren auf.

Das deut­sche Gold, das der Bun­des­re­pu­blik ge­hört und von der Bun­des­bank ver­wal­tet wird, wur­de aus his­to­ri­schen Grün­den zum Groß­teil im Aus­land auf­be­wahrt: Ab Mit­te 1951 bau­te die Bank deut­scher Län­der als Vor­gän­ge­rin der Bun­des­bank ers­te Gold­re­ser­ven auf, in den 1950er und 1960er-Jah­ren wuchs der deut­sche Gold­schatz ra­sant. Denn die Wirt­schafts­wun­der­jah­re brach­ten der Bun­des­re­pu­blik dank des Ex­ports vie­le Dol­lar ein, die bei der US-Zen­tral­bank ge­gen Gold­for­de­run­gen ein­ge­tauscht wer­den konn­ten. Wäh­rend des Kal­ten Krie­ges war es durch­aus ge­wollt, deut­sches Gold „west­lich des Rheins“und mög­lichst weit au­ßer­halb der Lan­des­gren­zen zu ver­wah­ren. Der Ost-Wes­tKon­flikt ist Ge­schich­te. Seit 1999 rech­net Eu­ro­pa zu­dem in ei­ner ge­mein­sa­men Wäh­rung. Seit­her ist zu­min­dest für den Stand­ort Pa­ris das Ar­gu­ment hin­fäl­lig, man kön­ne das dort ge­la­ger­te Gold im Kri­sen­fall in De­vi­sen um­tau­schen. Da­her gibt die Bun­des­bank das La­ger in Frank­reich ganz auf. Thie­le be­tont, Sor­gen über das im Aus­land la­gern­de Gold sei­en un­be­grün­det. „Es gab nie Zwei­fel an der Echt­heit und es gab auch nie Be­an­stan­dun­gen bei dem ver­la­ger­ten Gold. Je­der Bar­ren wird bei Ein­gang in Frank­furt in­ten­siv ge­prüft.“Gleich­wohl geht die Ver­la­ge­rung des Gol­des wei­ter. 2015 ka­men 210 Ton­nen in Bun­des­bank-Tre­so­re hin­zu, Frank­furt ist seit­her mit rund 1 403 Ton­nen die größ­te La­ger­stät­te des deut­schen Gol­des – vor der Fed in New York, der Bank of En­g­land in London und der Ban­que de Fran­ce in Pa­ris. Der Frank­fur­ter Be­stand wuchs auf 112 112 Bar­ren. Wie viel Gold 2016 hin­zu­kam, will die Bun­des­bank erst im Ja­nu­ar ver­ra­ten.

BLICK IN DEN TRE­SOR: War­um la­gert deut­sches Gold ei­gent­lich im Aus­land? Gibt es die Bar­ren über­haupt? Auf Ver­schwö­rungs­theo­ri­en ant­wor­tet die Bun­des­bank mit Trans­pa­renz. Wich­tigs­ter Schritt: Das Gold wird in hei­mi­sche Tre­so­re ge­holt. Fo­to: Bun­des­bank/dpa

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