Beim Was­ser-En­tree bleibt kein Au­ge tro­cken

Die Jo­sé Mi­chel Clowns im Karls­ru­her Weih­nacht­scir­cus sind Spaß­ma­cher klas­si­scher Prä­gung

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Ekart Kin­kel

Karls­ru­he. Knall­bun­te Wes­te, wei­te Ho­se, al­ber­ner Hut, viel zu gro­ße Schu­he und wei­ße Schmin­ke rund um den ro­ten Mund: Jo­sé Lu­is San­tos ist ein Clown wie aus dem Bil­der­buch und wenn er in die­sem Ta­gen ge­mein­sam mit sei­ner Ehe­frau Gi­u­lia Az­za­rio und sei­nem Part­ner En­ri­que Vaz­quez Ri­quel­me in die Ma­ne­ge des Karls­ru­her Weih­nacht­scir­cus tritt, bleibt ga­ran­tiert kein Au­ge tro­cken. Doch wäh­rend das Pu­bli­kum nur Lach- und Freu­den­trä­nen ver­gießt, lie­fert sich das spa­ni­sche Trio ei­ne wahn­wit­zi­ge Was­ser­schlacht und am En­de trot­ten die bei­den Män­ner wie die be­gos­se­nen Pu­del aus dem Ram­pen­licht. Und es ist der ein­zi­ge Auf­tritt des toll­pat­schi­gen Tri­os, denn die Jo­sé Mi­chel Clowns sind kei­ne Re­pri­sen-Clowns zum lau­ni­gen Über­brü­cken der Um­bau­pau­sen zwi­schen den an­de­ren Num­mern, son­dern ein fes­ter Pro­gramm­punkt bei der ach­ten Auf­la­ge des tra­di­tio­nel­len Weih­nachts­spek­ta­kels.

„Wahr­schein­lich gibt es auf der gan­zen Welt nur noch ei­ne Hand­voll sol­cher tra­di­tio­nel­ler Clowns“, sagt Jo­sé Lu­is San­tos, doch an der Not­wen­dig­keit ei­ner klas­si­schen Clown-Grup­pe lässt der 54-Jäh­ri­ge kei­nen Zwei­fel. „Ein Zir­kus oh­ne Clowns ist wie ei­ne Woh­nung wie oh­ne Mö­bel“, sagt der spa­ni­sche Spaß­ma­cher. „Man merkt näm­lich sehr schnell, dass et­was We­sent­li­ches fehlt.“

Das Zir­kus­le­ben wur­de dem quir­li­gen En­ter­tai­ner oh­ne­hin in die Wie­ge ge­legt. Seit sie­ben Ge­ne­ra­tio­nen ge­hö­ren Mit­glie­der der Fa­mi­lie San­tos zum Schau­stel­ler­ge­wer­be. Mit acht Jah­ren stand der klei­ne Jo­sé Lu­is zum ers­ten Mal in der Ma­ne­ge. Trotz­dem ha­be er zu­nächst ei­ne „ganz nor­ma­le Schu­le“be­sucht und ei­ne Aus­bil­dung zum Werk­zeug­ma­cher be­gon­nen, er­in­nert er sich an sei­ne Kind­heit, „aber auch in der Schu­le oder auf Par­tys bin ich re­gel­mä­ßig als Clown auf­ge­tre­ten“. Den Schritt ins Künst­ler­fach ha­be er bis heu­te nicht be­reut. Im Zir­kus fand er mit der Ar­tis­tin Gi­u­lia Az­za­rio sei­ne gro­ße Lie­be, denn seit 30 Jah­ren ist das Paar mitt­ler­wei­le glück­lich ver­hei­ra­tet. Die bei­den Töch­ter Qu­ni­cy und Ka­tie tra­ten so­gar in die Fuß­stap­fen der Mut­ter. Sie mach­ten sich mit ih­ren hoch­klas­si­gen Hand­stand­num­mern als „Az­za­rio Sis­ters“ei­nen Na­men. Gi­u­lia Az­za­rio tausch­te al­ler­dings den Turn­an­zug mit dem Schmink­kof­fer und ist als wei­ßer Clown mit trau­ri­gem Blick seit über zwei Jahr­zehn­ten ein fes­tes En­sem­ble­mit­glied der Jo­sé Mi­chel Clowns. „Mit sei­ner Frau ge­mein­sam ar­bei­ten zu dür­fen, ist ein rich­ti­ges Ge­schenk“, freut sich San­tos, denn da­durch kön­ne auch wäh­rend aus­ge­dehn­ter Tour­ne­en das Fa­mi­li­en­le­ben ge­pflegt wer­den.

In 35 Jah­ren hat der lie­bens­wer­te Zir­kus­ko­mö­di­ant fast die gan­ze Welt be­reist und die Leu­te zum La­chen ge­bracht. Nach Deutsch­land kom­me er im­mer wie­der ger­ne: „Hier gibt es das bes­te Zir­kus­pu­bli­kum auf der gan­zen Welt.“Für Clowns sei­en vor al­lem Auf­trit­te in Skan­di­na­vi­en ei­ne schwie­ri­ge An­ge­le­gen­heit. „Da sind die Leu­te doch sehr un­ter­kühlt und schwer zum La­chen zu brin­gen“, meint Jo­se Lu­is San­tos. In Ja­pan sei­en Hei­ter­keits­aus­brü­che in der Öf­fent­lich­keit gar ver­pönt. „Und die Ita­lie­ner setz­ten sich ins Zelt und sa­gen: Los, fang an, bring mich zum La­chen“, er­zählt San­tos mit ei­nem Schmun­zeln. Bis­lang ha­be er aber noch an je­dem Auf­tritts­ort für die not­wen­di­gen La­cher ge­sorgt. „Ein Clown muss im­mer wie­der von Neu­em den Ein­druck ver­mit­teln, dass er et­was zum ers­ten Mal in sei­nem Le­ben macht“, ver­rät Jo­se Lu­is San­tos ei­nen sei­ner hand­werk­li­chen Knif­fe. „Denn dann las­sen sich die Be­su­cher auf ei­nen ein und wer­den selbst zum Teil der Num­mer.“Selbst zum re­nom­mier­ten Zir­kus­fes­ti­val in Mon­te Car­lo ha­ben es die Jo­sé Mi­chel Clowns schon ge­schafft. Zwei­mal so­gar. „Sie ha­ben mir lie­ber zwei Me­dail­len ge­ge­ben“, scherzt San­tos, „denn ein schus­se­li­ger Clown kann ja auch mal ei­ne ver­lie­ren“.

KEI­NE PAUSENCLOWNS, son­dern Klas­si­ker: Die Jo­sé Mi­chel Clowns ha­ben im Weih­nacht­scir­cus ih­re ganz ei­ge­ne Num­mer. Fo­to: Fa­b­ry

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