Russ­land ver­liert sei­ne bes­ten Sän­ger

Der be­rühm­te Sol­da­ten­chor der Ro­ten Ar­mee war an Bord des ab­ge­stürz­ten Flug­zeu­ges

Pforzheimer Kurier - - BLICK IN DIE WELT - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Frie­de­mann Koh­ler

Sotschi/Mos­kau. Der Chor der Ro­ten Ar­mee ist welt­be­rühmt. Das Alex­an­drow-En­sem­ble mit sei­nem Lei­ter Wa­le­ri Cha­li­low ist nicht nur bei Sol­da­ten be­liebt, auch bei Staats­be­su­chen hoch­ran­gi­ger Gäs­te sor­gen die Sän­ger für die mu­si­ka­li­sche Um­rah­mung.

Nun hat der Ab­sturz ei­nes Flug­zeugs – mit dem be­kann­ten Ar­meechor an Bord – Russ­land in ei­nen Schock­zu­stand ver­setzt. Das Rie­sen­reich trau­er­te ges­tern um die 92 To­ten, wäh­rend Ret­ter das Schwar­ze Meer nach den Trüm­mern der Tu­po­lew Tu-154 durch­kämm­ten und Ex­per­ten nach der Un­glücks­ur­sa­che such­ten. Die Pas­sa­gier­ma­schi­ne des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums soll­te mehr als 60 Sän­ger des tra­di­ti­ons­rei­chen Alex­an­drow-En­sem­bles zu ei­nem Trup­pen­be­such auf die rus­si­sche Luft­waf­fen­ba­sis Ha­mai­mim in Sy­ri­en flie­gen. Kurz nach dem Start vom Flug­ha­fen Ad­ler bei Sotschi stürz­te sie aber ins Meer. Auch der Lei­ter des En­sem­bles, Ge­ne­ral­leut­nant Cha­li­low, kam ums Le­ben.

Mi­nis­ter­prä­si­dent Dmi­tri Med­we­dew sprach von ei­ner „fürch­ter­li­chen Ka­ta­stro­phe“. Zu­gleich be­müh­te sich der rus­si­sche In­lands­ge­heim­dienst FSB, auf­kom­men­de Spe­ku­la­tio­nen über ei­nen Ter­ror­an­schlag zu dämp­fen. Mög­li­che Ur­sa­chen sei­en Vo­gel­schlag, schlech­tes Ke­ro­sin, tech­ni­sches Ver­sa­gen oder ein Pi­lo­ten­feh­ler, teil­te die Be­hör­de mit. Auch Kreml­spre­cher Dmi­tri Pes­kow sag­te, die Ver­si­on ei­nes An­schlags wer­de nicht ver­tieft. Sie ste­he „bei wei­tem nicht an ers­ter Stel­le“.

Vor der Küs­te des Fe­ri­en­or­tes Sotschi such­ten ei­ne Ar­ma­da von mehr als 40 Schif­fen, fünf Hub­schrau­bern und 3 500 Mann nach Op­fern und Wrack­tei­len. Tau­cher ent­deck­ten ein gro­ßes Rumpf­teil, das et­wa 1,6 Ki­lo­me­ter von der Küs­te von Ad­ler in 27 Me­ter Tie­fe lag. „Es wer­den Vor­be­rei­tun­gen zur Ber­gung ge­trof­fen“, sag­te ein Spre­cher. Die Flug­schrei­ber der 33 Jah­re al­ten Tu­po­lew wur­den noch nicht ge­or­tet.

Elf Lei­chen wa­ren aus dem Meer ge­bor­gen wor­den. Zehn von ih­nen wur­den zur Iden­ti­fi­zie­rung nach Mos­kau ge­flo­gen. Am Sitz des Cho­res in Mos­kau leg­ten Trau­ern­de Blu­men nie­der. Auf der Ufer­pro­me­na­de von Sotschi brann­ten Ker­zen für die Op­fer. Ne­ben den Mu­si­kern wa­ren acht Mann Be­sat­zung, neun Jour­na­lis­ten der Fern­seh­sen­der NTW, Ers­ter Ka­nal und Swes­da an Bord, da­zu Mi­li­tärs und Be­am­te.

Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) sprach Pu­tin ihr Mit­ge­fühl aus. EU-Kom­mis­si­ons­chef Je­an-Clau­de Juncker er­klär­te in Brüs­sel: „An die­sem hei­li­gen Tag sind mei­ne Ge­dan­ken bei den Op­fern, ih­ren Fa­mi­li­en und Lie­ben.“Auch Papst Fran­zis­kus kon­do­lier­te. Für den rus­si­schen Mi­li­tär­ein­satz in Sy­ri­en ist das Un­glück ein schwe­rer Rück­schlag. Mos­kau kämpft seit 2015 auf­sei­ten des Prä­si­den­ten Ba­schar al-As­sad. Die­ser sprach Pu­tin sein Bei­leid aus.

Das Alex­an­drow-En­sem­ble hat ei­ne rei­che Tra­di­ti­on als Sol­da­ten­chor der so­wje­ti­schen und der rus­si­schen Ar­mee. Ge­grün­det wur­de der Chor 1928 von Alexander Alex­an­drow (1883–1946), der auch die Na­tio­nal­hym­ne der So­wjet­uni­on kom­po­nier­te. Das Re­per­toire um­fasst et­wa 2 000 Wer­ke, zu de­nen or­tho­do­xe Kir­chen­lie­der, rus­si­sche Volks­lie­der, Mär­sche, aber auch Meis­ter­wer­ke der Pop-Mu­sik zäh­len.

Die rus­si­sche Re­gie­rung schließt ei­nen An­schlag aus

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