Ob­dach­lo­ser an­ge­zün­det

Po­li­zei fahn­det öf­fent­lich nach sie­ben jun­gen Män­nern

Pforzheimer Kurier - - BLICK IN DIE WELT -

Ber­lin (dpa). An ei­ner lan­gen grü­nen Holz­bank auf dem Ber­li­ner U-Bahn­hof Schön­lein­stra­ße blei­ben an den Weih­nachts­ta­gen die Bli­cke hän­gen. Hat hier in der Nacht nach Hei­lig­abend der Ob­dach­lo­se ge­schla­fen, als Men­schen ver­such­ten, ihn an­zu­zün­den? Wer macht so et­was? Und vor al­lem: war­um?

Die Kri­mi­nal­po­li­zei fahn­det seit ges­tern Nach­mit­tag öf­fent­lich nach sie­ben Ju­gend­li­chen und jun­gen Män­nern – we­gen ver­such­ten Mor­des. Ih­re Ge­sich­ter sind auf den Fo­tos und dem Vi­deo­ma­te­ri­al aus ei­ner U-Bahn gut zu er­ken­nen.

Dass es sich letzt­end­lich nicht um ei­nen Mord han­delt, ist glück­li­che Fü­gung. Der Ob­dach­lo­se bleibt un­ver­letzt. Pas­san­ten hel­fen um zwei Uhr früh so­fort und be­herzt, be­rich­tet die Po­li­zei. Sie lö­schen die Flam­men, die wohl be­reits das Pa­pier er­fass­ten, mit dem sich der 37-Jäh­ri­ge, of­fen­bar al­ko­ho­li­sier­te Mann zu­ge­deckt hat­te. Ein U-BahnFah­rer, der den Brand sieht, kommt mit ei­nem Feu­er­lö­scher hin­zu.

Im sonst so coo­len Ber­lin ist die Stim­mung nach dem Ter­ror­an­schlag auf den Weih­nachts­markt mit zwölf To­ten und mehr als 50 Ver­letz­ten an­ge­spann­ter als sonst. Das Le­ben geht wei­ter, doch die Sin­ne sind ge­schärf­ter, emp­find­li­cher. Schon der Knall ei­nes frü­hen Sil­ves­ter­b­öl­lers kann da an­ders klin­gen. „In die­sen Ta­gen soll­ten wir Nächs­ten­lie­be er­war­ten. Statt­des­sen er­le­ben wir Men­schen­ver­ach­tung“, sagt Ber­lins In­nen­se­na­tor Andre­as Gei­sel (SPD). „Ich bin ent­setzt und dan­ke al­len, die be­herzt ge­hol­fen ha­ben. Das ist wah­re Mit­mensch­lich­keit.“

Beim Stichwort U-Bahn kommt noch et­was in den Sinn: Das Vi­deo, mit dem die Ber­li­ner Po­li­zei nach ei­nem Mann such­te, der ei­ne jun­ge Frau die Trep­pe her­un­ter­ge­tre­ten hat­te. Das Vi­deo wur­de tau­send­fach im Netz ge­teilt, in­zwi­schen ist der mut­maß­li­che Tä­ter ge­fasst. Nun ist es die sel­be U-Bahn­li­nie, eben­falls vi­deo­über­wacht, nur vier Sta­tio­nen ent­fernt.

Der An­griff auf den Ob­dach­lo­sen wirft auch ein Schlag­licht auf das Ber­lin jen­seits der be­lieb­ten Kul­tur- und Par­ty­mei­len: In der Haupt­stadt ha­ben Tau­sen­de Men­schen kei­ne Woh­nung, es häu­fen sich nun die For­de­run­gen, ih­ren Pro­ble­men mehr Be­ach­tung zu schen­ken – nicht nur an Weih­nach­ten.

Pas­san­ten ka­men zur Hil­fe und lösch­ten die Flam­men

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