Löw for­dert „Au­gen­maß“in WM-Fra­ge

Bun­des­trai­ner er­neu­ert Kri­tik an Fi­fa-Ex­pan­si­ons­plä­nen / Ju­gend­kurs im DFB-Team auch 2017

Pforzheimer Kurier - - SPORT -

Ber­lin. Joa­chim Löw will sei­ne Aus­wahl im kom­men­den Jahr auf die Mis­si­on WM-Ti­tel­ver­tei­di­gung 2018 vor­be­rei­ten. Der Con­fe­de­ra­ti­ons Cup bie­tet da ge­wis­se Mög­lich­kei­ten. Lang­fris­tig sieht der Bun­des­trai­ner Pro­ble­me für den Fuß­ball, wenn der Ex­pan­si­ons­drang der gro­ßen Ver­bän­de nicht ge­stoppt wird, wie er im In­ter­view mit un­se­rem Mit­ar­bei­ter Jens Mende er­klärt.

Was wün­schen Sie sich für 2017 per­sön­lich und für den deut­schen Fuß­ball?

Löw: Ich wün­sche mir ein biss­chen Zeit für Freun­de und Fa­mi­lie, Men­schen, die ei­nem per­sön­lich wich­tig sind, Ge­sund­heit und wei­ter­hin die Mo­ti­va­ti­on, die ich ha­be. Ich wün­sche mir auch, dass wir al­le ge­mein­sam die Her­aus­for­de­run­gen, die es in un­se­rem Land gibt, gut be­werk­stel­li­gen, dass wir uns mit Re­spekt be­geg­nen, un­ab­hän­gig von den Wur­zeln, der Her­kunft, Re­li­gi­on. Dass wir al­so für die Her­aus­for­de­run­gen in Deutsch­land, was die In­te­gra­ti­on be­trifft, ge­mein­sam Ver­ant­wor­tung über­neh­men und gu­te Lö­sun­gen fin­den.

Und die sport­li­chen Wün­sche?

Löw: Sport­lich ge­se­hen ist wich­tig, dass wir uns im nächs­ten Jahr als Mann­schaft wei­ter­ent­wi­ckeln, ei­nen wei­te­ren Schritt ma­chen, viel­leicht neue Spie­ler an das höchs­te Ni­veau her­an­füh­ren und uns auf die gro­ßen Auf­ga­ben, die vor uns lie­gen, gut vor­be­rei­ten.

Im Som­mer gibt es beim Con­fe­de­ra­ti­ons Cup wie­der meh­re­re Wo­chen Na­tio­nal­mann­schaft. Wel­che Vor­tei­le und Ri­si­ken bringt das?

Löw: Ich se­he lie­ber die Vor­tei­le, denn die gibt es. Die Na­tio­nal­mann­schaft ist noch mal über ei­nen län­ge­ren Zei­t­raum zu­sam­men. Ein Vor­teil ist, dass man beim Con­fed Cup die Mög­lich­keit hat, jun­ge Spie­ler bes­ser zu in­te­grie­ren als bei ein­zel­nen Qua­li­fi­ka­ti­ons­spie­len. Für jun­ge Spie­ler ist das ei­ne gu­te Chan­ce, sich auf dem Ni­veau zu prä­sen­tie­ren.

Und wo lau­ern die Ge­fah­ren?

Löw: Mein Ge­dan­ke ist im­mer, dass man die Spie­ler nicht über­stra­pa­ziert. Wir müs­sen be­hut­sam und wohl über­legt vor­ge­hen. Wel­che Spie­ler no­mi­niert man und wel­che nicht? Es fin­det ja auch noch ei­ne U-21-EM statt. Drei Tur­nie­re in drei Jah­ren sind schon ei­ne gan­ze Men­ge.

Hat sich der Con­fed Cup nicht über­holt?

Löw: Klar, soll man nicht al­les über­stra­pa­zie­ren. Aber für ei­ni­ge Spie­ler kann die Teil­nah­me an ei­nem sol­chen Tur­nier wirk­lich ei­ne gu­te Chan­ce sein, sich zu prä­sen­tie­ren und sich an ein hö­he­res in­ter­na­tio­na­les Ni­veau her­an­zu­spie­len. Für hoch stra­pa­zier­te Spie­ler muss man sich die Be­las­tung in­di­vi­du­ell an­schau­en.

Zu­letzt ha­ben Sie schon wei­ter jun­ge Spie­ler ge­tes­tet. Kom­men 2017 noch wei­te­re hin­zu?

Löw: Die Tür zur Na­tio­nal­mann­schaft ist in die­ser Pha­se ge­ne­rell na­tür­lich of­fen, wir wer­den noch Ge­le­gen­hei­ten ha­ben, Spie­ler zu tes­ten. Es macht jetzt aber kei­nen Sinn, ein­zel­ne Na­men zu nen­nen.

Die Fi­fa will ei­ne WM mit bis zu 48 Star­tern, ei­ne Club-WM mit 32. Die Ue­fa re­for­miert die Cham­pi­ons Le­ague. Wer kann das stop­pen? Löw: Fi­fa und Ue­fa sind in der Ver­ant­wor­tung, sie brau­chen Au­gen­maß und müs­sen das rich­ti­ge Ver­hält­nis fin­den zwi­schen kom­mer­zi­el­len In­ter­es­sen und der sport­li­chen Sicht. Wenn man es über Jah­re be­trach­tet, be­we­gen sich ge­ra­de die Top-Spie­ler kör­per­lich und men­tal am Li­mit. Man muss auf­pas­sen, dass man das Rad nicht über­dreht mit zu vie­len Spie­len, weil die Qua­li­tät darf nicht lei­den. Dann wür­de sich auch der Fan ab­wen­den. Wenn man ein gu­tes Pro­dukt hat, wie den Fuß­ball, soll­te man auch mal über Ver­knap­pung nach­den­ken, um die Qua­li­tät hoch­zu­hal­ten.

War­um, der Ru­bel rollt doch?

Löw: Weil sonst auch der Zu­schau­er nach ei­nem Boom das In­ter­es­se ver­lie­ren kann an ei­ni­gen Spie­len. Der sport­li­che Wert ei­nes Wett­be­werbs droht dann doch zu ver­wäs­sern, wenn – wie bei der EM – drei von vier Mann­schaf­ten in der Vor­run­de wei­ter­kom­men kön­nen. Oder ei­ne Mann­schaft mit drei Punk­ten. Die­se Ten­denz hat mir nicht ge­fal­len. Das be­dingt, dass vie­le Mann­schaf­ten ih­re Tak­tik än­dern und nicht mehr mit of­fe­nem Vi­sier spie­len. Das aber macht doch den Reiz aus. Ist der Welt­meis­ter­trai­ner je­mals von den Ver­bän­den ge­fragt wor­den?

Löw: Das wür­den wir Trai­ner uns si­cher manch­mal wün­schen, dass un­se­re rein auf den sport­li­chen Be­reich be­zo­ge­ne Per­spek­ti­ve ein­be­zo­gen wird. Aber da stößt man an Bar­rie­ren. Es geht na­tür­lich auch dar­um, dass Trai­ner bei Ta­gun­gen über sport­li­che Din­ge ge­fragt wer­den. Über das Re­gel­werk, aber nicht über den Rah­men­ter­min­ka­len­der. Den be­stim­men an­de­re.

Wel­ches WM-For­mat wä­re ih­nen am liebs­ten, wenn es nicht bei 32 Star­tern bleibt? Was sa­gen Sie zum Elf­me­ter­schie­ßen in der Vor­run­de?

Löw: Ich hal­te es für ab­so­lut aus­ge­wo­gen, wenn 32 Mann­schaf­ten an der WM teil­neh­men. Ein Ge­dan­ke, den man hört, könn­te wohl sein, dass es ei­ne Art Vor­qua­li­fi­ka­ti­on ge­ben wird. Aber auch mit un­se­rem DFB-Prä­si­den­ten Rein­hard Gr­in­del bin ich mir ei­nig, dass die Tur­nier­dau­er und die An­zahl der Spie­le nicht aus­ge­wei­tet wer­den dür­fen. Mehr ver­trägt es nicht. Die Ver­ei­ne ha­ben auch An­spruch auf ih­re Spie­ler.

Fo­to: dpa

MAH­NEN­DE WOR­TE: Bun­des­trai­ner Joa­chim Löw hält nichts von ei­ner Auf­sto­ckung der WM-Teil­neh­mer­zahl.

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