Mit ru­hi­ger Hand zum Er­folg

Schüt­ze Lot­speich zielt auf die gro­ßen Sie­ge ab

Pforzheimer Kurier - - SPORT - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Su­san­ne Roth STOPFEN, STOPFEN, STOPFEN: Das Pul­ver muss nach un­ten.

Pforz­heim. Den Weg dürf­te Franz Lot­speich in­zwi­schen im Schlaf ken­nen. Es ist nicht das ers­te Mal, dass er mit sei­nen Sport­ge­rä­ten im Kof­fer­raum in Söhn­stet­ten auf der Schwä­bi­schen Alb auf­bricht und sich dann durch das Stutt­gar­ter Knäu­el auf der Au­to­bahn quält, um bei der „Schüt­zen­ge­sell­schaft Pforz­heim 1450“im Kir­schen­pfad mit ru­hi­ger Hand an­zu­le­gen.

Für den 54-Jäh­ri­gen steht und fällt al­les da­mit, dass er im Wett­kampf hun­dert­pro­zen­tig kon­zen­triert zie­len kann. „Ich ken­ne ei­ni­ge, die sind im Trai­ning sehr gut, an die kommt kei­ner ran, und im Wett­kampf klappt es dann nicht.“Yo­ga kön­ne hel­fen, au­to­ge­nes Trai­ning. Hat er schon al­les pro­biert, „ich ma­che es aber nicht ak­tiv, wenn auch si­cher was da­von hän­gen ge­blie­ben ist und nach­wirkt“, sagt der be­gab­te Schüt­ze, der es statt­des­sen lie­ber mit Schwim­men hält. Auch, um den Rü­cken zu stär­ken, denn beim Schüt­zen-Wett­kampf muss man ste­hen wie ei­ne Eins. Vol­le Kör­per­span­nung, ru­hi­ge At­mung.

So hat Lot­speich Gro­ßes ge­schafft: Mit sei­ner Mann­schaft wur­de er in elf Jah­ren neun­mal deut­scher Meis­ter, ein­mal Drit­ter und „die­ses Mal hat es lei­der nicht ge­reicht für ei­ne Me­dail­le“. Im Som­mer wur­de er selbst Vi­zeWelt­meis­ter mit der Per­kus­si­ons­und mit der St­ein­schloss­flin­te. Mit der Mann­schaft hol­te er Gold.

Per­kus­si­on? St­ein­schloss? Bei­de Fl­in­ten sind Vor­der­la­der. Das be­deu­tet: mehr Vor­be­rei­tung, aber auch mehr Nach­be­rei­tung. „Wer mit Pa­tro­nen schießt, der kann die Fl­in­te auch mal zwei Ta­ge ste­hen las­sen. Wenn ich nach Hau­se kom­me, dann ist Put­zen an­ge­sagt“, sagt er grin­send. Und auch das La­den ist schon ein Akt für sich und viel­leicht auch ei­ne Rou­ti­ne, die et­was Ru­he in den Ablauf bringt und ei­nem bei der men­ta­len Vor­be­rei­tung hilft. Zu­min­dest hat man bei Lot­speich die­sen Ein­druck, wenn er ru­hig und kon­zen­triert bei sei­ner St­ein­schloss­flin­te erst das Schwarz­pul­ver in den Lauf füllt und mit ei­nem Stop­fer nach hin­ten schiebt – aus ei­nem Köf­fer­chen, in dem die Ge­fä­ße mit der ge­nau ab­ge­wo­ge­nen Men­ge an Schwarz­pul­ver und Schrot­ku­geln auf­ge­reiht ne­ben­ein­an­der­ste­hen wie klei­ne Sol­da­ten – dann das Zwi­schen­mit­tel in Gestalt ei­nes Filz­pf­rop­fens, dann die Schrot­vor­la­ge hin­ein­gibt und am En­de al­les mit ei­nem Papp­de­ckel ver­schließt, „da­mit es nicht raus­fällt“. Des­halb schießt er auch auf ge­rin­ge­re Ent­fer­nung als die Pa­tro­nen­schüt­zen – aus 15 Me­tern et­wa – auf die Ton­tau­ben, die nicht mehr Ton­tau­ben ge­nannt wer­den, son­dern Wurf­schei­ben. Da Schrot mehr streut und es auch pas­sie­ren kann, dass „die Tau­be“durch den Schrot­ne­bel fliegt, muss man nä­her her­an.

Die ne­on­far­be­nen klei­nen Schei­ben schleu­dern nach oben, Franz Lot­speich muss er­ah­nen, wohin der Flug geht und aus der Be­we­gung her­aus schie­ßen. Auch das ist ei­ne be­son­de­re An­for­de­rung, aber ei­ne, die er liebt und die den Sport für ihn so be­son­ders macht.

Sei­ne Lie­be zu die­sem an­spruchs­vol­len Hob­by hat er im Al­ter von zwölf Jah­ren ent­deckt, „mein Va­ter ist auch im Schüt­zen­ver­ein ge­we­sen“. Mit dem Luft­ge­wehr, der üb­li­chen Ein­stiegs­waf­fe, hat er schon nach kur­zer Zeit be­ach­tens­wer­te Er­fol­ge er­zielt. Und dann ging es ste­tig berg­auf, auch die Mög­lich­kei­ten, sich im Sport bei gu­ten Wett­kämp­fen ein­zu­brin­gen, wur­den bes­ser.

Schon seit 1984 sei er bei deut­schen Meis­ter­schaf­ten und auch an­de­ren Wett­kämp­fen auf der Pforz­hei­mer An­la­ge ge­we­sen. Ir­gend­wann um­warb ihn der Ver­ein und seit 2006 ist Franz Lot­speich mit der Per­kus­si­ons­flin­te für die Pforz­hei­mer am Start und mit der St­ein­schloss­flin­te für sei­nen Hei­mat­ver­ein, den Rad­fah­rer- und Schüt­zen­ver­ein Söhn­stet­ten.

VIEL RAUCH um ein klei­nes Wurf­ge­schoss: Franz Lot­speich hat mit sei­ner St­ein­schloss­flin­te auf der Pforz­hei­mer Schieß­an­la­ge an­ge­legt und ab­ge­drückt. Fo­tos (2): Roth

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