Wit­zi­ge Weih­nacht

Vom Ma­ler­meis­ter zum Wit­ze­er­zäh­ler / Oli­ver Gim­ber füllt das Con­gres­sCen­trum

Pforzheimer Kurier - - KULTUR IN PFORZHEIM -

Noch vor we­ni­gen Jah­ren, war Oli­ver Gim­ber ein­fach ein Ma­ler­meis­ter aus Pforz­heim. Heu­te füllt er das Con­gress Cen­trum mit über 1 300 Men­schen, die ihn se­hen wol­len. Mög­lich ge­macht hat dies ein Witz über ei­nen schwar­zen Ret­tich, den er vor ge­rau­mer Zeit auf sei­nem You Tu­be Ka­nal „Witz vom Ol­li“ver­öf­fent­licht hat und der seit­dem über ei­ne Mil­li­on mal an­ge­se­hen wur­de. Auf die­sem Ka­nal er­zählt er fast täg­lich ei­nen neu­en Witz über den er selbst oft­mals am meis­ten la­chen muss. Und ge­nau dies ist auch das Ge­heim­nis sei­nes Er­folgs.

Es sind nicht die Wit­ze, die mal mehr und mal we­ni­ger lus­tig sind, son­dern sei­ne Re­ak­ti­on dar­auf. Sei­ne ehr­li­che Freu­de und sein schel­mi­sches Grin­sen, wenn er sich den Witz bild­lich im Kopf vor­stellt und sich be­reits vor der Po­in­te nicht mehr ein­kriegt. Nun steht Oli­ver Gim­ber auf der Büh­ne. Live vor Pu­bli­kum. Heim­spiel in Pforz­heim. Das Pu­bli­kum liebt ihn, aber der Abend ist mä­ßig lus­tig. Woran liegt das? Zum ei­nen am Ti­ming beim Wit­ze er­zäh­len. Man­che Wit­ze brau­chen zu lan­ge zum ent­ste­hen, ha­ben zu vie­le Pau­sen und en­den dann mit ei­ner zu ab­rup­ten Po­in­te. Zum an­de­ren fehlt ihm an die­sem Abend das „sich ka­put­tla­chen wäh­rend dem Er­zäh­len“das an­steckt und für das ihn die Leu­te lie­ben. Dass ihm das selbst im­mer mal wie­der be­wusst wird, merkt man dar­an, dass er plötz­lich ver­sucht den je­wei­li­gen Witz so lus­tig zu fin­den, dass er sich weg­lacht. Es mag der Ner­vo­si­tät beim Auf­tritt in sei­ner Hei­mat ge­schul­det sein, dass die­se Ver­su­che ge­küns­telt und auf­ge­setzt wir­ken. Das größ­te Man­ko je­doch sind die Wit­ze selbst. Nach ei­ge­nen An­ga­ben ver­fügt er über ei­nen sehr gro­ßen Fun­dus von un­ge­fähr 1 500 Wit­zen, die er so­fort ab­ru­fen könn­te. Trotz­dem er­zählt er an die­sem Abend fast aus­nahms­los Wit­ze, die er be­reits auf sei­nem You Tu­be Ka­nal er­zählt hat. Da die meis­ten Zu­schau­er ihn je­doch ge­nau da­her ken­nen, ken­nen sie auch die Wit­ze schon.

Bei man­chen Wit­zen, la­chen die Leu­te be­reits nach den ers­ten drei Wor­ten, da sie ge­nau wis­sen was kommt. Wäh­rend des Pro­gramms wun­dert Ol­li sich des öf­te­ren dar­über, dass das Pu­bli­kum nicht rich­tig mit­geht. Sel­ten war ein Pu­bli­kum so be­reit da­für ent­flammt zu wer­den. Aber oh­ne fri­sche Wit­ze will der Fun­ke nicht so recht über­sprin­gen. Wie­so ist die­ser Abend dann aber trotz­dem ein Er­folg?

Weil Oli­ver Gim­ber ein Mensch ist der das Herz am rech­ten Fleck hat und ein­fach sym­pa­thisch ist. Bei­spiels­wei­se hat er Har­ry den Zeich­ner ein­ge­la­den, der ei­ni­ge der er­zähl­ten Wit­ze zeich­net und spä­ter für bis zu 100 Eu­ro an das Pu­bli­kum ver­kauft. Der Groß­teil die­ser Ein­nah­men soll Men­schen in Not zu­gu­te kom­men. Wenn er von sei­nem Wer­de­gang er­zählt und wie wich­tig es ihm ist, Men­schen zum la­chen zu brin­gen und glück­lich zu ma­chen, dann kann man nicht an­ders als ihn zu mö­gen.

Er er­zählt von den vie­len Mails die ihn er­rei­chen mit Dank­sa­gun­gen von Men­schen de­nen er über ei­ne schwe­re Zeit hin­weg ge­hol­fen hat und als er von sei­nem Va­ter re­det, der lei­der nicht mehr mit­er­le­ben kann, wie er in Pforz­heim auf der Büh­ne steht, wird sei­ne Stim­me kurz brü­chig.

Man hat den Ein­druck, als wä­re das Pu­bli­kum nicht un­be­dingt we­gen der Wit­ze hier, son­dern um den Men­schen Oli­ver Gim­ber ken­nen­zu­ler­nen, weil sie ihn mö­gen. Dass er sein Pu­bli­kum auch mag zeigt sich nicht nur dar­an, dass er auf der Büh­ne kaum ein En­de fin­det und am liebs­ten noch Stun­den­lang für die Zu­schau­er spie­len wür­de, son­dern auch an sei­ner Aus­sa­ge das En­de des Abends be­tref­fend:

„Ich blei­be nach der Vor­stel­lung noch da, bis wirk­lich je­der ein Au­to­gramm oder Sel­fie hat, der ei­nes möch­te“. Sei­ne fast drei St­un­den Pro­gramm „Pl­an­los durch die Nacht“, sei­ne vie­len Dank­sa­gun­gen an al­le mög­li­chen Men­schen, dass er dem Pu­bli­kum sein Herz und sei­ne See­le öff­net, all dies zeigt was für ein Mensch Oli­ver Gim­ber ist.

Und ge­ra­de in Zei­ten in de­nen die so­zia­le Käl­te von Jahr zu Jahr an­zu­zie­hen scheint, ist dies noch viel wich­ti­ger als ein per­fek­tes Büh­nen­pro­gramm.

Ron Tee­ger

HEIM­SPIEL: Wit­ze­er­zäh­ler Oli­ver Gim­ber ist mit sei­nem You-Tu­be-Ka­nal be­kannt ge­wor­den. Im Con­gres­sCen­trum er­zähl­te er sei­ne Wit­ze live. Fo­to: Fix

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