Aus Spor­tu­ten­si­li­en wer­den schi­cke Ta­schen

Kat­ja Lei­ben­sper­ger ver­ar­bei­tet Turn­mat­ten

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Su­san­ne Roth

Kö­nigs­bach-St­ein. Die Fa­mi­lie kennt das schon, wenn die Näh­ma­schi­ne wie­der auf dem Ess­tisch rat­tert. Dann ist das ein deut­li­ches Zei­chen da­für, dass Kat­ja Lei­ben­sper­ger aus St­ein mal wie­der ei­ner Turn­mat­te den Gar­aus ge­macht hat. Ist näm­lich der­zeit ih­re Lieb­lings­be­schäf­ti­gung. Und wenn die 45-jäh­ri­ge ge­lern­te Fri­seu­rin da­mit fer­tig ist, dann kann sich ihr Sohn Tim (14) wie­der ei­ne Sport­ta­sche um­hän­gen oder ih­re Toch­ter Ju­lia (17) ei­nen neu­en Kul­tur­beu­tel be­stü­cken. Ge­nau das ent­steht näm­lich aus den blau­en Tei­len, die zu­vor die Sprün­ge der Tur­ner ab­ge­fe­dert ha­ben. Vor kur­zem war die hand­werk­lich be­gab­te Frau aus St­ein das ers­te Mal auf dem Neu­en­bür­ger Ad­vents­markt und er­fuhr ei­ne so über­ra­schend po­si­ti­ve Auf­merk­sam­keit, dass sie zwi­schen den bei­den Markt­ta­gen noch nachts bis halb vier Uhr an der Näh­ma­schi­ne saß. Ihr Mann Mar­kus muss­te die Mat­ten nach ei­nem von ihr ent­wor­fe­nen Schnitt­mus­ter zu­recht­schnei­den.

Für Lei­ben­sper­ger, die schon als Kind gern ge­näht hat, dann ir­gend­wann Ta­schen aus Fell, ei­nem Feu­er­wehr­schlauch und nun aus al­ten Turn­mat­ten fer­tigt, war nicht nur der Ver­kauf, son­dern auch die Wert­schät­zung ih­rer re­cy­cel­ten Idee ei­ne tol­le Er­fah­rung. „Das zer­setzt sich viel­leicht in Hun­der­ten von Jah­ren, da ist es doch bes­ser, man macht was da­mit“, fin­det sie.

Es war aber eher ein Zu­fall, der sie ver­gan­ge­nes Früh­jahr an die Mat­te führ­te. Die Trai­ne­rin ih­res tur­nen­den Soh­nes frag­te sie, ob sie mit ei­ner al­ten, aus­ge­dien­ten Mat­te et­was an­fan­gen könn­te. Die­se war schon zer­legt, das In­nen­fut­ter aus Ko­kos be­reits beim Wert­stoff­hof ent­sorgt. War­um nicht? Dach­te sich die 45-Jäh­ri­ge und pack­te die „Haut“ein. „Dann stan­den die Tü­ten mit dem Ma­te­ri­al erst mal ein hal­bes Jahr rum“, sagt sie. Viel­leicht steck­te ihr auch noch die Er­fah­rung mit dem Feu­er­wehr­schlauch in den Kno­chen. „Nie wie­der“, sagt sie da­zu und er­zählt, wie sie un­ter Auf­bie­tung al­ler Kräf­te und mit gan­zem Kör­per­ein­satz zu­sam­men mit ih­rem Mann den Gum­mi von der Be­schich­tung trenn­te.

Und dann rück­te sie dem blau­en Kunst­stoff der Turn­mat­te doch noch zu Lei­be. „Erst mal ge­schrubbt oh­ne En­de ha­be ich, mit der Wur­zel­bürs­te, dann kam der Dampf­strah­ler und zu­letzt lan­de­ten die Tei­le in der Wasch­ma­schi­ne.“Beim letz­ten Wasch­gang frei­lich wa­ren die Stü­cke schon nach ei­nem selbst ent­wor­fe­nen

An ei­nem Ruck­sack sitzt sie den gan­zen Tag

Schnitt­mus­ter zer­legt. Und dann mach­te Kat­ja Lei­ben­sper­ger erst ein­mal ein „Schlam­per­mäpp­chen“für die Schu­le. So tas­te­te sie sich Stück für Stück vor, denn erst ein­mal muss man mit dem Ma­te­ri­al warm wer­den. Und es ist wich­tig, dass die Über­lap­pun­gen stim­men, der Reiß­ver­schluss an der rich­ti­gen Stel­le sitzt und der­glei­chen mehr. Beim Kreie­ren ih­rer Ta­schen ver­sucht Kat­ja Lei­ben­sper­ger näm­lich, ge­nau die Feh­ler zu ver­mei­den, die sie an Ta­schen auf­re­gen. Wenn die et­wa nicht ge­nü­gend Reiß­ver­schlüs­se ha­ben, oder kein Fach, in dem man ei­ne Trink­fla­sche un­ter­brin­gen kann, oh­ne dass die­se um­fällt. Und ih­re Ta­schen be­kom­men auch ein Fut­ter, sta­bi­le Reiß­ver­schlüs­se, auch die le­der­nen Ecken der Mat­ten wer­den ver­ar­bei­tet. An ei­nem auf­wen­di­gen Ruck­sack sitzt sie den gan­zen Tag. „Ich sa­ge je­dem, der ei­ne kauft, dass er gut auf sie auf­pas­sen soll“, sagt sie. Wäh­rend ihr Mann ab und zu die Kopf­hö­rer auf­setzt, wenn wie­der die Näh­ma­schi­ne rat­tert ist es für sei­ne Frau ei­ne Ent­span­nung. Bei dem mo­no­to­nen Rat­tern kön­ne sie gut ab­schal­ten, sagt Kat­ja Lei­ben­sper­ger, die bei Wett­kämp­fen ih­res Soh­nes jetzt im­mer ein Tep­pich­mes­ser da­bei hat. Denn es ist nicht so ein­fach, an al­te Turn­mat­ten her­an­zu­kom­men und es könn­te ja sein, dass ei­ne ge­ra­de am Wett­kampf­tag den Geist auf­gibt.

ICH WAR EI­NE TURN­MAT­TE steht auf den Eti­ket­ten: Die Ta­schen­idee von Kat­ja Lei­ben­sper­ger aus Kö­nigs­bach-St­ein kommt bei den Kun­den gut an. Fo­tos: Roth

EI­NE NÄH­MA­SCHI­NE mit gu­tem Mo­tor braucht Kat­ja Lei­ben­sper- ger, wenn sie ih­re Turn­mat­ten zu Ta­schen ver­ar­bei­tet.

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