Fem­me fa­ta­le mit Ber­li­ner Schnau­ze

Chan­tall ist heim­li­che Haupt­dar­stel­le­rin im „Cra­zy Pa­lace“/ Kind­heits­traum er­füll­te sich

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Ekart Kin­kel

In der ed­len Abend­ro­be macht die­se Frau ei­ne eben­so gu­te Fi­gur wie im La­tex­kos­tüm oder im luf­ti­gen Mi­ni­kleid­chen: Der ver­füh­re­ri­sche Vamp ist Chan­talls liebs­te Rol­le – und als Män­ner ver­schlin­gen­de Fem­me fa­ta­le mit frech­fri­vo­ler Ber­li­ner Schnau­ze ist die Mo­de­ra­to­rin seit En­de No­vem­ber die heim­li­che Haupt­dar­stel­le­rin bei den täg­li­chen Din­ner­shows im Va­rie­té-Zelt von „Cra­zy Pa­lace“. Pri­vat mag es die ge­lern­te Ar­tis­tin al­ler­dings et­was le­ge­rer, denn zwi­schen den Pro­ben und vor den Auf­trit­ten be­vor­zugt sie ei­nen knie­lan­gen, grau­en Strick­schlab­ber­pul­li und ei­ne be­que­me Legg­ins. Auch sonst hat die

Das Pri­va­te ist der 41-Jäh­ri­gen hei­lig

pri­va­te Chan­tall rein äu­ßer­lich recht we­nig mit der Büh­nen­fi­gur ge­mein, oh­ne Schmin­ke und Lang­haar­pe­rü­cke. „Ich blei­be ganz ger­ne un­er­kannt“, er­zählt sie mit ei­nem Schmun­zeln. In ih­rer Hei­mat­stadt Ber­lin wer­fe sich tags­über oh­ne­hin nie­mand in Scha­le, er­gänzt sie, „da lau­fen die meis­ten Leu­ten mit al­ten Kla­mot­ten durch die Ge­gend, selbst die Hips­ter kau­fen ih­re Sa­chen ja im Se­cond-Hand-La­den“.

Das Pri­va­te ist Chan­tall auch nach über zwei Jahr­zehn­ten im Schein­wer­fer­licht von zahl­rei­chen Va­rie­té-Shows ein Stück weit hei­lig. Ih­ren rich­ti­gen Na­men möch­te sie des­we­gen auch nicht in der Zei­tung le­sen. „Man­che Leu­te kön­nen nur schlecht zwi­schen Schein und Wirk­lich­keit un­ter­schei­den. In der Ver­gan­gen­heit ha­be ich da­mit schon un­schö­ne Er­fah­run­gen ge­macht“, sagt sie. Um ihr Al­ter macht die 41-Jäh­ri­ge al­ler­dings kein Ge­heim­nis, und auch dass sie vor fünf Jah­ren ihr pri­va­tes Glück ge­fun­den hat und in­zwi­schen „über­stol­ze Ma­ma“ei­nes Soh­nes ist, gibt sie be­reit­wil­lig preis.

Mit ih­rem Al­ter hat Chan­tall oh­ne­hin nicht we­gen über­zo­ge­ner Ei­tel­keit, son­dern we­gen der kör­per­li­chen Her­aus­for­de­run­gen bei ih­ren abend­li­chen Auf­trit­ten zu kämp­fen, denn ei­ner der Hö­he­punk­te der dies­jäh­ri­gen Din­ner­shows ist zwei­fel­los ih­re Kon­tor­si­ons­num­mer. Ge­gen En­de je­den Abends steigt sie in Schu­hen mit zwölf Zen­ti­me­ter lan­gen Ab­sät­zen auf zwei Ei­sen­stan­gen, dreht ih­ren Kopf um 270 Grad nach hin­ten und nimmt mit den Lip­pen ei­ne zwi­schen ih­ren Fü­ßen plat­zier­te Zi­ga­ret­te auf. „Der Trick ist ei­gent­lich gar nicht so spek­ta­ku­lär“, meint Chan­tall, „viel spek­ta­ku­lä­rer ist die Tat­sa­che, dass ich das in mei­nem Al­ter noch kann“. Da­für in­ves­tiert sie je­de Men­ge Zeit in die Vor­be­rei­tun­gen. Be­reits zwei St­un­den vor dem Be­ginn der Show ste­hen Dehn­übun­gen auf dem Pro­gramm.

Ihr ar­tis­ti­sches Hand­werk hat Chan­tall auf der Staat­li­chen Bal­lett­schu­le und Schu­le für Ar­tis­tik in Ber­lin ge­lernt. „Als klei­nes Mäd­chen ha­be ich in Ost­ber­lin im­mer West­fern­se­hen ge­schaut und woll­te ei­ne Haus­frau und Mut­ter wie aus dem Wer­bung für Kin­der-Scho­ko­la­de wer­den“, er­in­nert sich Chan­tall, „aber dann hat mich mei­ne ei­ge­ne Ma­ma mal zwei Wo­chen lang den Haus­halt ma­chen las­sen und ich ha­be mich doch für die Ar­tis­tik ent­schie­den.“

Ih­re Ab­schluss­prü­fung mach­te sie als 18-Jäh­ri­ge mit ei­ner Kon­tor­si­ons­num­mer, da­nach un­ter­nahm sie die ers­ten Geh­ver­su­che als selbst­stän­di­ge Künst­le­rin. Doch als „schwei­gen­de Schlan­gen­frau“woll­te sie nicht all­zu lan­ge auf­tre­ten, und schon bald be­gann Chan­tall mit der Mo­de­ra­ti­on von den ers­ten Ga­la-Shows. Mit dem Dop­pel-L am En­de ih­res Künst­ler­na­mens woll­te sie die Leu­te ei­gent­lich nur zur ber­li­ne­ri­schen Aus­spra­che des Na­mens ani­mie­ren, sagt sie heu­te, und das sämt­li­che „Chan­tals, Cin­dys und Jaque­lines“zum Un­ter­schicht-Kli­schee er­ho­ben wur­den, sei erst spä­ter pas­siert.

Für ih­re fre­chen Mo­de­ra­tio­nen müs­se sie sich üb­ri­gens nicht groß ver­stel­len, sagt die kes­se Ber­li­ne­rin, denn im Ge­gen­satz zum auf­ge­setz­ten Büh­nen­äu­ße­rem ha­be sie auch im Pri­vat­le­ben ein „lo­ses Mund­werk“.

Die täg­li­chen Auf­trit­te in den Va­rie­tés ma­chen ihr Spaß, die nö­ti­ge Ener­gie für die Stra­pa­zen tankt sie zu­hau­se mit Part­ner und Sohn in ei­nem klei­nen Häu­schen in Ber­lin.

Ein Stück weit ha­be sich ihr Traum von der in­tak­ten Fa­mi­lie aus dem West­wer­be­fern­se­hen al­so doch er­füllt, meint Chan­tall heu­te, „denn in Ber­lin gibt es ei­ni­ge Ecken, in de­nen es viel ru­hi­ger zu­geht als in Karls­ru­he“.

AUS­GE­SPRO­CHEN BIEGSAM und ver­füh­re­risch da­zu prä­sen­tiert sich Chan­tall bei ih­ren Auf­trit­ten im „Cra­zy Pa­lace“. Die Mut­ter ei­nes Soh­nes lebt in Ber­lin. Fo­to: pr

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