Wä­sche wird auf Rei­sen ge­schickt

Städ­ti­sches Kli­ni­kum stellt zum neu­en Jahr Sys­tem aus Kos­ten­grün­den um

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE -

eki. An Sil­ves­ter dre­hen sich die Trom­meln in der Wä­sche­rei des Städ­ti­schen Kli­ni­kums zum letz­ten Mal, denn ab dem Neu­jahrs­tag wird die Wä­sche des Groß­kran­ken­hau­ses von ei­ner Groß­wä­sche­rei im Huns­rück ge­rei­nigt. Gut 135 Ki­lo­me­ter müs­sen bis zu zehn Ton­nen Wä­sche dann täg­lich vom Kli­ni­kum in die Wä­sche­rei und wie­der zu­rück trans­por­tiert wer­den.

Nicht al­le Kli­nik­mit­ar­bei­ter sind mit die­ser Lö­sung glück­lich. Hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand wer­den be­reits seit ge­rau­mer Zeit die Ver­ga­be­kri­te­ri­en so­wie die Schlie­ßung der Kli­nik­wä­sche­rei kri­ti­siert, auch der kauf­män­ni­sche Kran­ken­haus­di­rek­tor Mar­kus He­ming spricht von ei­nem Kom­pro­miss. „Si­cher­lich ist das kei­ne op­ti­ma­le Lö­sung“, so He­ming. Aber der täg­li­che Wä­sche­trans­port in den Huns­rück sei auch nicht als lang­fris­ti­ge Lö­sung ge­dacht. Spä­tes­tens in ei­nem hal­ben Jahr soll das so ge­nann­te Lohn­wasch­ver­fah­ren durch ge­leas­te Kran­ken­haus­wä­sche er­setzt wer­den. „Lei­der dau­ert die Um­stel­lung auf das Lea­sing-Ver­fah­ren län­ger als ur­sprüng­lich an­ge­nom­men“, so He­ming. We­gen kom­ple­xer recht­li­cher Vor­ga­ben konn­te die Ver­ga­be erst im De­zem­ber öf­fent­lich aus­ge­schrie­ben wer­den. Im Früh­jahr fällt der Auf­sichts­rat des Kli­ni­kums vor­aus­sicht­lich sei­ne Ent­schei­dung, da­bei sol­len dann so­wohl öko­no­mi­sche als auch öko­lo­gi­sche Fak­to­ren ei­ne Rol­le spie­len.

Die Ent­fer­nung der Lea­sing-Wä­sche­rei zum Kli­ni­kum wird aber si­cher nicht das ent­schei­den­de Kri­te­ri­um sein, denn auch bei der Schlie­ßung der Wä­sche­rei hat­ten aus­schließ­lich wirt­schaft­li­che Grün­de ei­ne Rol­le ge­spielt. We­gen der städ­ti­schen Haus­halts­kon­so­li­die­rung wur­de in den städ­ti­schen Ge­sell­schaf­ten nach Ein­spar­po­ten­zi­al ge­sucht und in der we­nig ren­ta­blen Kli­nik­wä­sche­rei ge­fun­den. „Auch das Kli­ni­kum wird mit­tel- und lang­fris­tig sei­nen Kon­so­li­die­rungs­kurs fort­füh­ren müs­sen“, macht Bür­ger­meis­ter Klaus Stapf we­nig Hoff­nung auf ei­ne bal­di­ges En­de des Spar­kur­ses, denn trotz ei­nes leicht ver­bes­ser­ten Jah­res­er­geb­nis­ses wei­se der Ma­xi­mal­ver­sor­ger in der Nord­stadt im­mer noch ein leich­tes De­fi­zit auf.

„Letzt­lich zwingt uns aber die man­gel­haf­te Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rung zu die­sem Schritt“, sagt der Kli­nik­de­zer­nent, denn zahl­rei­che an­de­re Groß­kran­ken­häu­ser hät­ten ähn­li­che Pro­ble­me und die meis­ten da­von ih­re Wä­sche­rei­en be­reits aus­ge­la­gert.

Wirt­schaft­lich ist die Zu­sam­men­ar­beit mit ei­ner ex­ter­nen Lohn­wä­sche­rei näm­lich of­fen­bar ei­ne loh­nen­de Al­ter­na­ti­ve. Rund ei­ne drei­vier­tel Mil­li­on Eu­ro wer­den laut Stapf jähr­lich ein­ge­spart.

„Für Groß­wä­sche­rei­en mit ei­nem Vo­lu­men von 100 Ton­nen Wä­sche pro Tag ist der Ener­gie­auf­wand ein­fach deut­lich ge­rin­ger als mit den 20 Jah­re al­ten Wasch­ma­schi­nen im Kli­ni­kum“, so Stapf. Und weil der Ener­gie­ver­brauch mit in die Öko­bi­lanz ein­flie­ße, hält der Um­welt­de­zer­nent so­gar täg­lich 330 Ki­lo­me­ter Wegstre­cke für den Wä­sche­trans­port für ge­recht­fer­tigt. Dass der städ­ti­sche Spar­kurs nun auf dem Rü­cken von Lohn­wä­schern aus­ge­tra­gen wird, be­fürch­tet Stapf eben­falls nicht, schließ­lich sei dem Kli­ni­kum schrift­lich be­stä­tigt wor­den, dass sämt­li­che Mit­ar­bei­ter der ex­ter­nen Wä­sche­rei nach Ta­rif­ver­trag be­zahlt wür­den.

Oh­ne­hin sei­en dem Kli­ni­kum bei der Su­che nach ei­ner ex­ter­nen Lohn­wä­sche­rei we­gen des „gel­ten­den Wett­be­werbs­rechts“ein Stück weit die Hän­de ge­bun­den ge­we­sen.

Die Aus­schrei­bung war eu­ro­pa­weit vor­ge­nom­men wor­den. Und mit Blick auf ei­nen ver­ant­wor­tungs­vol­len Kli­nik­be­trieb so­wie un­ter Be­rück­sich­ti­gung von Um­welt­as­pek­ten sei ei­ne Fahr­zeit von zwei bis drei St­un­den vor­ge­ge­ben wor­den, so Stapf. Er sagt wei­ter: „Ei­ne Ver­kür­zung der St­un­den­zahl hät­te den Bie­ter­kreis deut­lich ein­ge­schränkt und wä­re nicht zu­läs­sig ge­we­sen.“

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