„Die Welt hat sie ge­liebt“

Ei­ne Rol­le präg­te das Le­ben der Schau­spie­le­rin und Au­to­rin Car­rie Fis­her

Pforzheimer Kurier - - ERSTE SEITE - Andre­as Jütt­ner

Die aus der Rei­he „Star Wars“be­kann­te Schau­spie­le­rin Car­rie Fis­her ist im Al­ter von 60 Jah­ren ge­stor­ben. Sie sei in ei­nem Kran­ken­haus in Los An­ge­les ge­stor­ben, teil­te ein Spre­cher der Fa­mi­lie ges­tern mit. Fis­her hat­te vor we­ni­gen Ta­gen bei der Rück­kehr von Lon­don nach Los An­ge­les noch im Flug­zeug ei­ne Herz­at­ta­cke er­lit­ten. „Die Welt hat sie ge­liebt“, heißt es in ei­nem State­ment ih­rer Toch­ter Bil­lie Lourd, die eben­falls als Schau­spie­le­rin ar­bei­tet. Fis­her (Fo­to: dpa) war als 19-Jäh­ri­ge durch ih­re Rol­le als Prin­zes­sin Leia aus der „Star Wars“-Se­rie be­kannt ge­wor­den. 2015 kehr­te sie in „Star Wars: Das Er­wa­chen der Macht“in ih­rer Pa­ra­de­rol­le auf die Lein­wand zu­rück. Die Toch­ter der Schau­spie­le­rin Deb­bie Reynolds und des Sän­gers Ed­die Fis­her spiel­te auch in Fil­men wie „Blues Bro­thers“oder „Har­ry und Sal­ly“mit.

Die größ­te Rol­le ih­res Le­bens war Se­gen und Fluch zu­gleich: Mit 19 Jah­ren wur­de Car­rie Fis­her, Toch­ter des Sän­gers Ed­die Fis­her und der Schau­spie­le­rin Deb­bie Reynolds, als Prin­zes­sin Leia Or­ga­na in Ge­or­ge Lu­cas’ ers­tem „Star Wars“-Film be­setzt. Der Rie­sen­er­folg des Films und der bei­den Fort­set­zun­gen mach­te sie zum Welt­star – doch nach dem Ab­schluss der Ur-Tri­lo­gie mit „Die Rück­kehr der Je­di-Rit­ter“im Jahr 1983 ging es ihr ähn­lich wie ih­rem Film­bru­der Mark Ha­mill: Rol­len mit auch nur an­nä­hernd ver­gleich­ba­rer Strahl­kraft blie­ben aus.

All­zu be­geis­tert war Fis­her aber schon vor­her nicht mehr von der Rol­le ge­we­sen: Im ers­ten Film über­nahm Leia im­mer mal wie­der schlag­fer­tig und hand­fest das Kom­man­do, doch spä­ter rutsch­te die Fi­gur im­mer mehr ins Kli­schee der zu er­ret­ten­den Prin­zes­sin, bis sie im drit­ten Film im Me­tall-Bi­ki­ni als an­ge­ket­te­te Gei­sel ne­ben ei­ner über­di­men­sio­na­len Mons­ter­pup­pe na­mens Jab­ba the Hutt sit­zen muss­te. Zu die­sem Zeit­punkt hat­te sie be­reits ein schwe­res Dro­gen­pro­blem: Schon am Set von „Das Im­pe­ri­um schlägt zu­rück“nahm Fis­her re­gel­mä­ßig Ko­ka­in, bis ihr, wie sie es spä­ter sinn­ge­mäß for­mu­lier­te, auf­fiel, dass sie „et­was mehr“Dro­gen nahm als die Leu­te um sie her­um. Die spä­ten 70er und frü­hen 80er Jah­re wa­ren ei­ne enorm in­ten­si­ve Zeit im Le­ben von Car­rie Fis­her: Sie hat­te 1976 ei­ne drei­mo­na­ti­ge Af­fä­re mit ih­rem (ver­hei­ra­te­ten) Film­part­ner Har­ri­son Ford, dann ei­ne mehr­jäh­ri­ge Be­zie­hung mit dem Sän­ger Paul Si­mon (die tat­säch­li­che Ehe dau­er­te al­ler­dings nur von Au­gust 1983 bis Ju­li 1984), sie kämpf­te ge­gen ih­re Dro­gen­sucht, rang mit der schwie­ri­gen Be­zie­hung zu ih­rer Mut­ter und un­ter­nahm ei­nen ers­ten Ver­such als Ro­man­au­to­rin. Ihr au­to­bio­gra­fisch grun­dier­tes De­büt „Post­cards from the edge“(ins Deut­sche als „Grü­ße aus Hol­ly­wood“über­setzt), er­schien 1987, wur­de ein Er­folg und 1989 mit Me­ryl Streep und Shir­ley MacLai­ne ver­filmt. Drei wei­te­re Ro­ma­ne so­wie bio­gra­fi­sche Bü­cher folg­ten, zu­letzt „The Prin­cess Dia­rist“. Zwar spiel­te Fis­her wäh­rend ih­rer Kar­rie­re in über 40 Fil­men mit, et­wa in „The Blues Bro­thers“und „Har­ry und Sal­ly“, hat­te aber in den meis­ten Fäl­len nur klei­ne Ne­ben­rol­len. Rund 15 Jah­re lang war sie als „Script Doc­tor“an Dreh­bü­chern für gro­ße Pro­duk­tio­nen be­tei­ligt, et­wa an „Hook“, „Sis­ter Act“, „Last Ac­tion He­ro“oder „Mr. & Mrs. Smith“so­wie an den Dia­lo­gen in der Pre­quel-Tri­lo­gie zu „Star Wars“, wohl nicht zu­letzt dank ih­res Ta­l­ents für bis­si­ge Po­in­ten.

Nicht oh­ne Wi­der­stre­ben, aber auch mit gro­ßem Ver­ant­wor­tungs­ge­fühl für ei­ne iko­ni­sche Film­fi­gur, schlüpf­te Fis­her für die „Star Wars“-Fort­set­zung „Das Er­wa­chen der Macht“wie­der in die Rol­le der Leia Or­ga­na und nahm in der ers­ten Sze­ne mit ih­rem eins­ti­gen, mitt­ler­wei­le 73-jäh­ri­gen Lieb­ha­ber Har­ri­son Ford die Tra­di­ti­on der Dia­log-Du­el­le zwi­schen Leia und Han So­lo wie­der auf: Sei­ne Be­grü­ßung „Du hast ei­ne neue Fri­sur“kon­tert sie mit „Und du trägst im­mer noch die al­te Ja­cke“. Wie sich Fis­hers plötz­li­cher Tod auf die ge­plan­ten wei­te­ren Fil­me aus­wirkt, ist of­fen.

Am ver­gan­ge­nen Frei­tag hat­te Fis­her auf dem Flug von Lon­don kurz vor Los An­ge­les ei­nen schwe­ren Herz­in­farkt er­lit­ten. Nach An­ga­ben der Flug­ge­sell­schaft Uni­ted Air­lines schlu­gen die Flug­be­glei­ter Alarm, weil ei­ne Pas­sa­gie­rin in der Luft das Be­wusst­sein ver­lo­ren hat­te und auf Maß­nah­men an Bord „nicht re­agier­te“. Nach der Lan­dung konn­ten Ret­tungs­hel­fer mit ent­spre­chen­der Aus­rüs­tung sie wie­der zu­rück­ho­len, be­rich­te­te un­ter an­de­ren die „Los An­ge­les Ti­mes“. Nun er­lag Fis­her den Fol­gen des In­farkts. Im Ki­no hat sie der­zeit noch das letz­te Wort: Der ak­tu­el­le „Star Wars“-Film en­det mit ei­nem ei­nem di­gi­tal be­werk­stel­lig­ten Wie­der­se­hen mit der jun­gen Leia. Und die spricht das Wort „Hoff­nung.“

Car­rie Fis­her

Fo­to: dpa

UN­VER­GES­SEN: Car­rie Fis­her als Leia Or­ga­na, hier mit Mark Ha­mill (links) und Har­ri­son Ford im ers­ten „Star Wars“-Film.

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