KSC-Boss er­hofft sich Slom­ka-Ef­fekt

KSC-Prä­si­dent Wel­len­reu­ther sieht in den ei­ge­nen Rei­hen ho­hes Ent­wick­lungs­po­ten­zi­al und er­hofft sich für 2017 ei­nen Slom­ka-Ef­fekt

Pforzheimer Kurier - - ERSTE SEITE -

Karls­ru­he (da). Wie der Karls­ru­her SC im zwei­ten Halb­jahr so tief hat­te sin­ken kön­nen, ist für des­sen Prä­si­den­ten In­go Wel­len­reu­ther „schwer zu sa­gen“. Vie­les hat­te aber, wie der CDU-Bun­des­tags­po­li­ti­ker im In­ter­view an­führt, mit der Ar­beit des vor­ma­li­gen Sport­di­rek­tors Jens Todt zu tun. Für 2017 wünscht sich Wel­len­reu­ther ei­nen Schul­ter­schluss mit den Un­ter­stüt­zern sei­nes Ver­eins. Gro­ße Hoff­nun­gen setzt der KSC-Boss da­bei in Mir­ko Slom­ka, den der Ta­bel­len-15. der Zwei­ten Li­ga am 3. Ja­nu­ar als neu­en Trai­ner prä­sen­tie­ren wird.

Karls­ru­he. Das zwei­te Halb­jahr 2016 war, sport­lich ge­se­hen, ein ver­korks­tes aus Sicht des Karls­ru­her SC. Größ­ter Er­folg des Fuß­ball-Zweit­li­gis­ten, der ab dem 29. Ja­nu­ar ge­gen den Ab­stieg kämp­fen muss, war der Ab­schluss der End­los-De­bat­te um den Sta­di­on­neu­bau. Selbst ein sport­li­ches Worst-Ca­se-Sze­na­rio wer­de das jahr­zehn­te­lang dis­ku­tier­te Pro­jekt nicht mehr ver­hin­dern, ver­si­chert KSC-Prä­si­dent In­go Wel­len­reu­ther im In­ter­view mit un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Re­né Dan­kert.

Herr Wel­len­reu­ther, Sie ha­ben für die­ses Ge­schäfts­jahr Trans­ferer­lö­se von 1,7 Mil­lio­nen Eu­ro ein­ge­plant. Der Li­zenz­spie­le­re­tat wur­de im Som­mer dann um ei­ne hal­be Mil­li­on Eu­ro über­zo­gen. Nun fal­len der Aus­tausch des Sport­di­rek­tors und des Trai­ner­teams ins Ge­wicht. Im Win­ter sol­len Ver­stär­kun­gen kom­men. Wie ist das für den KSC wirt­schaft­lich dar­zu­stel­len?

Wel­len­reu­ther: Was die Trans­ferer­lö­se an­geht, so ha­ben wir die­se durch die Ab­gän­ge von Ma­nu­el Gul­de, Jo­nas Mef­fert und Pas­cal Köp­ke über­trof­fen. Ge­ne­rell ist es so, dass wir ge­gen­über der Deut­schen Fuß­ball-Li­ga Pro­gno­sen ab­ge­ben. Ob die­se ein­tre­ten, zeigt uns an­schlie­ßend die Rea­li­tät, denn die Zah­len wer­den we­sent­lich vom sport­li­chen Er­folg be­ein­flusst. Ei­ne be­son­de­re Her­aus­for­de­rung stellt es dar, wenn wir zu­dem noch Sport­di­rek­tor und Trai­ner­team wech­seln müs­sen. Dass war si­cher­lich nicht ge­plant. Bis zum Sai­son­en­de ver­schiebt sich da wie im­mer noch ei­ni­ges.

Wie soll das ge­lin­gen? Wel­len­reu­ther: Wie in der Ver­gan­gen­heit, so wer­den wir im Prä­si­di­um und im Ver­wal­tungs­rat be­müht sein, krea­ti­ve Lö­sun­gen zu fin­den, um das aus­zu­glei­chen und auch nächs­tes Jahr die Li­zenz der DFL zu be­kom­men. Mög­lich wä­re das durch mehr Ein­nah­men oder durch zu­sätz­li­che Trans­ferer­lö­se. Es ist näm­lich nicht so, dass wir, wie hier und da der Ein­druck er­weckt wird, ei­nen gro­ßen Geld­kof­fer her­um­ste­hen hät­ten.

Ge­rüch­te­wei­se als Rück­keh­rer vom SC Frei­burg im Ge­spräch ist Mef­fert, au­ßer­dem soll sei­tens des KSC In­ter­es­se an Mar­co Ter­raz­zi­no von 1899 Hof­fen­heim, An­dré Hoff­mann von Han­no­ver 96 und Lu­kas Frö­de von Wer­der Bre­men be­ste­hen ...

Wel­len­reu­ther:... die Na­men ha­be ich al­le schon ge­hört. Ich be­stä­ti­ge oder de­men­tie­re aber nichts. Es gibt ei­ne lan­ge Lis­te mit Spie­lern, über die sich un­ser neu­er Trai­ner Mir­ko Slom­ka und un­ser Sport­di­rek­tor Oli­ver Kreu­zer si­cher in­ten­siv aus­tau­schen.

Wenn’s am En­de schief­geht und der KSC ab­steigt: Müs­sen Sie nicht be­fürch­ten, dass die Sta­di­on­bauGeg­ner die sport­li­che Mo­ment­auf­nah­me da­zu be­nut­zen, um das Pro­jekt po­li­tisch zu zer­dis­ku­tie­ren?

Wel­len­reu­ther: Ers­tens: Wir wer­den nicht ab­stei­gen. Zwei­tens: Die Ent­schei­dung für ei­nen Neu­bau ist – Gott sei Dank – end­gül­tig ge­fal­len. Die No­tar­ver­trä­ge sind al­le un­ter­schrie­ben. Das ist ein Rie­sen­er­folg und ei­ne his­to­ri­sche Leis­tung für den KSC. Dem­nächst geht das Pro­jekt in die Aus­schrei­bung. In des­sen Be­rech­nung zur Re­fi­nan­zie­rung floss ei­ne Lang­zeit­pro­gno­se von über 20 Jah­ren ein. Das ist ei­ne Grund­satz­ent­schei­dung der Stadt, die er­kannt hat, wie wich­tig der Pro­fi­fuß­ball auch für ih­re Ver­mark­tung ist. So et­was lässt sich nicht da­von ab­hän­gig ma­chen, ob der KSC ge­ra­de oben oder un­ten in der Ta­bel­le steht.

Wie konn­te der Um­bruch im Som­mer trotz ei­nes er­höh­ten Li­zenz­spie­le­re­tats ei­gent­lich der­ma­ßen da­ne­ben­ge­hen? Wel­len­reu­ther: Es ist schwer zu sa­gen, wor­an es im De­tail lag. Im Ok­to­ber 2015 wur­de un­ser da­ma­li­ger Sport­di­rek­tor Jens Todt von uns da­mit be­auf­tragt, ei­nen Nach­fol­ger für den Trai­ner Markus Kauc­zin­ski zu su­chen. Vier Mo­na­te spä­ter schlug er uns To­mas Oral vor. Wir ha­ben dann zwei gu­te Ge­sprä­che mit Oral ge­führt und wa­ren von ihm über­zeugt. Oral wur­de da­nach in Karls­ru­he nicht ge­ra­de mit of­fe­nen Ar­men emp­fan­gen. Si­cher hat­te er auch selbst An­teil dar­an, dass Tei­le der Trup­pe ihm ir­gend­wann vi­el­leicht auch nicht mehr folg­ten. Nach dem Sieg in Würz­burg hat­ten wir ge­hofft, dass er die Kur­ve be­kommt. Jens Todt hat uns ge­ra­ten, an ihm fest­zu­hal­ten. Erst Oli­ver Kreu­zer schätz­te die Sa­che dann an­ders ein. Zu­dem war schon die Ka­der­pla­nung im Som­mer nicht op­ti­mal ge­lau­fen. Wir hat­ten grü­nes Licht für drei sehr gu­te Spie­ler ge­ge­ben. Ge­wun­dert ha­ben wir uns über den ei­nen oder an­de­ren Ab­gang – Gor­don oder Peitz zum Bei­spiel. Da ist ei­ni­ges un­glück­lich ge­lau­fen. Bes­ser wä­re es ge­we­sen, wenn das Prä­si­di­um mehr ein­ge­bun­den wä­re. Man sieht an all­dem wie­der ein­mal: Fuß­ball ist nicht Ma­the­ma­tik, nicht be­re­chen­bar. Und nun ste­cken wir in die­ser schwie­ri­gen La­ge.

Sie spra­chen nach der Ver­pflich­tung von Slom­ka da­von, dass es mit­un­ter „ei­ne In­tel­li­genz­fra­ge“sei, „zum KSC zu ge­hen“. Was mein­ten Sie da­mit?

Wel­len­reu­ther: Ei­ni­ge hat­ten ge­fragt, wie wir Slom­ka für den KSC ge­won­nen ha­ben. Als wä­ren wir ein Ver­ein, zu dem kein nor­ma­ler Mensch geht. Der KSC hat im­mer noch Klang im deut­schen Fuß­ball. Und er hat, Stich­wort Sta­di­on­neu­bau, auch per­spek­ti­visch viel zu bie­ten. Man kann bei uns et­was ent­wi­ckeln. Das hat Slom­ka er­kannt.

Was wün­schen Sie sich für 2017?

Wel­len­reu­ther: Ich wün­sche mir, dass die zu­letzt sehr gu­te Ar­beit von Lu­kas Kwas­ni­ok wei­ter Früch­te trägt und dass Mir­ko Slom­ka ein Ge­mein­schafts­ge­fühl er­zeu­gen kann. Nicht zu­letzt wä­re wich­tig, dass die Zu­schau­er wie­der zahl­rei­cher ins Sta­di­on kom­men. Ich wün­sche mir, dass al­le in Karls­ru­he die Si­tua­ti­on ernst neh­men. Zu glau­ben, dass al­les oh­ne die Un­ter­stüt­zung un­se­rer Fans geht, wä­re ein Trug­schluss.

Fo­to: GES

NICHT WUNSCH­LOS GLÜCK­LICH ist KSC-Prä­si­dent In­go Wel­len­reu­ther mit Blick auf das Jahr 2017. Sein Ver­ein kämpft ge­gen den Ab­stieg aus der Zwei­ten Li­ga.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.