Här­ter durch­grei­fen

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - GER­HARD WINDSCHEID

Noch ist es ei­ne Wei­le hin bis zur Bun­des­tags­wahl im kom­men­den Jahr: Be­reits jetzt über­bie­ten sich die Par­tei­en bei ih­ren Vor­schlä­gen zur Ter­ror­ab­wehr. SPD-Vi­ze Ralf Steg­ner for­dert als Re­ak­ti­on auf den Ber­li­ner Ter­ror­an­schlag ei­ne kon­se­quen­te Ab­schie­be­haft für so­ge­nann­te Ge­fähr­der, und auch die CSULan­des­grup­pe im Bun­des­tag spart vor ih­rer Klau­sur­ta­gung im kom­men­den Ja­nu­ar nicht mit Vor­schlä­gen zu ei­ner ver­bes­ser­ten Ter­ror­ab­wehr. Mit wil­dem Ak­tio­nis­mus ist al­ler­dings nie­man­dem ge­hol­fen.

Sinn­vol­ler wä­re es, wenn das vor­han­de­ne ge­setz­li­che In­stru­men­ta­ri­um rich­tig aus­ge­nützt wür­de. Das vom Bun­des­tag be­reits ver­schärf­te Aus­län­de­r­und Auf­ent­halts­recht müss­te in den

Bun­des­län­dern nur buch­sta­ben­ge­treu an­ge­wen­det wer­den. Je nach par­tei­po­li­ti­scher Cou­leur gibt es hier al­ler­dings er­heb­li­che De­fi­zi­te.

Aus­län­di­sche „Ge­fähr­der“kön­nen be­reits jetzt zu Haft­stra­fen ver­ur­teilt und we­gen Flucht­ge­fahr in Ab­schie­be­haft ge­nom­men wer­den. Die Po­li­zei ver­weist zu Recht auf die vie­len Rechts­ver­stö­ße po­ten­zi­el­ler „Ge­fähr­der“, die nur kon­se­quent ge­ahn­det wer­den müss­ten. All­zu häu­fig wer­den Ge­richts­ver­fah­ren vor­schnell ein­ge­stellt, weil an­geb­lich „kein öf­fent­li­ches Ver­fol­gungs­in­ter­es­se“vor­liegt. An­statt über im­mer neue Ge­set­ze nach­zu­den­ken, wä­re es sinn­vol­ler, här­ter durch­zu­grei­fen. So man­cher „Ge­fähr­der“lie­ße sich so rasch aus dem Ver­kehr zie­hen.

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