Berg von Pro­ble­men

EZB sieht bei Kri­sen­bank Mon­te dei Pa­schi noch grö­ße­ren Ka­pi­tal­be­darf

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT - Von´Tho­mas Mig­ge und Le­na Klimkeit

Sie­na. Die Ret­tung der schwer an­ge­schla­ge­nen ita­lie­ni­schen Pri­vat­bank Mon­te Pa­schi di Sie­na (MPS) könn­te für den ita­lie­ni­schen Staat teu­rer wer­den als ge­plant. Nicht mehr nur von fünf, son­dern von fast neun Mil­li­ar­den Eu­ro staat­li­cher Hil­fe ist in­zwi­schen die Re­de. Laut den jüngs­ten Mit­tei­lun­gen aus dem Vor­stand der 1472 ge­grün­de­ten Bank muss jetzt von ei­nem Ka­pi­tal­be­darf von 8,8 Mil­li­ar­den Eu­ro aus­ge­gan­gen wer­den. Die­sen Wert ha­be die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) er­mit­telt.

8,8 statt „nur“fünf Mil­li­ar­den Eu­ro – das er­klä­re sich da­mit, so der Vor­stands­spre­cher der MPS im tos­ka­ni­schen Sie­na, dass sich „die Fi­nanz­la­ge des Bank­hau­ses zwi­schen No­vem­ber und Weih­nach­ten dra­ma­tisch ver­schlech­tert“ha­be. Soll­te die ita­lie­ni­sche Re­gie­rung nicht von sich aus der an­ge­schla­ge­nen Bank un­ter die Ar­me grei­fen, droht MPS un­ter ei­nem Berg fau­ler Kre­di­te, die nicht mehr zu­rück­ge­zahlt wer­den kön­nen, zu­sam­men­zu­bre­chen – mit dra­ma­ti­schen Fol­gen für das ge­sam­te ita­lie­ni­sche Ban­ken­sys­tem. Um nicht nur die Kri­se der MPS in den Griff zu be­kom­men, son­dern auch die an­de­rer ita­lie­ni­scher Ban­ken, ver­ab­schie­de­te die Re­gie­rung von Pao­lo Gen­ti­lo­ni noch vor Weih­nach­ten ein Ret­tungs­pa­ket in Hö­he von rund 20 Mil­li­ar­den Eu­ro. Brüs­sel scheint kein Ve­to ge­gen die­ses staat­li­che Ret­tungs­pa­ket ein­le­gen zu wol­len und ver­weist auf ei­ne so­ge­nann­te „vor­sorg­li­che Re­ka­pi­ta­li­sie­rung“un­ter be­stimm­ten Um­stän­den. Die EU-Re­geln ver­bie­ten mitt­ler­wei­le ei­gent­lich staat­li­che Ret­tungs­ak­tio­nen für Ban­ken. Be­vor der Steu­er­zah­ler zur Kas­se ge­be­ten wird, sol­len nach den neu­en Ab­wick­lungs­re­geln zu­nächst die Gläu­bi­ger von An­lei­hen mit Ver­lus­ten rech­nen. Das Pro­blem in Ita­li­en ist al­ler­dings, dass vie­le Klein­an­le­ger ih­re Er­spar­nis­se in die­se Wert­pa­pie­re ge­steckt ha­ben.

Fo­to: dpa

ES SIEHT DUN­KEL AUS für Mon­te dei Pa­schi: Nicht erst seit der Neu­be­rech­nung durch die EZB ist klar, dass die Tra­di­ti­ons­bank nur noch durch Staats­hil­fe zu ret­ten ist.

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