Zu­viel Ar­beit, zu we­nig Per­so­nal

Ge­werk­schaft Ver­di will bes­se­re Ar­beits­be­din­gun­gen für Pfle­ge­per­so­nal in Kli­ni­ken

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Ani­ka von Gre­ve-Dier­feld

Stutt­gart. Zu­viel Ar­beit, zu we­nig Per­so­nal, Mil­lio­nen Über­stun­den. Die Be­las­tung für Pfle­ge­kräf­te in den Kran­ken­häu­sern im Land sind enorm. For­de­run­gen an die Po­li­tik lau­fen seit Jah­ren ins Lee­re, sagt die Ge­werk­schaft Ver­di. Zeit für ei­ne bun­des­wei­te Kam­pa­gne – und Streiks?

Mit ei­ner bun­des­wei­ten Kam­pa­gne will sich die Di­enst­leis­tungs­ge­werk­schaft Ver­di im kom­men­den Jahr für das Pfle­ge­per­so­nal stark ma­chen und bes­se­re Ar­beits­be­din­gun­gen in Kli­ni­ken durch­set­zen. Die Si­tua­ti­on auf den Sta­tio­nen sei mitt­ler­wei­le so be­denk­lich, dass das auch auf die Ver­sor­gung der Pa­ti­en­ten durch­schla­ge, sag­te ein Ver­diSpre­cher. „Die Pfle­ge­kräf­te si­gna­li­sie­ren uns: „Am drin­gends­ten brau­chen wir Ent­las­tung“, be­ton­te er.

Ver­di for­dert un­ter an­de­rem ei­ne Min­dest­be­set­zung auf Kli­nik­sta­tio­nen, ver­läss­li­che Ar­beits­zei­ten und ei­nen Frei­zeit­aus­gleich für ge­leis­te­te Über­stun­den. Die Kam­pa­gne wird nach Wor­ten des Spre­chers seit Mo­na­ten vor­be­rei­tet, sei in den ein­zel­nen Bun­des­län­dern aber zeit­lich un­ter­schied­lich ge­tak­tet. In Ba­den-Würt­tem­berg sol­len zwi­schen Fe­bru­ar und April kon­kre­te For­de­run­gen for­mu­liert und bis zum Früh­som­mer 2017 al­le Trä­ger der Kli­ni­ken zu ent­spre­chen­den Ver­hand­lun­gen auf­ge­for­dert wer­den. Auch Streiks sei­en als letz­te Kon­se­quenz nicht aus­ge­schlos­sen. „Ba­den-Würt­tem­berg mar­schiert un­ter den Bun­des­län­dern bei Ver­bes­se­run­gen der Ar­beits­be­din­gun­gen in der Pfle­ge vor­ne­weg“, hieß es da­zu aus dem So­zi­al­mi­nis­te­ri­um. Die En­que­te-Kom­mis­si­on „Pfle­ge in Ba­den-Würt­tem­berg zu­kunfts­ori­en­tiert und ge­ne­ra­tio­nen­ge­recht gestal­ten“ha­be schon in der ver­gan­ge­nen Le­gis­la­tur­pe­ri­ode vie­le Hand­lungs­emp­feh­lun­gen er­ar­bei­tet – „von der Ent­loh­nung bis zu Per­so­nal­aus­stat­tung“, sag­te ein Mi­nis­te­ri­ums­spre­cher. „In der Po­li­tik tut sich trotz zahl­lo­ser Ap­pel­le nichts“, kri­ti­sier­te der Ver­diSpre­cher. Des­we­gen müs­se nun ta­rif­po­li­tisch et­was ge­sche­hen. Für Ver­di sei dies ein be­son­de­rer Schritt. „Sa­lopp ge­sagt kämp­fen wir sonst klas­si­scher­wei­se für mehr Geld oder kür­ze­re Ar­beits­zei­ten“, sag­te der Spre­cher.

Die Si­tua­ti­on in den Kran­ken­häu­sern spit­ze sich aber der­art zu, dass die Ge­werk­schaft nun zu­sätz­li­che For­de­run­gen auf­stel­le und, un­ab­hän­gig von Ge­halts­ver­hand­lun­gen, ver­trag­lich fest­schrei­ben wol­le. Min­dest­be­set­zun­gen auf Sta­tio­nen et­wa wur­den im Ju­ni bun­des­weit erst­mals im Ber­li­ner Kran­ken­haus Cha­rité in ei­nem Ta­rif­ver­trag ge­re­gelt. Sol­che For­de­run­gen um­zu­set­zen kos­te na­tür­lich Geld, sag­te der Ver­di-Spre­cher. Des­we­gen wür­den al­le Kran­ken­haus­trä­ger zu Ta­rif­ver­hand­lun­gen auf­ge­ru­fen, da­mit am En­de kei­ner Wett­be­werbs­nach­tei­le er­lei­de.

Wann es 2017 ein Er­geb­nis ge­ben könn­te, sei of­fen. Im Süd­wes­ten gibt es nach An­ga­ben der Ba­den-Würt­tem­ber­gi­schen Kran­ken­haus­ge­sell­schaft (BWKG) rund 270 Kran­ken­häu­ser; laut Sta­tis­ti­schem Lan­des­amt ar­bei­ten dort 52 000 Men­schen in der Pfle­ge. Die Ver­di-Kam­pa­gne rich­tet sich nach An­ga­ben von Ge­werk­schafts­se­kre­tär Jür­gen Lippl an rund 160 Akut­kli­ni­ken im Land. Dort fehl­ten rund 7 200 Stel­len.

AUF EI­NER KLINIKSTATION wird bei ei­ner Pa­ti­en­tin der Blut­druck ge­mes­sen. Fo­to: dpa

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