„Wo soll das en­den?“

Der Ba­den-Ba­de­ner Samm­ler Frie­der Bur­da: Kunst­prei­se sind jen­seits von Gut und Bö­se

Pforzheimer Kurier - - KULTUR - Su­san­ne Kup­ke/dpa

Der Ba­den-Ba­de­ner Samm­ler und Kunst­mä­zen Frie­der Bur­da blickt ver­ständ­nis­los auf den über­hitz­ten Kunst­markt. „Die der­zei­ti­gen Prei­se sind jen­seits von Gut und Bö­se. Wo soll das en­den?“Auf Dau­er kön­ne das nicht gut ge­hen, warnt er. Wer Kunst als Spe­ku­la­ti­ons­ob­jekt kauft, kann nach sei­ner Mei­nung bö­se er­wa­chen: „Da ge­nügt ein klei­nes Be­ben, und die gan­zen Spe­ku­la­tio­nen ent­pup­pen sich als Bla­se“, er­klär­te er jetzt in ei­nem Ge­spräch mit un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin.

Zu­gleich kün­dig­te er an, sich auf Dau­er ganz aus der Ar­beit des von ihm ge­grün­de­ten Mu­se­ums Frie­der Bur­da in Ba­den-Ba­den zu­rück­zie­hen. Im Lau­fe des nächs­ten Jah­res will er den Stif­tungs­vor­stand ab­ge­ben und sei­ne Samm­lung ver­jün­gen. „Nach 40 Jah­ren Samm­lungs­tä­tig­keit bin ich nicht mehr der, der für kon­ti­nu­ier­li­che Er­neue­rung steht. Ei­ne Samm­lung muss sich aber wei­ter ent­wi­ckeln“, be­ton­te er. Sei­ne Stief­toch­ter Patri­cia Kamp, die ihn schon seit Jah­ren über die ak­tu­el­len Ent­wick­lun­gen auf dem Lau­fen­den hält, ha­be „un­glaub­li­che Ide­en“. Sie soll künf­tig ein be­son­de­res Au­gen­merk auf jun­ge Kunst ha­ben.

„Es ist ein Glücks­fall, dass sie als Kunst­his­to­ri­ke­rin die Samm­lung fort­set­zen und ver­jün­gen wird. Noch tref­fe aber ich die letz­te Ent­schei­dung über ei­nen An­kauf.“Denn, so be­ton­te er: „Bil­der kau­fen ist noch im­mer mei­ne Lieb­lings­be­schäf­ti­gung.“Sein Mu­se­um in Ba­den-Ba­den hat er in­des­sen mit neu­er Lei­tung für die Zu­kunft fit ge­macht. „Mit mei­nen 80 Jah­ren woll­te ich das Haus vor­be­rei­ten für die nächs­te Ge­ne­ra­ti­on und da­für sor­gen, dass es wei­ter­geht. Dies ist mir hof­fent­lich ge­lun­gen.“

Mit Hen­ning Scha­per als neu­em Di­rek­tor ab Mai 2017 sei der Ge­ne­ra­ti­ons­wech­sel nun er­folg­reich ein­ge­lei­tet. Sei­ne in Ber­lin le­ben­de Stief­toch­ter Patri­cia Kamp wird den Kul­tur­ma­na­ger künst­le­risch be­ra­ten. Sie lei­tet den neu­en „Sa­lon Ber­lin“, ei­ne Art Schau­fens­ter des Mu­se­ums Frie­der Bur­da in der Haupt­stadt. Als Kunst­bei­rats-Vor­sit­zen­de im Stif­tungs­ku­ra­to­ri­um soll sie künst­le­ri­sche Im­pul­se aus Sicht der jün­ge­ren Ge­ne­ra­ti­on ge­ben. Kamp ist et­wa ver­ant­wort­lich für ei­ne Schau mit Wer­ken des ka­na­di­schen Künst­lers Rod­ney Gra­ham, die ab Ju­ni in Ba­den-Ba­den zu se­hen sein soll.

Zur Samm­lung von Frie­der Bur­da sind in den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren ei­ni­ge Neu­er­wer­bun­gen hin­zu­ge­kom­men, dar­un­ter das so­ge­nann­te Kanz­ler­bild „Rück­blick“von Andre­as Gurs­ky so­wie wei­te­re Wer­ke von Kat­ha­ri­na Grosse, Gün­ther Ue­cker, Heinz Mack und Gre­go­ry Cr­ewd­son. Die Samm­lung um­fasst heu­te rund 1 000 Wer­ke mo­der­ner und zeit­ge­nös­si­scher Kunst – dar­un­ter von Künst­lern wie Pa­blo Pi­cas­so, Sig­mar Pol­ke und Ger­hard Rich­ter.

Frie­der Bur­da gilt als be­deu­ten­der Kunst­samm­ler. Der mitt­le­re von drei Söh­nen des Ver­le­ger­ehe­paa­res Franz und Aen­ne Bur­da hat an der Lich­ten­ta­ler Al­lee in Ba­den-Ba­den ein Mu­se­um er­rich­tet, das er weit­ge­hend oh­ne öf­fent­li­che Gel­der un­ter­hält. Das 2004 er­öff­ne­te Haus nach Plä­nen des Ar­chi­tek­ten Richard Mei­er ist zum kul­tu­rel­len Ma­gne­ten weit über die Re­gi­on hin­aus ge­wor­den.

Fo­to: Deck

WILL WEI­TER­ENT­WICK­LUNG: Der Ba­den-Ba­de­ner Samm­ler Frie­der Bur­da vor ei­ner „Ker­ze“des Ma­lers Ger­hard Rich­ter.

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