Rät­sel­haf­ter Ab­schied

Trai­ner Kor­kut über­rascht mit sei­nem Rück­tritt Lau­terns Club­füh­rung

Pforzheimer Kurier - - SPORT - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter To­bi­as Schäch­ter

Kai­sers­lau­tern. Im Früh­jahr gab es in Kai­sers­lau­tern ei­nen Neu­an­fang: Nach acht Jah­ren mit Ste­fan Kuntz an der Ver­eins­spit­ze über­nah­men in Prä­si­dent Tho­mas Gries und Fi­nanz­vor­stand Micha­el Klatt fri­sche Leu­te die Füh­rung beim Fußball-Zweit­li­gis­ten, in Uwe Stö­ver wur­de ein neu­er Sport­di­rek­tor in­stal­liert und in Tay­fun Kor­kut ein jun­ger Trai­ner ver­pflich­tet, der 14 neue Spie­ler in­te­grie­ren muss­te. Wie­der ein­mal soll­te auf dem Bet­zen­berg ei­ne Auf­bruchs­stim­mung er­zeugt wer­den.

Ei­ne sol­che ist auch jetzt in der Pfalz nö­tig. Ges­tern gab der Ver­ein be­kannt, was schon vor Weih­nach­ten fest­stand: Kor­kut ist als Trai­ner des FCK zu­rück­ge­tre­ten, auch sein As­sis­tent Xa­ver Zem­brod ver­lässt nach ei­nem hal­ben Jahr schon wie­der den Bet­zen­berg. Der Club sei von der Ent­schei­dung Kor­kuts über­rascht wor­den, be­stä­tigt Sport­di­rek­tor Stö­ver. In der Pres­se­mit­tei­lung des FCK be­dau­ert Gries den Rück­zug des Trai­ners, der noch bis En­de 2018 Ver­trag hat­te und durch sei­nen Schritt auf ei­ne Ab­fin­dung ver­zich­tet. Das ist un­ge­wöhn­lich in die­ser Bran­che. Hat Kor­kut viel­leicht ein lu­kra­ti­ve­res An­ge­bot? Der ehe­ma­li­ge tür­ki­sche Na­tio­nal­spie­ler wird in der Pres­se­mit­tei­lung nicht zi­tiert, zu er­rei­chen war er ges­tern nicht und so blei­ben erst ein­mal nur Spe­ku­la­tio­nen. Sind viel­leicht auch pri­va­te Grün­de aus­schlag­ge­bend? Sei­ne Fa­mi­lie wohnt in Stutt­gart, oft war der akri­bi­sche Ar­bei­ter zu­letzt nicht dort. Und vor ei­ni­gen Wo­chen muss­te Kor­kut den Tod sei­ner Mut­ter ver­kraf­ten.

Fakt ist, dass der 42-Jäh­ri­ge mit­un­ter in­tern Kri­tik vor al­lem aus dem Auf­sichts­rat spür­te. Der Club star­te­te mit nur sechs Punk­ten aus neun Spie­len so schlecht wie nie. Kor­kut ge­lang dann ei­ne Sta­bi­li­sie­rung, zu­letzt zeig­te der Trend aber wie­der nach un­ten. Auch die von Kor­kut an­ge­streb­ten „20 Punk­te + x“nach der Vor­run­de wur­den nicht er­reicht, der FCK hat mit 19 Zäh­lern nur fünf Punk­te Vor­sprung auf den Re­le­ga­ti­ons­platz. Die Mann­schaft spiel­te das Sta­di­on zu­letzt im­mer lee­rer, Tief­punkt war ein üb­les 0:0 ge­gen Erz­ge­bir­ge Aue vor nur noch knapp 20 000 Fans.

Mög­li­cher­wei­se gab es auch un­ter­schied­li­che An­sich­ten über die Per­spek­ti­ven. Auf­sichts­rats­boss Ni­ko­lai Rie­sen­kampff er­klär­te ein­deu­tig „die Eta­b­lie­rung in der Bun­des­li­ga“sei das Ziel. Kor­kut hin­ge­gen sprach im­mer wie­der von ei­ner Über­gangs­sai­son – und nur mit viel Fan­ta­sie kann man sich auch in der neu­en Run­de mehr vor­stel­len. Viel­leicht er­leb­te Kor­kut auch die Ge­samt­si­tua­ti­on beim FCK als des­il­lu­sio­nie­rend. An­spruch und Wirk­lich­keit pral­len im­mer mehr wie Fein­de auf­ein­an­der, der FCK ist ein ste­tig schrump­fen­der Rie­se. Um „hand­lungs­fä­hig zu blei­ben“, hat­te die neue Füh­rung im Som­mer ei­nen Kre­dit von drei Mil­lio­nen Eu­ro bei ei­nem pri­va­ten Fi­nanz­dienst­leis­ter auf­ge­nom­men. Lang­fris­tig, so Klatt, ge­be es für den Club nur zwei Sze­na­ri­en: Bun­des­li­ga oder Re­gio­nal­li­ga.

Fo­to: dpa

KUR­ZES GAST­SPIEL: Nach nur ei­nem hal­ben Jahr ver­lässt Tay­fun Kor­kut auf ei­ge­nen Wunsch den 1. FC Kai­sers­lau­tern be­reits wie­der.

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