Des Grei­fen Rück­kehr ist nicht zum Grei­fen nah

Neu­ge­stal­tung der Kai­ser­stra­ße und des Markt­plat­zes be­ginnt we­gen der ver­län­ger­ten U-Strab-Bau­zeit frü­hes­tens 2021

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Ru­pert Huste­de

Wenn der Greif wie­der hoch über dem Eu­ro­pa­platz wacht, dann hat Karls­ru­he den größ­ten Um­bruch für die In­nen­stadt­struk­tur fast ge­schafft. Noch ein Mo­nat fehlt, dann ist es sie­ben Jah­re her, dass der Fa­bel­vo­gel mit dem Lö­wen­kör­per vom ho­hen So­ckel ge­holt und vom „Eu­ro“ver­bannt wur­de. Und noch im­mer steht sein Rück­flug auf Dach­hö­he der Post­ga­le­rie in den Ster­nen.

Lud­wig von U-Strab ver­drängt

Glei­ches gilt für die Rück­kehr von Groß­her­zog Lud­wig, des­sen Brun­nen­herr­schaft auf dem Markt­platz 2013, al­so „erst“vor drei Jah­ren en­de­te, als ihn die U-Strab-Vor­be­rei­ter stürz­ten. Noch schlech­ter sieht es der­zeit für das blaue Stahl­kunst­werk am Ett­lin­ger Tor aus. Für die Zu­kunft der Groß­plas­tik „Ett­lin­ger Tor“an ih­rem Platz, dann über der un­ter­ir­di­schen Kom­bi­k­reu­zung von Au­to­tun­nel Kriegs­stra­ße und U-Strab-Süd­ab­zweig, gibt es aber noch nicht ein­mal va­ge Ver­spre­chun­gen. Im­mer­hin hat we­nigs­tens die­ses Karls­ru­her Kunst­bau­werk in al­ler Öf­fent­lich­keit Asyl an der Süd­tan­gen­te ge­fun­den.

Sie­ben Jah­re über­stan­den

Sie­ben har­te Jah­re Um­bau hat Karls­ru­he über­stan­den. Doch die fet­ten Jah­re oh­ne Bau­lärm und oh­ne Bahn­ver­kehr in der Ci­ty wol­len noch lan­ge nicht an­bre­chen. Aus dem noch 2010 zum Start der Ar­bei­ten an der Kom­bi­lö­sung ge­ge­be­nen Ver­spre­chen, dass En­de 2016 die U-Strab durch die Röh­re rollt, ist nichts ge­wor­den. Die Un­ter­grund­bahn der Fä­cher­stadt kann Stand heu­te frü­hes­tens in vier Jah­ren, al­so En­de 2020 rol­len. Der Au­to­tun­nel in der Kriegs­stra­ße wird nach ak­tua­li­sier­tem Bau­zei­ten­plan der Ka­sig 2021 fer­tig. Und die Um­ge­stal­tung der Kriegs­stra­ße ist mit dem Ein­zie­hen der Stra­ßen­bahn­tras­se auf dem Au­to­tun­nel­dach erst En­de 2021 kom­plett. Folg­lich kann auch erst dann der ober­ir­di­sche Bahn­ver­kehr in der Kai­ser­stra­ße voll­stän­dig ein­ge­stellt wer­den.

Dem­nach wird frü­hes­tens 2022 mit dem Raus­rei­ßen der Schie­nen aus der Fuß­gän­ger­zo­ne zwi­schen Karl­stra­ße und Ber­li­ner Platz be­gon­nen. Dann mag man für vie­le Mil­lio­nen Eu­ro die Ein­kaufs­mei­le Stück für Stück mit St­ein­plat­ten neu ver­sie­geln und die gu­te Stu­be um die Py­ra­mi­de mit schmü­cken­den Mo­sa­ik­bän­dern, fei­nen Bän­ken und Kan­de­la­bern frisch ein­rich­ten.

Es ver­ge­hen wohl noch ein­mal sie­ben Jah­re, bis um 2024 die schö­ne neue Karls­ru­her Ci­ty­Welt weit­ge­hend Gestalt an­ge­nom­men hat. Vor­aus­set­zung ist, dass nach künf­tig un­ge­brems­tem Fort­schritt der Kom­biBau­ar­bei­ten es für die Ver­schö­ne­rung der In­nen­stadt dann we­der am po- Wil­len der Stadt­ge­sell­schaft noch ent­spre­chen­den Mil­lio­nen in der Stadt­kas­se man­gelt.

Ver­spro­che­ne Rück­kehr

Der Greif – ba­di­sches Wap­pen­tier und Sym­bol groß­her­zog­li­cher Ver­gan­gen­heit und my­tho­lo­gi­sches Rät­sel­tier die­ser Stadt mit ori­en­ta­li­scher Ab­stam­mung – ist al­so auch der Zu­kunfts­vo­gel für die durch­kom­bi­nier­te Stadt. Noch will nur ei­ne Min­der­heit un­ter den Zeit­ge­nos­sen ger­ne auf den Greif samt ko­los­sa­lem Gre­na­dier­denk­mal für den Eu­ro­pa­platz ver­zich­ten. Sie sieht im Denk­mal mit dem Grei­fen auf der Spit­ze ei­ne Ver­li­ti­schen herr­li­chung des Mi­li­ta­ris­mus, die kein Come­back ver­die­ne. Noch aber be­steht das po­li­ti­sche Ver­spre­chen, dass die U-Strab-Stadt dem Grei­fen sei­ne her­aus­ge­ho­be­ne Denk­mal­po­si­ti­on zu­rück­gibt. Und das müss­te nicht erst in sie­ben Jah­ren ge­sche­hen. We­nigs­tens der Greif kön­ne viel frü­her auf dem „Eu­ro“lan­den, mög­li­cher­wei­se auch die Brun­nen­fi­gur Lud­wig mit ih­rem be­lieb­ten Was­ser­be­cken vor dem Rat­haus, meint Bau­bür­ger­meis­ter Micha­el Obert. Er räumt ein, dass sich die Neu­ge­stal­tung von Kai­ser­stra­ße und Markt­platz we­gen der ver­län­ger­ten U-Strab-Bau­zeit um et­wa drei Jah­re ver­zö­ge­re. Dem­nach kom­men die groß­zü­gig be­mes­se­nen Gra­nit­plat­ten und neu­en Bäu­me für die Kai­ser­stra­ße an Stel­le von As­phalt, ver­schwun­de­nem Pflas­ter und nicht mehr er­wünsch­ten Pla­ta­nen nicht ab 2018, son­dern eben ver­mut­lich frü­hes­tens ab 2021.

Ein­zel­nes kann schnel­ler ge­hen

„Man kann aber ein­zel­ne Din­ge vor­zie­hen, so­bald die U-Strab-Bau­stel­len auf den Plät­zen deut­lich klei­ner sind“, be­tont der De­zer­nent. Denk­bar ist es al­so: Der Greif ver­lässt „be­reits“in zwei, drei Jah­ren sein Exil hin­ter dem Gar­ten­zaun des Prinz-Max-Pa­lais an der Karl­stra­ße. Die neue Ober­flä­che er­hält der Eu­ro­pa­platz je­doch erst ei­ni­ge Jah­re spä­ter, wenn die Bau­ma­schi­nen und die Lie­fer­wa­gen für den U-Strab-In­nen­aus­bau kom­plett vom Eu­ro­pa­platz ab­ge­zo­gen sind. Wich­tig sind für Obert „Si­gna­le“, dass der Stadt­um­bau vor­an­kom­me. Des­halb freut er sich dar­über, dass man 2017 das Dur­la­cher Tor und die Ett­lin­ger Stra­ße den Bür­gern zu­rück­ge­ben wer­de. Zu­dem hofft der Bür­ger­meis­ter, dass der Ber­li­ner Platz noch in die­sem Jahr­zehnt frei von Bau­zäu­nen und auf­ge­hüb­scht wer­de.

Ar­chiv­fo­tos: jo­do

DER STEINERNE LUD­WIG ist schon über drei Jah­re vom Markt­platz ver­schwun­den. Auch die Stra­ßen­bahn hat dort ober­ir­disch nichts mehr ver­lo­ren.

DIE­SES BLAUE WUN­DER von Karls­ru­he gibt es seit Herbst 2011 nicht mehr. Die zwei­tei­li­ge Skulp­tur wur­de nach 13 Jah­ren am Ett­lin­ger Tor ab­ge­bro­chen und an die Süd­tan­gen­te ver­pflanzt.

STOL­ZER LÖWENVOGEL: Bis zum 28. Ja­nu­ar 2010 hat­te der Greif fast 85 Jah­re über dem „Eu­ro“ein Au­ge auf die Fä­cher­stadt.

AB­GE­SCHO­BEN: We­gen des U-Strab-Baus wur­de das ba­di­sche Fa­bel­we­sen vor fast sie­ben Jah­ren vom So­ckel ge­holt.

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