Bel­lo al­lein zu Haus

Hun­de kön­nen Ur-Angst über­win­den / Aber: Tren­nungs­zeit ma­xi­mal vier St­un­den

Pforzheimer Kurier - - TIER UND NATUR -

Ham­burg (ivh). Hun­de sind gern bei ih­ren Men­schen. Doch bleibt dem Hun­de­freund oft nichts an­de­res üb­rig, als den Vier­bei­ner auch mal für kur­ze Zeit al­lei­ne zu las­sen. Das Al­lein­sein kön­nen Hun­de je­den Al­ters ler­nen. Man muss nur wis­sen wie.

„Manch ein Hund kann auf das Al­lein­sein mit Bel­len oder Jau­len re­agie­ren. Doch dies ist kei­nes­falls ein krank­haf­tes Ver­hal­ten. Es ist ein na­tür­li­ches Ver­hal­ten aus Stress und Angst vor dem Al­lein­sein“, sagt Dr. Bar­ba­ra Schö­ning, Prä­si­den­tin der Ge­sell­schaft für Tier­ver­hal­tens­me­di­zin und -the­ra­pie in Ham­burg und Fach­tier­ärz­tin für Ver­hal­tens­kun­de und Tier­schutz. „Der Hund möch­te sich da­mit auch be­merk­bar ma­chen und den Kon­takt zum So­zi­al­part­ner Mensch wie­der­her­stel­len.“Das Al­lein­sein ist ei­ne Ur-Angst des Hun­des. Hun­de sind hoch­so­zia­le Tie­re, für die das Le­ben in der Grup­pe zwin­gend nö­tig ist. Die Grup­pe gibt Si­cher­heit, er­leich­tert die Nah­rungs­be­schaf­fung und ist die so­zia­le Un­ter­stüt­zung. Denn wird ein Wolf vom Ru­del ver­las­sen, be­deu­tet das, dass er zu schwach ist, um mit­zu­hal­ten. Und oh­ne den Rück­halt der Grup­pe sind die ei­ge­nen Über­le­bens­chan­cen schlecht. Hun­de kön­nen aber dar­auf trai­niert wer­den, ent­spannt ei­ni­ge Zeit oh­ne Herr­chen oder Frau­chen zu sein. Am bes­ten soll­te ih­nen das Al­lein­sein schon als Wel­pe bei­ge­bracht wer­den, doch auch ein aus­ge­wach­se­ner Hund kann es noch ler­nen.

So übt man mit ei­nem er­wach­se­nen Hund das Al­lein­sein: Der Hund soll­te ent­spannt und vi­el­leicht so­gar et­was mü­de sein, al­so nicht di­rekt vor der Füt­te­rung oder di­rekt nach ei­nem wil­den Spiel üben. Am An­fang geht der Be­sit­zer nur kurz aus dem Raum und kommt gleich wie­der rein. Erst nach und nach wer­den die Ab­we­sen­heits­zei­ten ver­län­gert. Da­bei kann lei­se Mu­sik zur Be­ru­hi­gung lau­fen. Auch kann dem Hund ein Klei­dungs­stück hel­fen, das nach sei­nem Herr­chen oder Frau­chen riecht. Bei der Rück­kehr wird der Hund be­lohnt, da­mit er die Er­fah­rung mit et­was Po­si­ti­vem ver­bin­det. Auf kei­nen Fall soll­te der Hal­ter zu­rück­kom­men, wenn der Vier­bei­ner bellt oder jault. Der Hund wür­de ler­nen, dass er sei­nen Be­sit­zer so zu­rück­ho­len kann und es in Zu­kunft wei­ter­hin tun. Wenn dies pas­siert, muss man die Uhr zu­rück­stel­len und wie­der mit sehr kur­zen Etap­pen der Tren­nung be­gin­nen.

Aber wie lan­ge kann der Hun­de­freund sei­nen Vier­bei­ner al­lei­ne las­sen? Ei­nig sind sich al­le Ex­per­ten, dass Wel­pen und sehr al­te Hun­de so we­nig wie mög­lich al­lei­ne ge­las­sen wer­den soll­ten. Bei er­wach­se­nen Hun­den emp­fiehlt Dr. Schö­ning: „Vier­bei­ner soll­ten kei­nes­falls län­ger als vier St­un­den al­lein blei­ben.“Die mög­li­che Tren­nungs­zeit va­ri­iert bei ver­schie­de­nen Hun­den je­doch stark und ist sehr per­sön­lich­keits­ab­hän­gig. Hun­de­be­sit­zer soll­ten die Tren­nungs­pha­sen al­so erst lang­sam ver­län­gern und so her­aus­fin­den, wie viel Al­lein­sein ihr Hund ver­trägt.

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