Streit um Kron­kor­ken

Braue­rei-Ge­winn­spiel mit ge­richt­li­chem Nach­spiel

Pforzheimer Kurier - - ERSTE SEITE - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Jörg Ta­ron

Skur­ri­ler Ge­richts­streit in Arns­berg: Ein Mann ge­winnt mit ei­nem Bier-Kron­kor­ken ein Au­to, ei­ne nei­di­sche Freun­din klagt nun auf Ge­winn­be­tei­li­gung.

Arns­berg. Vie­le Freund­schaf­ten zer­bre­chen an Al­ko­hol, die­se Freund­schaft zer­brach an ei­nem Kron­kor­ken. Es geht um ein Ge­winn­spiel ei­ner Braue­rei, das dem­nächst ein Nach­spiel vor Ge­richt ha­ben wird. Im Früh­jahr 2015 hat­te ein Mann aus dem sau­er­län­di­schen Schmal­len­berg da­bei ein Au­to ge­won­nen. Den Kron­kor­ken mit dem Ge­winn hat­te er bei ei­nem Wo­che­n­end-Trip sei­ner Cli­que zum Eder­see ent­deckt. Aber ei­ne Frau aus der Grup­pe er­hebt ei­ge­ne An­sprü­che auf den Wa­gen.

Dem­nächst sind die bei­den wie­der mit dem­sel­ben Ziel un­ter­wegs. Statt zum Eder­see geht es aber zum Arns­ber­ger Land­ge­richt, wo ei­ne Zi­vil­rich­te­rin den Streit ver­han­delt. Denn die Da­me hat ge­klagt. „So et­was ha­ben wir noch nicht ge­habt“, sagt Ge­richts­spre­cher Jo­han­nes Kamp. Es sei ein idea­ler Fall, um ihn Ju­ra­stu­den­ten in ei­ner Prü­fung vor­zu­set­zen. Die Rechts­la­ge ist ver­zwickt.

Wäh­rend vier der Wo­che­n­end-Aus­flüg­ler mit dem Mo­tor­rad an­reis­ten, kauf­te der fünf­te mit dem Au­to an ei­ner Tank­stel­le zwei Käs­ten Bier. Als die Cli­que am Abend ge­müt­lich zu­sam­men­saß, ha­be der jetzt be­klag­te Mann das Au­to­Sym­bol auf der In­nen­sei­te ei­nes acht­los auf den Tisch ge­wor­fe­nen Kron­kor­kens ent­deckt, sag­te der Ge­richts­spre­cher. Die Fla­sche ha­be zwar ein an­de­rer Mit­fah­rer für ihn ge­öff­net, aber für ihn sei klar ge­we­sen: Das ist sein Ge­winn.

Nach Aus­kunft des Ge­rich­tes schil­dert er auch, dass den an­de­ren dies wohl eben­so klar ge­we­sen sei. Denn: „Es ha­be kei­ne ge­mein­sa­me Freu­de ge­ge­ben. Viel­mehr sei der ge­mein­sa­me Um­trunk am Abend schnell be­en­det ge­we­sen, weil sei­ne Mit­fah­rer of­fen­sicht­lich nei­disch auf den Ge­winn ge­we­sen wä­ren“, heißt es in der Ar­gu­men­ta­ti­on des Be­klag­ten.

Die Braue­rei über­gab dann ei­nen von ins­ge­samt 111 in dem Ge­winn­spiel aus­ge­lob­ten Au­di an den Mann. „Für uns ist der der Ge­win­ner, der den Kron­kor­ken be­sitzt“, sagt Braue­rei­spre­cher Franz-Jo­sef Weih­rauch. Er ge­he da­von aus, dass sich die Be­tei­lig­ten im Zwei­fels­fall ei­ni­gen, wer der Ge­win­ner ist. Dass so et­was nun vor Ge­richt ge­klärt wer­den muss, über­rasch­te Weih­rauch: „Wir ha­ben uns im Vor­feld dar­über kei­ne Ge­dan­ken ge­macht.“

Of­fen­sicht­lich mach­te sich ei­ne Mit­fah­re­rin aber reich­lich Ge­dan­ken. Sie for­dert jetzt ein Fünf­tel des Ge­winns, klagt auf 5 736 Eu­ro. Sie ar­gu­men­tiert laut Ge­richts­spre­cher Kamp in ih­rer Zi­vil­kla­ge, dass die Freun­de vor der Fahrt fak­tisch ei­ne ge­mein­sa­me GbR (Ge­sell­schaft bür­ger­li­chen Rechts) ge­bil­det hät­ten, und zwar „mit dem Zweck ei­nes Um­trun­kes“. Schließ­lich ha­be man ver­ein­bart, al­le Kos­ten zu tei­len. Das sei dann auch ge­sche­hen, sag­te Kamp. Vor der Rück­fahrt sei­en al­le Aus­ga­ben ad­diert und durch fünf ge­teilt wor­den.

Ob das Ge­richt der Ar­gu­men­ta­ti­on der Klä­ge­rin fol­ge, sei of­fen, sag­te Kamp. Gänz­lich ab­we­gig scheint de­ren Sicht­wei­se dem Ge­richts­spre­cher nicht. „Es ist nur die Fra­ge, in­wie­weit man sol­che recht­li­chen Kon­struk­te auf ganz nor­ma­le Le­bens­si­tua­tio­nen über­tra­gen kann.

Zer­bro­che­ne Freund­schaft we­gen ge­won­ne­nen Au­tos

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