Fe­in­staub aus Holz­feu­er

Ver­ord­nung re­gelt Be­trieb von Kom­fort­ka­mi­nen

Pforzheimer Kurier - - ERSTE SEITE - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Wolf­gang Voigt

Be­sit­zer von Ka­min­öfen mit Holz­feue­rung müs­sen wohl nicht mit Ein­schrän­kun­gen rech­nen. An­ders ist das im von Fe­in­staub ge­plag­ten Stutt­gart.

Stutt­gart/Karls­ru­he. Müs­sen Nut­zer ei­nes so­ge­nann­ten Kom­fort-Ka­mins auch au­ßer­halb der Fe­in­staub-Me­tro­po­le Stutt­gart in Zu­kunft mit Ein­schrän­kun­gen rech­nen? Der­glei­chen ist nicht zu be­fürch­ten, si­gna­li­siert das zu­stän­di­ge Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um auf die von BNN-Le­sern ge­stell­te Fra­ge.

Im Früh­jahr 2017 soll ei­ne Lan­des­vor­ord­nung in Kraft ge­setzt wer­den, die bei Fe­in­stau­balarm in der Lan­des­haupt­stadt den Be­trieb von Kom­fort-Öfen ver­bie­tet. Un­ter Kom­fort-Öfen ver­ste­hen Ex­per­ten je­de Art von Hei­zung, die zu­sätz­lich zu ei­ner pri­mä­ren Hei­zungs­an­la­ge be­trie­ben wird und mit­hin nicht un­be­dingt er­for­der­lich ist. Ty­pi­sche Kom­fort-Öfen sind of­fe­ne Ka­mi­ne, Ka­chel­öfen, Ka­min­öfen oder Schwe­den­öfen, so­fern sie mit Holz be­trie­ben wer­den. An­la­gen, die Holz­pel­lets ver­bren­nen oder mit ei­nem Fil­ter aus­ge­rüs­tet sind, sind eben­so we­nig von dem Ver­bot be­trof­fen wie ei­ne Holz­ver­bren­nung, die als An­teil re­ge­ne­ra­ti­ver Ener­gie nach dem Er­neu­er­ba­re-Wär­meGe­setz von 2015 an­ge­ge­ben wur­de. „Die Ver­ord­nung gilt nur für das Ge­mein­de­ge­biet Stutt­gart“, stellt ein Spre­cher des zu­stän­di­gen Ver­kehrs­mi­nis­ters Win­fried Her­mann (Grü­ne) klar. Und zwar des­halb, weil nur hier – seit Jah­ren schon – die Fe­in­staub­grenz­wer­te über­schrit­ten wür­den. Das Stutt­gar­ter Neckar­tor gilt als Ort der stärks­ten Be­las­tung.

In der Tat hat die Fe­in­staub­be­las­tung im zu En­de ge­hen­den Jahr im ge­sam­ten Süd­wes­ten mit Aus­nah­me Stutt­garts ab­ge­nom­men. Die von der in Karls­ru­he an­säs­si­gen Lan­des­an­stalt für Um­welt, Mes­sun­gen und Na­tur­schutz (LUBW) er­ho­be­ne Da­ten­grund­la­ge weist bis Mit­te De­zem­ber an fast al­len Mess­sta­tio­nen des Lan­des we­ni­ger als 25 Ta­ge mit über­höh­ter Fe­in­staub­be­las­tung von mehr als 50 Mi­kro­gramm pro Ku­bik­me­ter Luft aus. Der EU-Grenz­wert liegt bei höchs­tens 35 Über­schrei­tungs­ta­gen pro Ka­len­der­jahr. Im Jahr 2010 wa­ren die Fe­in­staub­grenz­wer­te noch an 16 Sta­tio­nen über­schrit­ten wor­den – al­lein in Reutlingen an 82 Ta­gen. An der Mess­stel­le Karls­ru­he-Nord­west lag das gest­ri­ge Tages-Ma­xi­mum bei neun Mi­kro­gramm je Ku­bik­me­ter Luft. Laut Ver­kehrs­mi­nis­ter Her­mann sind Holz­feue­rungs­an­la­gen nach dem Stra­ßen­ver­kehr die zweit­größ­te Qu­el­le für Fe­in­staub im Land. Das er­klär­te er un­längst auf ei­nen ent­spre­chen­den An­trag der FDP im Land­tag.

Un­be­scha­det der ge­rin­gen Wahr­schein­lich­keit für Nut­zungs­be­schrän­kun­gen von Ka­min­öfen au­ßer­halb der Lan­des­haupt­stadt ha­ben die or­ga­ni­sier­ten Ka­chel­ofen- und Luft­hei­zungs­bau­er in Stutt­gart ihr Ve­to ge­gen ent­spre­chen­de Feue­rungs­ver­bo­te ein­ge­legt. Gui­do Ei­chel, Vor­stand der in Stutt­gart an­säs­si­gen

Fe­in­staub­be­las­tung im Süd­wes­ten rück­läu­fig

Ge­nos­sen­schaft der deut­schen Ka­chel­ofen­und Luft­hei­zungs­bau­er, Ha­gos, spricht von ei­ner wirt­schaft­li­chen Be­dro­hung der ge­sam­ten Bran­che. Im Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um hält man sol­che Kri­tik für „völ­lig über­zo­gen“. Ein Ver­bot wer­de es al­lein an Ta­gen mit ho­her Luft­be­las­tung ge­ben, so ein Mi­nis­te­ri­ums­spre­cher ge­gen­über den BNN. Das Ver­bot sei an­ge­sichts der Ge­sund­heits­ge­fah­ren durch Fe­in­staub an­ge­mes­sen. Dem Ar­gu­ment, dass Kom­fort-Ka­mi­ne als Fe­in­staub­schleu­dern ge­gen­über dem Au­to-Ver­kehr be­nach­tei­ligt wür­den, kann man im Mi­nis­te­ri­um nichts ab­ge­win­nen. Schließ­lich ge­he es al­lein um ein zeit­lich be­grenz­tes Be­triebs­ver­bot von Öfen, die zum Wär­men nicht zwin­gen be­nö­tigt wür­den. Of­fen ist un­ter­des­sen die Fra­ge, wie ein Ka­min­ver­bot kon­trol­liert wer­den soll. Aus den Kehr­bü­chern der Schorn­stein­fe­ger sei be­kannt, wo ent­spre­chen­de An­la­gen stün­den, so das Mi­nis­te­ri­um. Im Üb­ri­gen ge­he man von rechtstreu­en Bür­gern aus, die sich an ein Ver­bot hiel­ten, gibt man sich im Mi­nis­te­ri­um ver­trau­ens­se­lig.

Fo­to: dpa

DAS BEHAGLICHE KNIS­TERN IM KA­MIN ist au­ßer­halb von Stutt­gart nicht in Ge­fahr. Le­dig­lich in der Lan­des­haupt­stadt kann es zu Nut­zungs­ein­schrän­kun­gen bei der er­gän­zen­den Feue­rung mit Holz kom­men.

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