Glas­haus Sport

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - TO­BI­AS ROTH

Es wä­re aber auch ei­ne faust­di­cke Über­ra­schung ge­we­sen. Die Che­fin der rus­si­schen An­ti-Do­ping-Agen­tur gibt ei­ner US-ame­ri­ka­ni­schen Zei­tung ein In­ter­view und ge­steht da­bei den größ­ten Skan­dal in der Ge­schich­te des rus­si­schen Sports. Was für ein Pau­ken­schlag. Doch das De­men­ti kam rasch. Von staat­lich ge­deck­tem Do­ping, sys­te­ma­ti­schen Be­trü­ge­rei­en und Ver­tu­schun­gen will Russ­lands Sport­po­li­tik auch wei­ter­hin nichts hö­ren – trotz er­drü­cken­der Be­weis­last. Moskau steht am Do­ping-Pran­ger und die Sport­welt zeigt mit dem Fin­ger auf das Rie­sen­reich. Doch da­bei spielt auch ei­ne Men­ge Schein­hei­lig­keit mit. Viel­leicht mag das Aus­maß des rus­si­schen Do­pings bei­spiel­los sein, das Sys­tem der Ver­tu­schung und der man­gel­haf­te Auf­klä­rungs­wil­le sind es ge­wiss nicht.

Ge­ra­de Sport und Po­li­tik in Deutsch­land ha­ben sich im An­ti-Do­ping-Kampf noch nie mit Ruhm be­kle­ckert. Frei­burg ist da­für das bes­te Bei­spiel. Das be­schau­li­che Städt­chen im Breis­gau war über Jahr­zehn­te ein Doper-Pa­ra­dies. Wie vie­le olym­pi­sche Me­dail­len die Bun­des­re­pu­blik dank der Sprit­zen und Me­di­ka­men­te aus dem Süd­wes­ten sam­mel­te, hat noch nie­mand nach­ge­rech­net. Auf­ge­flo­gen sind die Ma­chen­schaf­ten je­den­falls erst, als das Rad­sport­team um den Vor­zei­ge­star Jan

Ull­rich im Do­ping-Sumpf ver­sank. Die Frei­bur­ger Ärz­te­schaft pfleg­te bes­te Kon­tak­te zu Po­li­tik, Sport­funk­tio­nä­ren und Staats­an­wäl­ten. Die­ses Ge­flecht soll­te ei­gent­lich ei­ne Un­ter­su­chungs­kom­mis­si­on der Uni­ver­si­tät ent­wir­ren. Doch die Auf­klä­rer ga­ben An­fang die­sen Jah­res ge­frus­tet auf, weil sie ge­gen Mau­ern des Schwei­gens rann­ten und ih­re Ar­beit of­fen­bar von höchs­ter Stel­le hin­ter­trie­ben wur­de. Wei­ter­hin un­ge­löst bleibt so üb­ri­gens auch die Rol­le, die die Sport­groß­macht Fuß­ball in der Frei­bur­ger Do­ping­welt ge­spielt hat. Die Breis­gauCon­nec­tion ist da­bei nur ein Bei­spiel von vie­len. Es gibt Ähn­li­ches zu be­rich­ten aus Spa­ni­en, Ita­li­en, Groß­bri­tan­ni­en, Chi­na oder Ke­nia. Was Do­ping be­trifft, ist der Sport längst ein Glas­haus, in dem sich je­der hü­ten soll­te, auch nur ei­nen St­ein in die Hand zu neh­men.

Das be­freit Russ­land frei­lich nicht von der Pflicht der Auf­klä­rung. Der Wil­le da­zu dürf­te über­schau­bar blei­ben. Ge­steu­ert wor­den sein soll das staat­li­che Do­ping-Pro­gramm von Mos­kaus Sport­mi­nis­te­ri­um. Des­sen ehe­ma­li­ger Chef Wi­ta­li Mut­ko sitzt in­zwi­schen im Fi­faExe­ku­tiv­ko­mi­tee, der Welt­re­gie­rung des Fuß­balls. Die Ball­sport­ler wer­den in zwei Jah­ren ih­re Welt­meis­ter­schaft in Russ­land aus­spie­len. Es soll ein ge­wal­ti­ges Spek­ta­kel wer­den. Für ner­ven­auf­rei­ben­de Auf­klä­rung bleibt da kei­ne Zeit.

Russ­land am Do­ping-Pran­ger

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