Am­ri soll aus Lkw Fo­tos ver­schickt ha­ben

Flucht of­fen­bar auch durch die Niederlande

Pforzheimer Kurier - - POLITIK -

Karlsruhe/Ber­lin (BNN/dpa). Der mut­maß­li­che At­ten­tä­ter Anis Am­ri hat kurz vor sei­nem ver­hee­ren­den At­ten­tat auf den Ber­li­ner Weih­nachts­markt of­fen­sicht­lich mit Ge­sin­nungs­ge­nos­sen kom­mu­ni­ziert. Noch zehn Mi­nu­ten vor sei­ner Ter­ror­tat, bei der der 24-jäh­ri­ge Tu­ne­si­er mit ei­nem Sat­tel­schlep­per elf Men­schen tö­te­te, ver­schick­te Am­ri über sein spä­ter im Füh­rer­haus ge­fun­de­nes Han­dy Sprach­nach­rich­ten und Fo­tos. Das be­rich­te­te ges­tern der „Fo­cus“und be­zog sich da­bei auf In­for­ma­tio­nen aus Ber­li­ner Si­cher­heits­krei­sen. Ei­ne ers­te Aus­wer­tung von Am­ris Han­dy­da­ten hat­te ges­tern zur Fest­nah­me ei­nes 40-jäh­ri­gen Tu­ne­si­ers in Ber­lin-Tem­pel­hof ge­führt, der in en­ger Ver­bin­dung zu Am­ri ge­stan­den ha­ben soll. Er so­wie wei­te­re Is­la­mis­ten in Ber­lin und im Ruhr­ge­biet, de­nen Am­ri nach dem Stand der Er­mitt­lun­gen kurz vor dem Ter­ror­an­schlag Nach­rich­ten zu­ge­schickt ha­ben soll, könn­ten in die At­ten­tats­plä­ne ein­ge­weiht ge­we­sen sein, wie „Fo­cus“be­rich­tet.

Die Er­mitt­ler re­kon­stru­ie­ren wei­ter­hin die Flucht­rou­te Am­ris durch meh­re­re Län­der. Vier Ta­ge nach dem An­schlag hat­ten ita­lie­ni­sche Po­li­zis­ten Anis Am­ri in Ses­to San Gio­van­ni nörd­lich von Mai­land er­schos­sen, nach­dem er bei ei­ner Per­so­nen­kon­trol­le das Feu­er auf die Be­am­ten er­öff­net hat­te. Am Vor­abend hat­te ei­ne Über­wa­chungs­ka­me­ra ihn in Tu­rin ge­filmt, wie ges­tern be­kannt wur­de. Vie­les spricht da­für, dass Am­ri auch durch die Niederlande kam. Zwei Ta­ge nach dem An­schlag ha­be ihn „sehr wahr­schein­lich“ei­ne Über­wa­chungs­ka­me­ra auf dem Bahn­hof in Nim­we­gen na­he der deut­schen Gren­ze auf­ge­nom­men, sag­te ein Spre­cher der Staats­an­walt­schaft. Zur sel­ben Zeit wur­den dort gra­tis SIM-Kar­ten ver­teilt. Ei­ne sol­che hat­ten ita­lie­ni­sche Er­mitt­ler nach ei­ge­nen An­ga­ben bei dem Tu­ne­si­er ent­deckt.

Der 24-Jäh­ri­ge war den Er­mitt­lun­gen zu­fol­ge mit ei­nem Last­wa­gen in den Weih­nachts­markt an der Ge­dächt­nis­kir­che in Ber­lin ge­fah­ren. Zwölf Men­schen star­ben, 55 wur­den ver­letzt. Sie stam­men aus gut ei­nem Dut­zend Län­der, wie aus Si­cher­heits­krei­sen ver­lau­te­te. Der pol­ni­sche Lkw-Fah­rer wur­de tot auf dem Bei­fah­rer­sitz ge­fun­den. Er soll mor­gen in sei­ner Hei­mat bei Stet­tin bei­ge­setzt wer­den. Zu Ta­ther­gang und Flucht­rou­te sind aber auch mehr als ei­ne Wo­che nach dem An­schlag vie­le Fra­gen of­fen. So ist zum Bei­spiel un­klar, war­um sich Am­ri nach Ita­li­en ab­setz­te. Die Be­hör­den prü­fen, ob der 24-Jäh­ri­ge dort Un­ter­stüt­zer hat­te.

Un­klar bleibt vor­erst auch, war­um Am­ri bei sei­ner Ent­las­sung aus der Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt Ra­vens­burg die Karls­ru­her Adres­se an­ge­ge­ben hat­te. Hin­ter der An­schrift ver­birgt sich das Karls­ru­her Men­schen­rechts­zen­trum. Am­ri war vom 30. Ju­li bis 1. Au­gust 2016 in Ab­schie­be­haft in Ra­vens­burg, bis das für Am­ri da­mals zu­stän­di­ge Aus­län­der­amt Kle­ve sei­ne Ent­las­sung an­ord­ne­te, wie ein Spre­cher des Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums ge­gen­über die­ser Zei­tung er­klär­te. Beim Ent­las­sungs­ge­spräch hat­te er dann die be­sag­te Karls­ru­her Adres­se an­ge­ge­ben. Knapp ein Jahr zu­vor, am 6. Au­gust 2015 hat­te Anis Am­ri auf ei­nem sei­ner Face­book-Kon­ten ein Fo­to vom Karls­ru­her Fried­richs­platz hoch­ge­la­den und als Pro­fil­bild ver­wen­det. Er war En­de Ju­li ver­gan­ge­nen Jah­res über Frei­burg nach Deutsch­land ein­ge­reist.

Karls­ru­her Adres­se führt zu Men­schen­rechts­zen­trum

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