„Sehn­suchts­ort für Kun­den“

Alex­an­der Bir­ken steht als neu­er Ot­to-Chef vor gro­ßen Auf­ga­ben

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT - Von Eck­art Gi­en­ke und Erich Rei­mann

Ham­burg/Karlsruhe. Der di­gi­ta­le Wan­del hat die Han­dels­bran­che gründ­lich um­ge­krem­pelt: Heu­te be­stel­len vie­le Kun­den on­li­ne statt per Ka­ta­log. Und der Pa­ket­bo­te er­setzt im­mer öf­ter den Gang ins Ge­schäft. Alex­an­der Bir­ken hat die­sen Wan­del als Ma­na­ger der Ot­to Group – zu der auch der Karls­ru­her Ver­sand­händ­ler Hein­rich Hei­ne Gm­bH ge­hört – mit­ge­stal­tet. Der 52-Jäh­ri­ge ist bis­her Chef­stra­te­ge des welt­weit fünft­größ­ten On­li­ne-Händ­lers. Mit Be­ginn des neu­en Jah­res über­nimmt Bir­ken den Vor­stands­vor­sitz des Han­dels- und Di­enst­leis­tungs­kon­zerns – und er hat ei­ni­ges vor sich.

Er ist Nach­fol­ger von Hans-Ot­to Schra­der, der nach knapp zehn Jah­ren in den Auf­sichts­rat wech­selt. Bir­ken wird da­mit Chef von mehr als 50 000 Mit­ar­bei­tern welt­weit. Der neue Mann an der Spit­ze weiß, was von ihm er­war­tet wird: Die Ot­to Group muss noch schnel­ler, dy­na­mi­scher und di­gi­ta­ler wer­den, um im Wett­kampf mit Ama­zon und Co mit­hal­ten zu kön­nen.

Bran­chen­ken­ner be­schei­ni­gen dem Ver­sandrie­sen, auf ei­nem gu­ten Weg zu sein. „Es gibt we­ni­ge Un­ter­neh­men in Deutsch­land, von de­nen man sa­gen kann, dass sie die di­gi­ta­le Trans­for­ma­ti­on so er­folg­reich an­ge­gan­gen sind wie Ot­to“, ur­teilt et­wa der Han­dels­ex­per­te Ger­rit Hei­ne­mann von der Hoch- schu­le Nie­der­rhein. Ehe­ma­li­ge Ri­va­len wie Qu­el­le oder Ne­cker­mann sind ver­schwun­den, Ot­to da­ge­gen le­be noch und ha­be mit On­li­neShops wie Bon­prix und About You auch Er­fol­ge auf­zu­wei­sen.

Was nicht heißt, dass die Auf­ga­be für Bir­ken ein­fach ist. „Ot­to hat mit Alt­las­ten zu kämp­fen, die Kon­kur­ren­ten wie Ama­zon und Za­lan­do nicht ha­ben. Die meis­ten Mit­ar­bei­ter kom­men noch aus ei­ner Ära, in der der Be­griff di­gi­tal ein Fremd­wort war. Ot­to muss sie mit­neh­men“, be­schreibt Hei­ne­mann die La­ge.

Bir­ken kennt die Pro­ble­me. Als Be­reichs­vor­stand für Ver­sand­han­del und Chef der Ein­zel­ge­sell­schaft Ot­to hat er schon bis­lang rund die Hälf­te des Um­sat­zes der Grup­pe ver­ant­wor­tet. Sei­ne Ge­dan­ken dre­hen sich um den Kun­den. „Kon­su­men­ten zu be­geis­tern, sie ab­zu­ho­len und zu loya­len Kun­den zu ma­chen, Kauf­an­läs­se und Pro­blem­lö­sun­gen zu schaf­fen, in Echt­zeit und in­tel­li­gent – das ist un­se­re Auf­ga­be“, sag­te er vor ei­nem Jahr auf ei­nem Kon­gress. In­tern füg­te er hin­zu, die Ot­to Group sol­le zu ei­nem „Sehn­suchts­ort“für Kun­den, Mit­ar­bei­ter und Ge­schäfts­part­ner wer­den.

Bir­ken muss den Spa­gat schaf­fen: Ot­to soll sei­ne Wer­te be­wah­ren und sich den­noch ra­di­kal wan­deln für die neue Han­dels­welt. „Kul­tur­wan­del be­deu­tet auch Re­vo­lu­ti­on, näm­lich ge­wohn­te Ver­hal­tens­mus­ter zu stö­ren und im Zwei­fels­fall zu zer­stö­ren, um Raum für Neu­es zu schaf­fen“, sagt Bir­ken, der auch ei­ni­ge Jah­re in den USA ge­ar­bei­tet hat. Ge­gen­wär­tig ar­bei­tet der Va­ter von vier Kin­dern ge­mein­sam mit Kol­le­gen an ei­nem neu­en Leit­bild und ei­ner Stra­te­gie für die Ot­to Group, die im April von der Füh­rungs­mann­schaft ver­ab­schie­det wer­den soll.

Der E-Com­mer­ceEx­per­te Hei­ne­mann geht da­von aus, dass der neue Ot­to-Chef sei­ne Zie­le mit Au­gen­maß set­zen wird: „Der An­spruch, so groß und mäch­tig zu wer­den wie Ama­zon oder Ali­ba­ba, wä­re bei je­dem deut­schen Un­ter­neh­men über­zo­gen. Das kann Ot­to als Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men nicht schaf­fen. Aber Ot­to weiß das auch und ist er­folg­reich da­bei, Ni­schen zu be­set­zen, die Ama­zon und Co nicht be­die­nen kön­nen oder wol­len.“Ein Bei­spiel: Mitt­ler­wei­le ver­kauft das Un­ter­neh­men nicht nur Fern­se­her, Wasch­ma­schi­nen und Ta­blets – es ver­mie­tet sie auch.

DER NEUE: Im Ja­nu­ar tritt Alex­an­der Bir­ken an die Spit­ze der Ot­to Group. Er muss das Un­ter­neh­men noch schnel­ler und di­gi­ta­ler ma­chen. Fo­to: dpa

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.