„Ich par­ke mein Au­to nicht mehr an der Stra­ße“

In der Re­gi­on geht die Angst vor neu­en Ta­ten der Schei­ben-Schüt­zen um / Schon rund 100 An­zei­gen

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Bernd Kam­leit­ner

Karlsruhe/Ett­lin­gen/Dur­mers­heim/ Malsch. „Ich las­se mein Au­to nicht mehr auf der Stra­ße ste­hen!“Ein BNN-Le­se­rin aus Ett­lin­gen hat aus Angst vor neu­en mut­wil­li­gen Sach­be­schä­di­gun­gen durch die Schei­ben­schüt­zen, die in der Re­gi­on ihr Un­we­sen trei­ben, ei­ne Kon­se­quenz ge­zo­gen: Sie parkt den Wa­gen in der Ga­ra­ge. Doch vie­le Kfz-Hal­ter ha­ben kei­nen si­chern Un­ter­stell­platz und müs­sen das Au­to wei­ter­hin an der Stra­ße ab­stel­len – mit der Un­ge­wiss­heit, ob es die Nacht un­be­schä­digt über­steht. Zwar gab es in der Nacht zum gest­ri­gen Mitt­woch laut Po­li­zei kei­ne neu­en Mel­dung zu zer­stör­ten Au­to­schei­ben, den­noch hat sich die Zahl der An­zei­gen in­zwi­schen auf rund 100 er­höht.

Auch oh­ne neue Fäl­le könn­te die Zahl der be­trof­fe­nen Kfz-Hal­ter wei­ter stei­gen. Po­li­zei­spre­cher Ralf Mi­net schließt ei­ne ge­wis­se Dun­kel­zif­fer nicht aus: Vie­le Men­schen sei­en im Weih­nachts­ur­laub, mit­hin könn­ten wei­te­re An­zei­gen zu Ta­ten er­fol­gen, die be­reits Ta­ge zu­rück­lie­gen, aber erst spä­ter ent­deckt wer­den. Seit dem 17. De­zem­ber re­gis­trier­te die Po­li­zei in Karlsruhe, Ett­lin­gen, Malsch, Rhein­stet­ten und Dur­mers­heim Fäl­le, bei de­nen der oder die Se­ri­en­tä­ter zu­ge­schla­gen ha­ben. Zu­letzt wa­ren Mel­dun­gen über die blin­der Zer­stö­rungs­wut an Au­to­schei­ben über die Weih­nachts­fei­er­ta­ge nach oben ge­schnellt. Al­lein in Malsch wa­ren nur am Mon­tag 33 Schei­ben zu Bruch ge­gan­gen. Wie be­rich­tet agie­ren der oder die Tä­ter ver­mut­lich aus ei­nem fah­ren­den Au­to. Mög­li­cher­wei­se han­tie­ren sie mit ei­ner Sof­tairwaf­fe oder ei­ner Schleu­der. In ei­nem Fall konn­ten die Er­mitt­ler in­zwi­schen ein Me­tall­kü­gel­chen si­cher­stel­len. Der­zeit lau­fen die Un­ter­su­chun­gen, ob da­mit tat­säch­lich die Au­to­schei­be zer­split­tert wer­den konn­te. Der Ge­samt­scha­den durch die Schei­ben-Schüt­zen hat sich in­zwi­schen auf über 50 000 Eu­ro sum­miert, schätzt der Po­li­zei­spre­cher. Die be­trof­fe­nen Au­to­be­sit­zer müs­sen sich nicht nur um die Scha­dens­re­gu­lie­rung küm­mern, mög­li­cher­wei­se blei­ben sie auch auf den Kos­ten für den Schei­ben- tausch sit­zen. Die kön­nen, je nach Hö­he der Selbst­be­tei­li­gung in der Kas­ko­ver­si­che­rung, bei meh­ren hun­dert Eu­ro lie­gen.

Ei­ne be­trof­fe­ne BNN-Le­se­rin aus dem Karls­ru­her Orts­teil Bei­ert­heim be­rich­tet von min­des­tens sie­ben Fäl­len, in de­nen nur um ih­ren Wohn­block Au­to­schei­ben zer­split­ter­ten, dar­un­ter nicht nur Heck­schei­ben, son­dern auch Glas an der Fah­rer- oder Bei­fah­rer­sei­te. „Die sind wohl ge­nau dar­auf zu­ge­fah­ren“, ver­mu­tet auch sie, dass die Tä­ter mit ei­nem Fahr­zeug un­ter­wegs wa­ren und ei­ne Spur der Zer­stö­rung in der Ho­hen­zol­lern­stra­ße in Bei­ert­heim hin­ter­lie­ßen. Die Le­se­rin war von ei­nem auf­merk­sa­men Nach­barn auf den Scha­den an ih­rem Fahr­zeug hin­ge­wie­sen wor­den. An­schlie­ßend stell­te sich her­aus, dass auch am Wa­gen des Nach­barn ei­ne Schei­be zu Bruch ge­gan­gen war.

Fe­der­füh­rend bei den Er­mitt­lun­gen ist das Po­li­zei­re­vier in Ett­lin­gen. Die Be­am­ten ar­bei­te­ten mit Hoch­druck an der Auf­klä­rung der Sach­be­schä­di­gun­gen, be­tont Po­li­zei­spre­cher Mi­net. Ei­ne hei­ße Spur ha­ben die Er­mitt­ler aber of­fen­sicht­lich noch nicht. Mitt­ler­wei­le wur­de be­kannt, dass der oder die Tä­ter auch Schei­ben zwei­er Bus­se der Alb­tal­ver­kehrs­ge­sell­schaft (AVG) zer­stör­ten. Zu­dem wur­den an ei­nem Bü­ro­ge­bäu­de in Ett­lin­gen zwei Ein­schuss­lö­cher an Fens­tern ge­mel­det. Durch was sie her­vor­ge­ru­fen wur­den, las­se sich der­zeit noch nicht be­stimmt sa­gen.

Wäh­rend in der Re­gi­on die Schei­ben-Schüt­zen Angst ver­brei­ten, ist die Po­li­zei in Mann­heim mit ei­ner Se­rie von Au­to­auf­brü­chen be­schäf­tigt: Der oder die Tä­ter schla­gen auch Au­to­schei­ben ein. Aber im Ge­gen­satz zu den Fäl­len in Karlsruhe, bei de­nen aus den Fahr­zeu­gen nichts ge­stoh­len wur­de, ha­ben es die Tä­ter in der Qua­dra­te­stadt auf Wert­sa­chen ab­ge­se­hen. Sie er­beu­te­ten Elek­tro­ge­rä­te und auch Geld­bör­sen, heißt es.

ÄR­GER­NIS: Un­be­kann­te Tä­ter zer­stö­ren Au­to­schei­ben. Rund 100 An­zei­gen sind be­reits ein­ge­gan­gen. Fo­to: dpa (Archiv)

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