Wunsch nach Fei­er­tags-Re­for­ma­ti­on

Die Mehr­heit der Deut­schen fin­det die un­ein­heit­li­che Re­ge­lung frei­er Ta­ge sub­op­ti­mal

Pforzheimer Kurier - - BLICK IN DIE WELT - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Gre­gor Tholl

Ber­lin. Von Alt-Kanz­ler Hel­mut Kohl ist die Ein­schät­zung über­lie­fert, dass zu vie­le freie Ta­ge wohl we­nig för­der­lich sei­en und sich ei­ne er­folg­rei­che In­dus­trie­na­ti­on „nicht als kol­lek­ti­ver Frei­zeit­park or­ga­ni­sie­ren“las­se. Das sag­te er vor fast ei­nem Vier­tel­jahr­hun­dert.

Ei­ne Um­fra­ge des Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tuts YouGov legt jetzt aber na­he, dass die Mehr­heit der Deut­schen zu­min­dest ger­ne mehr Fei­er­ta­ge hät­te. Und dass sie vor al­lem ger­ne mehr na­tio­na­le Kol­lek­ti­vi­tät, al­so Ge­mein­schaft­lich­keit, da­bei hät­te. Denn von Ein­heit­lich­keit ist bei den Fei­er­ta­gen in der fö­de­ra­len Bun­des­re­pu­blik we­nig zu spü­ren. So hat ein Ar­beit­neh­mer in Ber­lin zum Bei­spiel nur neun Fei­er­ta­ge im Jahr, wäh­rend ein Münch­ner 13 hat. Und in Augs­burg mit dem lo­ka­len Frie­dens­fest im Au­gust sind es so­gar 14 Fei­er­ta­ge, al­so gut 50 Pro­zent mehr als et­wa in Nie­der­sach­sen, Bre­men oder Schles­wi­gHol­stein.

Der Um­fra­ge zu­fol­ge spre­chen sich 61 Pro­zent der Er­wach­se­nen da­für aus, dass es deutsch­land­weit in al­len Bun­des­län­dern gleich vie­le ge­setz­li­che Fei­er­ta­ge ge­ben soll­te – und zwar so vie­le wie im Land mit den meis­ten, was dann al­so 13 wie in Bay­ern wä­ren. Wel­che Fei­er­ta­ge das dann aber wä­ren, ist ei­ne kom­pli­zier­te An­ge­le­gen­heit. Könn­ten sich die Men­schen ei­nen bun­des­wei­ten Fei­er­tag aus den re­gio­nal be­reits vor­han­de­nen aus­su­chen, dann wähl­ten 49 Pro­zent den Re­for­ma­ti­ons­tag am 31. Ok­to­ber. Er lä­ge da­mit vor ka­tho­li­schen Fei­er­ta­gen wie Al­ler­hei­li­gen am 1. No­vem­ber (48 Pro­zent) oder Fron­leich­nam 60 Ta­ge nach Os­tern (46 Pro­zent). Den Tag der Hei­li­gen Drei Kö­ni­ge am 6. Ja­nu­ar fän­den bun­des­weit 44 Pro­zent gut.

Ex­pli­zit ge­fragt nach dem 31. Ok­to­ber, der im kom­men­den Jahr zum Re­for­ma­ti­ons­ju­bi­lä­um ein­ma­lig ein Fei­er­tag in ganz Deutsch­land ist, sind fast drei Vier­tel (72 Pro­zent) da­für, dass dies auch nach 2017 so bleibt. 17 Pro­zent sind da­ge­gen, elf Pro­zent ha­ben kei­ne Mei­nung. Nor­ma­ler­wei­se ist der Re­for­ma­ti­ons­tag zur Er­in­ne­rung an den The­sen­an­schlag von Mar­tin Lu­ther 1517 in Wit­ten­berg nur in Sach­sen-An­halt, Sach­sen, Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Bran­den­burg und Thü­rin­gen ein Fei­er­tag.

Dass es den Er­wach­se­nen in der Bun­des­re­pu­blik bei der Fei­er­tags­dis­kus­si­on in ers­ter Li­nie nicht nur aus Faul­heit um mehr freie Ta­ge geht, deu­tet ein an­de­res Um­fra­geEr­geb­nis an: So sind 53 Pro­zent da­ge­gen, dass auch in Deutsch­land ein Fei­er­tag, der auf ei­nen Sonn­tag fällt, am Mon­tag nach­ge­holt wer­den soll­te. In Län­dern wie Groß­bri­tan­ni­en, Bel­gi­en oder Spa­ni­en ist das so ge­re­gelt.

DEN RE­FOR­MA­TI­ONS­TAG am 31. Ok­to­ber wün­schen sich vie­le Deut­sche auch über 2017 hin­aus als bun­des­weit ein­heit­li­chen Fei­er­tag. Fo­to: dpa

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