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Rusada de­men­tiert Do­ping-Ge­ständ­nis

Pforzheimer Kurier - - SPORT -

Leip­zig/Moskau (dpa). Stimmt es, oder stimmt es nicht? Ein ers­tes Ein­ge­ständ­nis von Do­ping-Ver­tu­schun­gen in Russ­land von Rusada-Che­fin An­na An­ze­lio­witsch ist gleich wie­der ein­kas­siert wor­den. Die Aus­sa­gen in der New York Ti­mes sei­en ver­fälscht und aus dem Zu­sam­men­hang ge­ris­sen, teil­te die An­ti­Do­ping-Agen­tur Rusada am gest­ri­gen Mitt­woch mit. Auch der Kreml be­zwei­fel­te die Glaub­wür­dig­keit des Be­richts in der re­nom­mier­ten US-Zei­tung. Die Rusada-Che­fin war mit den bri­san­ten Wor­ten zi­tiert wor­den: „Es war ei­ne in­sti­tu­tio­nel­le Ver­schwö­rung.“Noch am glei­chen Tag re­la­ti­vier­te An­ze­lio­witsch ih­re kri­ti­schen Aus­sa­gen. „Na­tür­lich sind mei­ne Wor­te aus dem Kon­text ge­ris­sen wor­den“, schrieb sie laut Agen­tur sports.ru in ei­ner Mit­tei­lung.

Der Wort­laut greift ge- nau die For­mu­lie­rung des Do­ping-Son­der­er­mitt­lers Richard McLa­ren bei sei­nen Vor­wür­fen ge­gen Russ­land auf. Der Che­f­er­mitt­ler der Welt-An­ti­Do­ping-Agen­tur (Wa­da) hat­te Russ­land in sei­nen bei­den Re­ports an­ge­sichts von 1 000 in­vol­vier­ten Sport­lern Staats­do­ping vor­ge­wor­fen und von ei­ner „in­sti­tu­tio­nel­len Ver­schwö­rung“über meh­re­re Jah­re und sport­li­che Groß­er­eig­nis­se hin­weg ge­spro­chen. Kri­tik kam vom rus­si­schen Sport­mi­nis­ter Pa­wel Ko­lob­kow. An­ze­lio­witsch sei kei­ne Staats­be­diens­te­te, sag­te er in Moskau. Sie hät­te des­halb nicht als Ver­tre­te­rin der rus­si­schen Sport­po­li­tik zi­tiert wer­den dür­fen.

„Das IOC war­tet auf Klä­rung“, sag­te ein Spre­cher des In­ter­na­tio­na­len Olym­pi­schen Ko­mi­tees (IOC). Man wer­de die An­ge­le­gen­heit zu­nächst nicht kom­men­tie­ren. Fi­fa-Chef Gi­an­ni In­fan­ti­no wies ei­nen di­rek­ten Zu­sam­men­hang zur Fuß­ball-Welt­meis­ter­schaft 2018 in Russ­land zu­rück. Er glau­be nicht, „dass wir ein Do­ping­pro­blem, selbst wenn es ein gro­ßes Do­ping­pro­blem ist, mit der Or­ga­ni­sa­ti­on für die WM ver­mi­schen soll­ten“, sag­te der Prä­si­dent des Welt­ver­ban­des ges­tern.

Nach­dem das IOC kurz vor Weih­nach­ten ein Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren ge­gen 28 Rus­sen ein­ge­lei­tet hat­te, wur­den vom Ski­welt­ver­band FIS sechs und vom Bi­ath­lon-Welt­ver­band IBU zwei Sport­ler ge­sperrt. Ei­ner da­von ist Lang­lauf-Olym­pia­sie­ger Alex­an­der Leg­kow. Der 50-Ki­lo­me­ter-Sie­ger von Sot­schi klagt ge­nau wie sein Kol­le­ge Jew­ge­ni Be­low ge­gen die Su­s­pen­die­rung und hat den Bochu­mer An­walt Chris­tof Wie­sche­mann en­ga­giert. Die Kla­ge ge­gen die FIS ist ein­ge­reicht. Bei der am Sil­ves­ter­tag be­gin­nen­den Tour de Ski will Leg­kow star­ten. „Es geht schließ­lich um Exis­ten­zen. Bei der Tour geht es um sehr vie­le Welt­cup-Punk­te, da­mit auch Start­plät­ze. Es geht um viel Geld und Prä­mi­en“, sag­te Leg­kows deut­scher Trai­ner Mar­kus Cra­mer. Sein Schütz­ling sei we­der vor, wäh­rend, noch nach den Spie­len je­mals po­si­tiv ge­tes­tet wor­den. Cra­mer ist seit an­dert­halb Jah­ren in Russ­land und hat wie sein Bi­ath­lon-Kol­le­ge Ric­co Groß bei sei­nem Amts­an­tritt kla­re An­sa­gen in Sa­chen Do­ping ge­macht: „Für mich gibt es nur ei­ne Null-To­le­ranz-Po­li­tik.“Groß geht wei­ter da­von aus, dass von sei­nen Bi­ath­le­ten kei­ner in den Do­ping­skan­dal ver­wi­ckelt ist.

Im Welt­ver­band FIS ist man sich der­weil des Ri­si­kos der Su­s­pen­die­run­gen be­wusst. „Die ha­ben wir so­fort pro­vi­so­risch be­straft, ob­wohl wir noch auf Be­wei­se war­ten müs­sen. Wir neh­men da ein ge­wis­ses Ri­si­ko auf uns. Aber wir muss­ten re­agie­ren, weil die Sai­son im Lang­lauf jetzt mit der Tour de Ski schon wei­ter­geht“, er­klär­te Welt­ver­bands­Prä­si­dent Gi­an­fran­co Kas­per.

SORGT FÜR WIR­BEL: An­na An­ze­lio­witsch. Fo­to: dpa

REICHT KLA­GE EIN: Alex­an­der Leg­kow. Fo­to: ima­go

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