Orts­wech­sel bringt Be­su­cher­schwund mit sich

In der pro­vi­so­ri­schen Un­ter­kunft des Hau­ses der Ju­gend läuft noch die Ak­kli­ma­ti­sie­rungs­pha­se

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Su­san­ne Roth

Der Ki­cker ist in Be­trieb. Kla­cken dringt aus den hin­te­ren Räu­men. Ein paar Jungs ver­su­chen sich im Bil­lard, ha­ben aber of­fen­bar zu viel Tem­pe­ra­ment oder über­schüs­si­ge Kraft. Je­den­falls bol­lern die Ku­geln es erst mal nur an die Ban­de. Da­ne­ben lüm­meln wei­te­re Ju­gend­li­che trau­ben­ar­tig auf ei­ner Couch­land­schaft. „Heu­te ist Fi­fa 17-Tag, Play­sta­ti­on“, er­klärt Pe­dro Treig Gar­cia und wen­det sich wie­der der Lis­te zu. Schließ­lich muss der Be­treu­er im Haus der Ju­gend in Pforz­heim akri­bisch Pro­to­koll füh­ren – es geht ja um nicht we­ni­ger als um den Sieg.

Das sieht nach ei­nem ganz nor­ma­len Tag im Haus der Ju­gend aus. Und das ist es auch, wenn man da­von ab­sieht, dass sich das al­les im pro­vi­so­ri­schen Haus der Ju­gend ist in der West­li­chen Kar­lF­ried­rich-Stra­ße 89 ab­spielt, wo sich die Ju­gend­li­chen lang­sam ak­kli­ma­ti­sie­ren. Nicht nur Zim­mer­tan­nen sind of­fen­bar sen­si­ble Kan­di­da­ten, wenn es um ei­nen Orts­wech­sel geht, auch jun­ge Men­schen tun sich da­mit schwer. Dar­an än­dert auch nicht, dass die Sa­nie­rung des ei­gent­li­chen Haus der Ju­gend erst En­de 2018 fer­tig wird.

„Das hier muss erst an­ge­nom­men wer­den“, er­läu­tert Pe­dro Treig Gar­cia. „Das vor­her war ja für sie wie ein Wohn­zim­mer.“Die et­wa 20 jun­gen Män­ner, die ge­ra­de Fuß­ball-Champ wer­den wol­len, sind da­her auch nur ein Bruch­teil der Be­su­cher, die vor dem Um­zug täg­lich im Ben­cki­ser­park vor­bei­kam. „Das wa­ren schon 80 bis 100 Ju­gend­li­che, jetzt sind es noch 15 bis 20“, sagt der Be­treu­er. „Das dau­ert“, bis sich das än­dert. Die Ju­gend­li­chen müss­ten erst ein­mal po­si­ti­ve Er­leb­nis­se mit den Räu­men in Ver­bin­dung brin­gen.

Die, die da sind, freu­en sich of­fen­sicht­lich, dass sie über­haupt ei­nen Raum ha­ben, wo sie sich tref­fen kön­nen, stellt der Be­treu­er fest. Der 18-jäh­ri­ge Da­ni­el Pe­za­ler hat über Face­book vom neu­en Ort er­fah­ren. Er ist das ers­te Mal da und es ge­fällt ihm „ganz gut“. Die Be­ob­ach­tung, dass nur jun­ge Män­ner un­ter Auf­sicht Ver­gnü­gen ha­ben, ist rich­tig. Sie ha­ben fast al­le Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund. „Das war schon im­mer so“, sagt Pe­dro Treig Gar­cia zu bei­dem. Das Ver­hält­nis weib­lich-männ­lich lie­ge bei 1:10.

Et­was un­güns­tig ist der­zeit noch, dass sich Kin­der- und Ju­gend­li­chen-Grup­pen nicht aus dem Weg ge­hen kön­nen. Kin­der sei­en da­durch sehr an den Über­gän­gen zur Er­wach­se­nen­welt in­ter­es­siert und Ju­gend­li­che wie­der­um ner­ve, dass Kin­der ih­nen über die Schul­ter schau­en. „Im Ja­nu­ar be­kom­men wir wei­te­re Räu­me“, sagt Car­men San­cho, die für die Be­treu­ung der Kin­der zu­stän­dig ist. 60 bis 70 Kin­der kä­men der­zeit. Die­se müs­sen sich noch ge­dul­den, bis ein paar Ju­gend­li­che beim Raus­räu­men des Ba­s­tel­ma­te­ri­als aus dem La­ger in der Bel­fort-Stra­ße und beim Strei­chen der neu­en Räu­me ge­hol­fen ha­ben. Es könn­te al­so Fe­bru­ar wer­den, bis die Kin­der ih­ren ei­ge­nen Raum be­kom­men. Doch die Haus­auf­ga­ben­hil­fe für ak­tu­ell rund 20 Kin­der lau­fe na­tür­lich wei­ter.

Die Be­treu­er al­ler Grup­pen set­zen in der Über­gangs­pha­se auf so viel wie mög­lich Aus­flü­ge, da­mit der Ben­cki­ser­park we­ni­ger fehlt. Vor al­lem der Wild­park sei be­liebt, sagt Car­men San­cho. „Nicht un­be­dingt we­gen der Tie­re, eher we­gen der Spiel­plät­ze, hier gibt es ja nichts.“

HIGHLIFE IM HAUS DER JU­GEND: Ein Teil der jun­gen Leu­te spielt Bil­lard, ein an­de­rer ver­sucht, sich ge­gen­sei­tig im Fi­fa-17-Play­sta­ti­on-Spiel zu schla­gen. Der Be­trieb läuft, aber es kommt seit dem Um­zug ins pro­vi­so­ri­sche Do­mi­zil in der West­li­chen 89 nur et­wa ein Vier­tel der sonst üb­li­chen Be­su­cher­zahl. Fo­to: Roth

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